Erste Einzelausstellung der renommierten österreichischen Textilkünstlerin im Museum für angewandte Kunst
Das MAK widmet der Textilkünstlerin Ursi Fürtler erstmals eine eigene Ausstellung und zeigt plissierte Kunstwerke zwischen Mode und Skulptur.
Das MAK - Museum für angewandte Kunst würdigt eine der bedeutendsten österreichischen Textilkünstlerinnen: Unter dem Titel "Textil – Abstrakt" zeigt das Wiener Museum vom 18. März bis 14. Juni 2026 erstmals eine umfassende Einzelausstellung des Werks von Ursi Fürtler. Die Schau wird symbolträchtig am Geburtstag der 1939 geborenen Künstlerin eröffnet und präsentiert einen faszinierenden Querschnitt durch ihr gesamtes Œuvre.
Ursi Fürtlers Werk ist geprägt von einer einzigartigen Verbindung aus traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Kunstpraxis. Ihre charakteristischen plissierten Stoffe, die durch aufwändige Siebdrucktechniken veredelt werden, schaffen abstrakte, geometrische Formen, die tief in der Tradition der klassischen Moderne verwurzelt sind. Besonders faszinierend ist dabei ihre intensive Auseinandersetzung mit japanischem und afrikanischem Kunsthandwerk, die ihrem Schaffen eine unverwechselbare kulturelle Tiefe verleiht.
Die Ausstellung im MAK Forum umfasst nicht nur die bekannten tragbaren Textilobjekte der Künstlerin, sondern auch frühe Textilentwürfe auf Papier aus den 1970er und 1980er Jahren sowie faltbare Paravents. Diese Bandbreite zeigt eindrucksvoll, wie Fürtler die Grenzen zwischen skulpturalem Objekt und tragbarem Kleidungsstück konsequent überschreitet.
Zu Fürtlers bekanntesten Arbeiten zählen ab den 1980er Jahren entstandene, tragbare Textilobjekte aus synthetischen Fasern, Seide und Wolle. Diese Werke bestechen durch komplexe Faltenarrangements, die an den Bugkanten mit bedruckten und unbedruckten Partien spielen. Die raffinierten Plissees erinnern an die Arbeiten von Modelegenden wie Mariano Fortuny oder Issey Miyake, entwickeln jedoch eine ganz eigene ästhetische Sprache.
Besonders in Bewegung entfalten diese Textilien ihre volle Wirkung: Die Oberflächengestaltung erzeugt changierend-schimmernde Effekte, die an das prachtvolle Federkleid von Paradiesvögeln oder die schuppigen Musterzeichnungen von Reptilien erinnern. Diese biomimetischen Qualitäten verleihen den Arbeiten eine lebendige, fast organische Ausstrahlung.
Ihre charakteristischen Muster erzielt Fürtler durch eine aufwändige Schablonensiebdruck-Technik, bei der sie drei bis fünf Schablonen kombiniert. Kleine Punkte, schmale und breitere Streifen generieren abstrakte Formen wie Kreise, Rechtecke, Dreiecke und Zacken. Das Ergebnis sind geometrische Kompositionen von beeindruckender Präzision und Klarheit.
Die Vielseitigkeit der Objekte ist bemerkenswert: Schlauchartige Gebilde lassen sich als Puls- oder Schulterwärmer tragen, können aber auch als Röcke oder Kleider fungieren. Rechteckige oder aus symmetrischen Flügeln genähte Stücke sind unterschiedlich verwendbar – als Schals, Gürtel oder Accessoires. Diese Multifunktionalität spiegelt Fürtlers Verständnis von Mode als wandelbarem, lebendigem Medium wider.
Fürtlers künstlerischer Horizont reicht weit über Europa hinaus. Zu ihrem Œuvre zählen auch Paravents und Teppichentwürfe, die mit geometrischen Mustern und kontrastierenden Primärfarben ihre intensive Beschäftigung mit der modernistischen Textilkunst des Art déco und des Bauhauses dokumentieren. Neben den Textilien der Arts-and-Crafts-Bewegung und der Wiener Werkstätte bilden diese Strömungen wichtige Inspirationsquellen.
Besonders prägend für ihren Formenkanon war die Auseinandersetzung mit japanischen Schablonentechniken wie Katazome und Katagami sowie mit traditionellen Symbolen, insbesondere den Familienzeichen "Mon". Immer wieder nimmt sie auch Anleihen bei den gewebten Kente-Stoffen der Akan- und Ewe-Völker aus Westafrika, die traditionell nur bedeutenden Persönlichkeiten vorbehalten waren.
Manche der schlauchförmigen Objekte weisen neben den charakteristischen Plissees händisch ausgefranste Enden oder versteifte, rollierte Stege auf, die ihnen schwingende oder krause Effekte verleihen. Diese Arbeiten entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Modistin Walli Jungwirth, was die kollaborative Dimension von Fürtlers Schaffen unterstreicht.
Nicht alle Textilien folgen dem charakteristischen Regelwerk der Künstlerin. Mitunter sind sie unbedruckt oder faltenfrei gestaltet, mit Lochmustern versehen oder aus transparenten Materialien gefertigt. Diese Vielfalt zeigt eindrucksvoll, wie wichtig der experimentelle Umgang mit Material und dessen vielfältigen Möglichkeiten für Fürtlers gesamte gestalterische Praxis ist.
Ursi Fürtlers Werdegang spiegelt die Entwicklung der Textilkunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Nach dem Studium an der Modeschule Hetzendorf und Druckgrafik an der Akademie für angewandte Kunst war sie zunächst ein Jahr lang in Schweden als Porzellandesignerin tätig. In den 1970er Jahren begann sie mit dem Entwurf von Textilmustern, die international produziert und verkauft wurden – in Österreich bei renommierten Firmen wie Josef Otten, Backhausen und Rueff Textil, aber auch in Deutschland, der Schweiz, England, den USA und sogar in Westafrika.
Als Frau bot ihr das feminin konnotierte Medium Textil, das damals primär mit Design assoziiert wurde, die Chance, mit ihren gestalterischen Fähigkeiten ein Einkommen zu erzielen. Ab 1983 arbeitete sie in ihrer eigenen Werkstatt in Mödling und fertigte neben Schals und Heimtextilien auch Paravents und Kleidungsstücke. Diese wurden unter anderem im Rahmen der legendären U-Mode-Messe 1986/87 im MAK präsentiert – ein historischer Bezug, der die aktuelle Ausstellung besonders bedeutsam macht.
Parallel zu ihrer künstlerischen Praxis war Fürtler auch als gefragte Lehrende tätig. In den Jahren 1987 und 1989 vertrat sie als österreichische Repräsentantin für Textil das Seminar Bauhaus Dessau. Sie unterrichtete außerdem an der Modeschule Hetzendorf und an der renommierten Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle an der Saale.
Die internationale Anerkennung ihres Werks manifestierte sich in bedeutenden Auszeichnungen: 2003 erhielt sie den Bayerischen Staatspreis, 2016 wurde ihr das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
Die Ausstellung wird von Lara Steinhäußer kuratiert, der Kustodin der MAK Sammlung Textilien und Teppiche. Die Schau verspricht einen umfassenden Überblick über Fürtlers Schaffen und ordnet es in den Kontext der internationalen Textilkunst ein. Dabei wird besonders die Position der Künstlerin zwischen traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Kunst beleuchtet.
Die Ausstellung "URSI FÜRTLER. Textil – Abstrakt" ist vom 18. März bis 14. Juni 2026 im MAK Forum zu sehen. Das Museum am Stubenring 5 ist dienstags von 10 bis 21 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 19 Euro (online 18 Euro), ermäßigt 15,50 Euro (online 14,50 Euro). Jeden Dienstag von 18 bis 21 Uhr gilt ein reduzierter Eintrittspreis von 9,50 Euro (online 8,50 Euro). Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben freien Eintritt.
Die feierliche Eröffnung findet am 17. März 2026 um 19 Uhr statt, der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Am selben Tag um 10 Uhr lädt das MAK zur Pressekonferenz.
Diese Retrospektive bietet die seltene Gelegenheit, das Werk einer der wichtigsten österreichischen Textilkünstlerinnen in seiner ganzen Bandbreite zu erleben und die faszinierende Entwicklung der Textilkunst von den 1970er Jahren bis heute nachzuvollziehen.