Wenn am 31. Dezember 2025 um Mitternacht das neue Jahr beginnt, stoßen viele Menschen im Kreis von Familie und Freunden an. Für sie steht der Jahreswechsel für Aufbruch, Gemeinsamkeit und neue Hoffnung. Doch für tausende ältere Menschen in Österreich bleibt es still. Für sie bedeutet diese Zeit vor
Wenn am 31. Dezember 2025 um Mitternacht das neue Jahr beginnt, stoßen viele Menschen im Kreis von Familie und Freunden an. Für sie steht der Jahreswechsel für Aufbruch, Gemeinsamkeit und neue Hoffnung. Doch für tausende ältere Menschen in Österreich bleibt es still. Für sie bedeutet diese Zeit vor allem eines: Alleinsein. Alterseinsamkeit ist gerade zu Silvester besonders spürbar.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, appelliert an die Nächstenliebe: „Nehmen Sie sich kurz Zeit für Menschen in Ihrer Umgebung, die allein sind. Niemand soll das neue Jahr einsam beginnen müssen. Ein Anruf, ein Besuch oder eine Nachricht kann den Unterschied machen.“
Die Digitalisierung darf nicht zum Einsamkeitsbeschleuniger werden. Korosec sieht auch bei digital affinen älteren Menschen die Gefahr, sich zu Silvester besonders einsam zu fühlen. Fotos und Videos von glücklichen und feiernden Social-Media-„Freunden“ jagen durch die Kanäle und verstärken das Einsamkeitsgefühl. Korosec mahnt daher zum Jahreswechsel mehr gesellschaftliche und politische Verantwortung ein: „Digitalisierung entscheidet heute darüber, wer „dabei ist“ und wer zurückbleibt. Genau das dürfen wir nicht zulassen“.
Immer mehr Lebensbereiche verlagern sich ins Digitale: Arzttermine, Behördenwege, Bankgeschäfte oder der Kontakt zu Familie und Freunden. Korosec: „Wer dabei nicht mitkommt, verliert nicht nur Anschluss und Information, sondern soziale Verbindung. Digitalisierung darf nicht zum Einsamkeitsbeschleuniger werden. Sie muss Menschen verbinden – nicht ausschließen“.
Korosec fordert für 2026 „Wahlfreiheit statt Digitalisierungszwang“ und formuliert eine klare Botschaft an Wirtschaft und Politik: „Die Digitalisierung darf niemanden zurücklassen – weder alt noch jung. Wirtschaft und Politik dürfen bei der Digitalisierung nicht auf die Menschen vergessen, die damit nicht zurechtkommen. Sie darf nicht zum Zwang werden, sondern soll eine Option bleiben. Ich werde daher im nächsten Jahr für eine gesetzliche Verankerung kämpfen, dass jeder Mensch ein Recht auf analoge Alternativen hat. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss Menschen mitnehmen – sonst lässt sie sie allein zurück.“
Die Digitalisierung hat in den letzten Jahrzehnten die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, grundlegend verändert. In den 1990er Jahren begann das Internet, die Kommunikation zu revolutionieren. In den 2000er Jahren führten mobile Technologien und soziale Medien zu einer noch stärkeren Vernetzung der Menschen. Heute sind digitale Technologien in nahezu jedem Lebensbereich präsent, von der Arbeitswelt über das Bildungswesen bis hin zu sozialen Interaktionen.
Österreich hat in der Digitalisierung im europäischen Vergleich eine solide Position. Laut dem Digital Economy and Society Index (DESI) der Europäischen Kommission gehört Österreich zu den Ländern mit fortgeschrittenen digitalen Infrastrukturen und einer hohen Internetnutzungsrate. Dennoch gibt es Herausforderungen, insbesondere in der digitalen Inklusion älterer Bevölkerungsgruppen.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Österreich in puncto digitale Inklusion noch Aufholbedarf hat. Während in Deutschland zahlreiche Initiativen zur Förderung der digitalen Teilhabe älterer Menschen existieren, setzt die Schweiz auf umfassende Bildungsprogramme, um digitale Kompetenzen in allen Altersgruppen zu fördern. Österreich könnte von diesen Ansätzen lernen und eigene Programme entwickeln, um die digitale Kluft zu schließen.
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf ältere Menschen sind vielfältig. Einerseits bietet sie die Möglichkeit, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, auch wenn physische Treffen nicht möglich sind. Andererseits fühlen sich viele ältere Menschen von der rasanten technologischen Entwicklung überfordert und ausgeschlossen. Ein Beispiel ist die zunehmende Digitalisierung von Bankgeschäften, die für viele ältere Menschen ohne entsprechende digitale Kompetenzen eine erhebliche Hürde darstellt.
Ein weiteres Beispiel ist die Gesundheitsversorgung: Während digitale Gesundheitsdienste den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichtern können, bleibt für manche ältere Menschen der persönliche Kontakt zu Ärzten und Pflegepersonal unverzichtbar. Die Wahlfreiheit zwischen digitalen und analogen Angeboten ist daher entscheidend.
Laut einer Studie der Europäischen Kommission nutzen in Österreich rund 80% der Bevölkerung das Internet regelmäßig. Bei den über 65-Jährigen liegt dieser Anteil jedoch bei nur 50%. Diese digitale Kluft zeigt, dass gezielte Maßnahmen notwendig sind, um die digitale Teilhabe älterer Menschen zu fördern. Initiativen wie Schulungen für digitale Kompetenzen und die Bereitstellung von leicht verständlichen digitalen Geräten könnten helfen, diese Lücke zu schließen.
Für die Zukunft ist es entscheidend, dass die Digitalisierung inklusiver gestaltet wird. Dies erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern auch gesellschaftliche und politische Maßnahmen. Die Forderung nach gesetzlicher Verankerung von analogen Alternativen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist zu erwarten, dass die Politik in den kommenden Jahren verstärkt auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen wird, um deren digitale Teilhabe zu sichern.
Insgesamt könnte 2026 ein Wendepunkt sein, wenn es gelingt, die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie alle Menschen mitnimmt und niemanden zurücklässt. Die gesellschaftliche Verantwortung, die mit der Digitalisierung einhergeht, muss ernst genommen werden, um eine inklusive Zukunft zu schaffen.
Abschließend bleibt die Frage: Wie können wir gemeinsam sicherstellen, dass die Digitalisierung als Chance und nicht als Barriere wahrgenommen wird? Weitere Informationen und Diskussionen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Website.