In den ehrwürdigen Mauern der Wiener Hofburg droht ein kulturhistorisches Desaster: Das sogenannte "Monturdepot" im Leopoldinischen Trakt, ein europaweit einzigartiges Zeugnis höfischer Alltagskult...
In den ehrwürdigen Mauern der Wiener Hofburg droht ein kulturhistorisches Desaster: Das sogenannte "Monturdepot" im Leopoldinischen Trakt, ein europaweit einzigartiges Zeugnis höfischer Alltagskultur aus dem Jahr 1908, könnte einer geplanten Sicherheitszentrale der Präsidentschaftskanzlei zum Opfer fallen. Der Vorwurf der FPÖ wiegt schwer: Soll tatsächlich ein denkmalgeschütztes Ensemble für administrative Zwecke geopfert werden?
Der Wahrnehmungsbericht des Denkmalbeirats beschreibt das Monturdepot als zweigeschossige Eisen-Stahl-Konstruktion mit original erhaltenen Garderobenkästen, Belüftungssystemen, gusseisernen Elementen sowie historischen Holz-, Boden- und Wanddetails. Das Ensemble wird als außergewöhnliches Beispiel früher Industrie-Innenarchitektur dargestellt und international als besonders bedeutsam eingeschätzt. Besonders brisant sei, dass dieses Ensemble unmittelbar mit den darüber liegenden kaiserlichen Wohn- und Repräsentationsräumen verbunden sei und damit ein einzigartiges kulturhistorisches Gegenstück zur repräsentativen Architektur der Monarchie darstelle.
Der Denkmalbeirat hat sich nach Angaben des Wahrnehmungsberichts mit aller Deutlichkeit gegen jede Form der Zerstörung oder Versetzung des Monturdepots ausgesprochen und fordert eine Lösung, die den vollständigen Erhalt des Monturdepots an seinem ursprünglichen Standort gewährleistet. FPÖ-Kultursprecher NAbg. Wendelin Mölzer verlangt umfassende Aufklärung darüber, welche konkreten baulichen Maßnahmen im Bereich des Monturdepots tatsächlich geplant sind und weshalb gerade dieser historisch hochsensible Bereich für eine Sicherheitszentrale ausgewählt worden sein soll.
Mölzer verlangt zudem Klarheit über die Rolle des Bundesdenkmalamtes im bisherigen Entscheidungsprozess. Dabei gehe es insbesondere darum, ob bereits eine denkmalrechtliche Bewilligung erteilt wurde und ob ein denkmalfachliches Gutachten zur Bewertung des Monturdepots existiert, wer dieses erstellt hat und zu welchem Ergebnis die Experten gelangt sind.
Mölzer stellt die Frage, ob Teile des denkmalgeschützten Ensembles abgebaut, versetzt oder zerstört werden sollen und in welchem Umfang konkrete Bauteile betroffen wären. Er zitiert dabei die Einschätzung des Denkmalbeirats, wonach eine Zerstörung oder auch nur eine Versetzung der historischen Eisenkonstruktion die Lesbarkeit des gesamten Ensembles zerstören würde, und fordert, dass diese fachliche Einschätzung nicht ignoriert wird.
In parlamentarischen Anfragen verlangt Mölzer Auskunft darüber, welche konkreten baulichen Maßnahmen geplant sind, welche Alternativen geprüft wurden und welche Fachleute in den Entscheidungsprozess eingebunden wurden. Auch die finanziellen Aspekte des Projekts und die sicherheitstechnischen Anforderungen, die eine Nutzung dieses Bereichs rechtfertigen sollen, sollen offengelegt werden.
Für Mölzer geht es dabei zentral um die Frage, welche konkreten Schritte die Bundesregierung zu setzen gedenkt, um den Erhalt dieses kulturhistorisch bedeutenden Raumes in seinem historischen Kontext sicherzustellen – und ob ausgeschlossen werden kann, dass durch die geplanten Maßnahmen ein irreversibler Verlust für das österreichische Kulturerbe entsteht.