Rechnungshof bestätigt Erfolg der Öffi-Offensive, aber strukturelle Probleme bleiben
Der Rechnungshofbericht zeigt: Die ÖBB konnten die Fahrgastzahlen deutlich steigern, kämpfen aber mit Personalengpässen und Organisationsproblemen.
Ein neuer Bericht des Rechnungshofs zur Angebotsplanung des ÖBB-Personenverkehrs zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Innerhalb von zehn Jahren konnte die Österreichische Bundesbahn die Fahrgastzahlen um beeindruckende 27 Prozent steigern. Diese positive Bilanz führen die Grünen auf die Einführung des Klimatickets und massive Infrastrukturinvestitionen zurück.
"Es ist sehr erfreulich, dass die Zahl der Fahrgäste innerhalb von zehn Jahren um 27 Prozent gesteigert werden konnte", erklärt Elisabeth Götze, Verkehrssprecherin der Grünen. Der Boom bei der Bahn zeige die Bereitschaft der Menschen, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen und helfe bei der Bewältigung der Klimakrise.
Die Erfolgsgeschichte der österreichischen Öffentlichen Verkehrsmittel ist maßgeblich auf zwei zentrale Maßnahmen zurückzuführen: Das 2021 eingeführte Klimaticket ermöglicht es Fahrgästen, für einen festen Jahresbeitrag alle öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich zu nutzen. Parallel dazu wurden unter Verkehrsministerin Leonore Gewessler Rekordinvestitionen in die Schieneninfrastruktur getätigt.
Trotz der positiven Fahrgastzahlen offenbart der Rechnungshofbericht auch erhebliche "Wachstumsschmerzen" bei den ÖBB. Besonders problematisch ist die Personalplanung: Fast ein Viertel aller Zugausfälle geht auf Probleme in diesem Bereich zurück. Diese Statistik verdeutlicht, dass das Unternehmen mit dem rasanten Wachstum organisatorisch noch nicht vollständig Schritt halten konnte.
Auch in den Werkstätten der ÖBB läuft es offenbar nicht optimal. Die Wartung und Instandhaltung der Züge scheint nicht im gewünschten Tempo zu funktionieren, was sich ebenfalls negativ auf die Verfügbarkeit der Fahrzeuge auswirkt.
Die Personalprobleme bei den ÖBB spiegeln einen österreichweiten Trend wider. In vielen Bereichen des öffentlichen Verkehrs herrscht Fachkräftemangel, insbesondere bei Lokführern und technischem Personal. Die gestiegene Nachfrage nach Bahnreisen verschärft diese Situation zusätzlich.
"Eindeutig verbessern muss sich die Personalplanung", betont Götze. Die hohe Anzahl personalbedingte Zugausfälle zeige, dass hier dringend Nachbesserungen erforderlich seien.
Die Grünen-Politikerin kündigt eine genaue Prüfung der vom Verkehrsminister angekündigten Organisationsreform an. "Wir werden genau prüfen, ob die vom Minister angekündigte Organisationsreform dafür geeignete Lösungen liefert", so Götze.
Besonders kritisch sehen die Grünen die Sparvorgaben der aktuellen Bundesregierung und die Strukturreformideen von Bundesminister Martin Hanke. "Ob die Sparvorgaben der aktuellen Bundesregierung und die unausgegorenen Strukturreformideen von Bundesminister Hanke daran etwas verbessern können, ist höchst fraglich", warnt Götze.
Die Verkehrssprecherin der Grünen appelliert eindringlich an die Verantwortlichen: "Ich appelliere an den Minister und die Konzernspitze, den Fahrgästen im Gesamtkonzern höchste Priorität zu geben, nicht der drohenden Bilanzoptimierung von Teilfirmen."
Diese Kritik zielt darauf ab, dass Strukturreformen nicht primär der Kostenoptimierung dienen sollten, sondern der Verbesserung des Service für die Fahrgäste. Die Gefahr bestehe, dass betriebswirtschaftliche Überlegungen die Bedürfnisse der Nutzer überlagern könnten.
Im europäischen Vergleich steht Österreich mit der 27-prozentigen Steigerung der Fahrgastzahlen sehr gut da. Viele andere EU-Länder kämpfen noch damit, ihre Bürger vom Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu überzeugen. Das österreichische Modell aus Klimaticket und Infrastrukturinvestitionen gilt international als Vorbild.
Die Kombination aus attraktiver Preisgestaltung durch das Klimaticket und verbesserter Infrastruktur scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile des Bahnfahrens gegenüber dem Individualverkehr.
Der Erfolg der ÖBB trägt auch zur Erreichung der österreichischen Klimaziele bei. Jeder Fahrgast, der vom Auto auf die Bahn umsteigt, reduziert den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor erheblich. Dies ist ein wichtiger Baustein für die angestrebte Klimaneutralität bis 2040.
Trotz des aktuellen Erfolgs stehen die ÖBB vor erheblichen Herausforderungen. Die wachsende Nachfrage erfordert nicht nur mehr Personal, sondern auch eine Ausweitung der Kapazitäten. Neue Züge müssen angeschafft und das Streckennetz weiter ausgebaut werden.
Gleichzeitig müssen die organisatorischen Strukturen an das Wachstum angepasst werden. Die hohe Zahl der Zugausfälle zeigt, dass hier noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Experten fordern eine langfristige Strategie für den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Diese sollte sowohl die Personalentwicklung als auch die technische Modernisierung umfassen. Nur so könne das hohe Niveau des Service aufrechterhalten und weiter verbessert werden.
Der Rechnungshofbericht liefert wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Ausrichtung der ÖBB. Die Politik ist nun gefordert, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die notwendigen Reformen umzusetzen - immer mit dem Fokus auf die Bedürfnisse der Fahrgäste.