Wiener Infrastrukturbank erzielt über 2 Milliarden Euro Neugeschäft
Die Kommunalkredit Austria AG verzeichnet solide operative Performance, kämpft aber mit hohen Risikovorsorgen im Glasfasersektor.
Die Kommunalkredit Austria AG hat ihr Jahresergebnis 2025 vorgelegt und zeigt sich trotz herausfordernder Marktbedingungen in robuster Verfassung. Die Wiener Spezialbank für Infrastruktur- und Energiefinanzierung erzielte ein Neugeschäftsvolumen von über 2 Milliarden Euro und bestätigte damit ihre führende Position im europäischen Infrastrukturfinanzierungsmarkt.
Mit einem Neugeschäftsvolumen von 2,08 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,28 Milliarden Euro) bewies die Kommunalkredit ihre Widerstandsfähigkeit in einem Jahr, das von geopolitischen Unsicherheiten und sinkenden Zinssätzen geprägt war. Besonders das letzte Quartal zeigte eine starke Beschleunigung, was die anhaltende Nachfrage nach Finanzierungen in den Bereichen Energie, Verkehr sowie digitale und soziale Infrastruktur widerspiegelt.
"2025 war ein herausforderndes Jahr, aber wir sind gut aufgestellt", kommentiert CEO Jacques Ripoll die Geschäftsentwicklung. "Wir haben sektorspezifische Risiken angegangen und gleichzeitig eine starke Kapitalausstattung und Liquidität beibehalten."
Das operative Ergebnis vor Risikovorsorge erreichte 119 Millionen Euro, was die solide Geschäftstätigkeit und Kostendisziplin der Bank unterstreicht. Die Cost-Income-Ratio blieb mit unter 40 Prozent auf dem strukturell starken Niveau, was der Bank Ertragsstabilität auch in volatilen Marktphasen sichert.
Die Normalisierung der Zinssätze wirkte sich positiv auf die Gesamterträge aus, sodass die Kernerträge um 4 Prozent stiegen. Dies zeigt, dass das Grundgeschäft der Kommunalkredit weiterhin gut funktioniert und von der strukturellen Nachfrage nach Infrastrukturfinanzierungen profitiert.
Die positive operative Entwicklung wurde jedoch durch erhebliche Risikovorsorgen überschattet. Hauptgrund war die Verschlechterung bei europäischen Glasfaserprojekten, die 2025 insbesondere in Großbritannien und Deutschland eine zyklische und strukturelle Konsolidierung erlebten.
Mehrere Projekte waren mit Liquiditätsengpässen konfrontiert, während die Bereitschaft von Sponsoren und Kreditgebern zur Zuführung zusätzlichen Kapitals begrenzt war. Dies führte zu erheblichen Risikovorsorgen, die den Jahresüberschuss nach Steuern auf nur 13,5 Millionen Euro (Vorjahr: 96,3 Millionen Euro) drückten.
Die NPL-Quote (Non-Performing Loans) stieg entsprechend auf 7,0 Prozent (Vorjahr: 2,8 Prozent), was die Belastungen im Glasfasersektor widerspiegelt.
Trotz der Ergebnisbelastung konnte die Kommunalkredit ihre sehr starke Kapitalbasis aufrechterhalten. Die Eigenmittel beliefen sich auf 862 Millionen Euro, während die Gesamtkapitalquote mit 19,6 Prozent deutlich über den regulatorischen Anforderungen von 14,8 Prozent und den internen Mittelfristzielen lag.
Ein Liquiditätspuffer von mehr als 1 Milliard Euro zum Jahresende unterstreicht das umsichtige Risiko- und Liquiditätsmanagement der Bank. Diese starke Ausstattung versetzt die Kommunalkredit in die Lage, auch in schwierigen Marktphasen handlungsfähig zu bleiben.
Das Vertrauen der Investoren in das Geschäftsmodell der Kommunalkredit blieb auch 2025 ungebrochen. Dies zeigte sich in mehreren erfolgreichen Emissionen:
S&P Global Ratings bestätigte das langfristige Emittenten-Rating der Bank mit "BBB", revidierte jedoch den Ausblick im Dezember auf "negativ". Dies spiegelt die sektorspezifischen Entwicklungen wider und deutet darauf hin, dass die Ratingagentur das Glasfaser-Risiko weiterhin genau beobachtet.
Positiv entwickelte sich das Rating der Covered Bonds: S&P Global Ratings stufte dieses im Januar 2026 um zwei Stufen auf "AA+" herauf. Dies ist ein Beleg für die Qualität des Deckungsstocks und die Verpflichtung zur Überbesicherung.
Trotz der Volatilität im Glasfasersektor blieb die Nachfrage nach Infrastrukturfinanzierungen stabil. Rund 80 Prozent des Neugeschäfts der Kommunalkredit unterstützten den ökologischen Wandel in Europa, was die strategische Ausrichtung auf nachhaltige Infrastruktur unterstreicht.
Die Bank konzentriert sich weiterhin auf ihre Kernkompetenzen in der Finanzierung und Beratung im Bereich Energie und Infrastruktur in ganz Europa. "Der strukturelle Investitionsbedarf in diesem Bereich ist immens", betont CEO Ripoll. "Sowohl öffentliche Stellen als auch private Investoren werden zunehmend auf spezialisierte Finanzierungspartner angewiesen sein."
Die Bilanzsumme der Kommunalkredit stieg um 6 Prozent auf 7,0 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,6 Milliarden Euro), was das kontinuierliche Wachstum des Geschäfts widerspiegelt.
Aufgrund der starken Nachfrage, die durch strukturelle Megatrends wie die Energiewende und Digitalisierung getrieben wird, beabsichtigt die Bank, ihren Fokus auf Infrastruktur- und Energiefinanzierungen sowie Beratungsleistungen beizubehalten.
Die Herausforderungen im Glasfasersektor zeigen jedoch auch, wie wichtig ein ausgewogenes Risikomanagement in einem sich schnell verändernden Marktumfeld ist. Die Kommunalkredit hat mit ihren hohen Risikovorsorgen proaktiv auf diese Entwicklungen reagiert und sich eine solide Basis für künftiges Wachstum geschaffen.
Mit ihrer starken Kapitalausstattung, dem bewährten Geschäftsmodell und der führenden Position im europäischen Infrastrukturfinanzierungsmarkt ist die Kommunalkredit gut positioniert, um von den strukturellen Investitionsbedarfen in Europa zu profitieren.