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Marinomed Biotech AG: Notkapital von 2 Millionen Euro nötig

19. März 2026 um 16:42
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Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer finanziellen Herausforderung. Am 19. März 2026 gab der Vorstand bekannt, eine Barkapitalerhöhung z...

Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer finanziellen Herausforderung. Am 19. März 2026 gab der Vorstand bekannt, eine Barkapitalerhöhung zur Deckung eines kurzfristigen Kapitalbedarfs von rund zwei Millionen Euro durchführen zu müssen. Grund dafür sind ausgebliebene Zahlungen aus einem bereits abgewickelten Geschäftsverkauf, die das Unternehmen nun in eine Liquiditätslücke gebracht haben.

Was bedeutet eine Barkapitalerhöhung für Anleger?

Bei einer Barkapitalerhöhung gibt ein Unternehmen neue Aktien aus, um frisches Kapital zu beschaffen. Im Fall von Marinomed werden bis zu 459.985 neue Inhaber-Stammaktien ohne Nennwert ausgegeben, wodurch sich das Grundkapital von derzeit 1.839.940 Euro auf bis zu 2.299.925 Euro erhöht. Jede neue Aktie hat einen rechnerischen anteiligen Betrag am Grundkapital von einem Euro.

Bestehende Aktionäre erhalten Bezugsrechte im Verhältnis 4:1, das bedeutet: Für jeweils vier bestehende Aktien können sie eine neue Aktie zum Bezugspreis von 14 Euro erwerben. Diese Regelung soll verhindern, dass sich die Beteiligung der Altaktionäre durch die Kapitalerhöhung verwässert. Der Bezugspreis von 14 Euro je neuer Aktie liegt dabei unter dem aktuellen Marktpreis, was für bestehende Aktionäre einen Anreiz zur Teilnahme darstellt.

Hintergrund der finanziellen Notlage

Die Liquiditätsprobleme von Marinomed entstanden durch ausgebliebene Zahlungen aus der Übertragung des Carragelose-Geschäfts an das französische Pharmaunternehmen Unither Pharmaceuticals. Carragelose ist ein von Marinomed entwickelter Wirkstoff aus Rotalgen, der in Nasensprays zur Behandlung von Erkältungen und viralen Infektionen eingesetzt wird. Der Verkauf dieses Geschäftsbereichs sollte ursprünglich zur Finanzierung der weiteren Unternehmensentwicklung beitragen.

Das Problem liegt darin, dass die vereinbarten Zahlungen von Unither nicht in der erwarteten Höhe eingegangen sind. Dies führte zu einem kurzfristigen Kapitalbedarf, der bis zur Mitte des Geschäftsjahres 2026 gedeckt werden muss. Ohne diese Finanzspritze könnte das Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner laufenden Verpflichtungen bekommen.

Sanierungsplan im Fokus

Der Nettoemissionserlös der Kapitalerhöhung soll primär für die Erfüllung des Sanierungsplans verwendet werden. Ein Sanierungsplan ist ein rechtliches Instrument, das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten dabei hilft, ihre Verbindlichkeiten zu restructurieren und wieder auf einen stabilen Kurs zu kommen. Marinomed hatte bereits in der Vergangenheit finanzielle Herausforderungen zu bewältigen und arbeitet nun daran, diese nachhaltig zu lösen.

Technische Abwicklung der Kapitalerhöhung

Die Bezugsfrist für die neuen Aktien beginnt am 26. März 2026 um 9:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit und endet voraussichtlich am 9. April 2026 um 17:40 Uhr. Der maßgebliche Stichtag für das Entstehen der Bezugsrechte ist der 25. März 2026 um 23:59 CEST. Wichtig für Anleger: Die Bezugsrechte werden nicht an der Wiener Börse gehandelt, können also nicht separat verkauft werden.

Marinomed macht dabei von den Prospektausnahmen der EU-Prospektverordnung Gebrauch. Das bedeutet, dass das Unternehmen keinen vollständigen Wertpapierprospekt erstellen muss, sondern nur ein vereinfachtes Dokument bei der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hinterlegen muss. Dieses Dokument wird zeitgleich auf der Unternehmenswebsite www.marinomed.com veröffentlicht.

Rumpfplatzierung als Absicherung

Falls nicht alle neuen Aktien im Rahmen des Bezugsrechtsangebots gezeichnet werden, plant Marinomed eine sogenannte Rumpfplatzierung. Dabei werden die verbleibenden Aktien an qualifizierte institutionelle Investoren und ausgewählte nicht-institutionelle Anleger im Europäischen Wirtschaftsraum zum gleichen Bezugspreis von 14 Euro angeboten.

Als zusätzliche Absicherung liegt bereits eine verbindliche Zusage eines institutionellen Investors vor, der bisher noch keine Marinomed-Aktien besitzt. Dieser Investor hat sich verpflichtet, neue Aktien im Gesamtwert von einer Million Euro zu zeichnen. Das entspricht etwa der Hälfte des angestrebten Bruttoemissionserlöses von mindestens zwei Millionen Euro.

Marinomed im österreichischen Biotechnologie-Sektor

Marinomed Biotech AG, gegründet 2006 und mit Hauptsitz in Korneuburg bei Wien, gehört zu den etablierten österreichischen Biotechnologie-Unternehmen. Das Unternehmen ist seit 2019 an der Wiener Börse notiert und hat sich auf die Entwicklung innovativer Therapeutika spezialisiert. Im Zentrum steht die proprietäre Marinosolv®-Plattform-Technologie, die darauf ausgelegt ist, die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit von schwer löslichen Wirkstoffen zu verbessern.

Die Marinosolv®-Technologie basiert auf natürlichen Polymeren aus Meeresalgen und ermöglicht es, Wirkstoffe besser im Körper verfügbar zu machen. Dies ist besonders bei der Entwicklung von Medikamenten gegen autoreaktive Immunerkrankungen relevant, wo die präzise Dosierung und Verteilung der Wirkstoffe entscheidend für den Therapieerfolg ist.

Vergleich mit anderen österreichischen Biotech-Unternehmen

Im Vergleich zu anderen österreichischen Biotechnologie-Unternehmen wie Intercell oder Apeiron Biologics hat Marinomed einen relativ spezialisierten Ansatz gewählt. Während größere Player oft breitere Produktportfolios entwickeln, konzentriert sich Marinomed auf seine Kernplattform-Technologie. Diese Fokussierung kann sowohl Vor- als auch Nachteile haben: Einerseits ermöglicht sie eine tiefe Expertise in einem spezifischen Bereich, andererseits macht sie das Unternehmen abhängiger von einzelnen Produktentwicklungen und Partnerschaften.

Die aktuelle Situation zeigt auch die typischen Herausforderungen von kleineren Biotechnologie-Unternehmen auf: Die Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen und Partnerschaften kann schnell zu Liquiditätsproblemen führen, wenn geplante Zahlungen ausbleiben oder sich verzögern.

Auswirkungen auf Aktionäre und Investoren

Für bestehende Aktionäre von Marinomed bringt die Kapitalerhöhung sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Der Bezugspreis von 14 Euro je neuer Aktie liegt in der Regel unter dem aktuellen Marktpreis, was für teilnehmende Aktionäre einen unmittelbaren Vorteil darstellt. Gleichzeitig führt jede Kapitalerhöhung zu einer Verwässerung der bestehenden Beteiligungen, da sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien erhöht.

Aktionäre, die ihre Bezugsrechte nicht ausüben, werden prozentual weniger vom Unternehmen besitzen als zuvor. Bei einem Bezugsverhältnis von 4:1 bedeutet dies konkret: Wer bisher 100 Aktien besaß und nicht an der Kapitalerhöhung teilnimmt, hält nach der Transaktion nur noch etwa 80 Prozent seiner ursprünglichen relativen Beteiligung.

Risiken und Chancen der Finanzierung

Die Kapitalerhöhung unter Ausschluss des allgemeinen Publikums und die Fokussierung auf bestehende Aktionäre sowie institutionelle Investoren deutet darauf hin, dass Marinomed bemüht ist, die Kontrolle über die Aktionärsstruktur zu behalten. Dies kann positiv gewertet werden, da es Verwässerungen durch unbekannte Investoren vermeidet.

Kritisch zu bewerten ist jedoch die Tatsache, dass die Kapitalerhöhung aufgrund von ausgebliebenen Zahlungen eines Geschäftspartners notwendig wurde. Dies wirft Fragen über das Risikomanagement und die Diversifizierung der Einnahmequellen auf. Für potenzielle Investoren ist es wichtig zu verstehen, dass Biotechnologie-Investments grundsätzlich mit hohen Risiken verbunden sind, da die Entwicklung neuer Medikamente oft Jahre dauert und unsichere Erfolgsaussichten hat.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Compliance

Die Bekanntgabe erfolgt gemäß Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014 als Ad-hoc-Mitteilung. Diese Verordnung verpflichtet börsennotierte Unternehmen dazu, kursrelevante Informationen unverzüglich zu veröffentlichen. Kapitalerhöhungen fallen definitiv in diese Kategorie, da sie direkten Einfluss auf den Aktienkurs und die Bewertung des Unternehmens haben.

Besonders wichtig ist der Hinweis, dass die neuen Aktien und Bezugsrechte nicht gemäß ausländischen Wertpapiergesetzen registriert wurden. Insbesondere in den USA dürfen sie ohne entsprechende Registrierung oder Ausnahme nicht angeboten oder verkauft werden. Dies schränkt den Kreis potenzieller Investoren ein, ist aber bei kleineren Kapitalerhöhungen üblich, da die Registrierung in verschiedenen Jurisdiktionen sehr kostspielig sein kann.

Zukunftsperspektiven und Markteinschätzung

Die erfolgreiche Durchführung der Kapitalerhöhung ist für Marinomed von entscheidender Bedeutung. Mit den zwei Millionen Euro soll nicht nur die aktuelle Liquiditätslücke geschlossen, sondern auch die Grundlage für die weitere Entwicklung der Marinosolv®-Plattform geschaffen werden. Die Technologie hat durchaus Potenzial, da die Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen ein wichtiges Thema in der Pharmaindustrie ist.

Mittelfristig wird entscheidend sein, ob Marinomed neue Partnerschaften eingehen und weitere Lizenzverträge abschließen kann. Die Erfahrung mit Unither Pharmaceuticals zeigt, dass auch bereits geschlossene Verträge Risiken bergen können. Eine breitere Diversifizierung der Partnerschaften und Einnahmequellen könnte das Unternehmen widerstandsfähiger gegen solche Ausfälle machen.

Für den österreichischen Biotechnologie-Standort ist es wichtig, dass Unternehmen wie Marinomed erfolgreich sind und internationale Anerkennung finden. Dies könnte weitere Investitionen in den Sektor anziehen und die Position Österreichs als Innovationsstandort stärken. Gleichzeitig zeigt der Fall auch die Herausforderungen auf, denen kleinere Biotech-Unternehmen in einem internationalen Umfeld gegenüberstehen.

Empfehlungen für Interessierte

Anleger und Interessierte sollten die weiteren Entwicklungen bei Marinomed aufmerksam verfolgen. Das vereinfachte Dokument gemäß der Prospektverordnung, das auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht wird, bietet detaillierte Informationen über die Kapitalerhöhung und sollte vor einer Investitionsentscheidung sorgfältig studiert werden.

Besonders wichtig ist es, die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Partnerschaften und der Lizenzierung der Marinosolv®-Technologie zu beobachten. Nur wenn es gelingt, stabile Einnahmequellen zu etablieren, kann das Unternehmen langfristig erfolgreich sein und weitere kostspielige Kapitalerhöhungen vermeiden.

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