Nach jahrelangem Engagement wird das Tunnelleitsystem am Hanslteich noch 2024 umgesetzt
Der Verein gegen Tierfabriken erreichte nach sieben Jahren Betreuung der Amphibien-Wanderroute einen wichtigen Meilenstein für den Tierschutz.
Ein wichtiger Erfolg für den Tierschutz in Wien: Der Bezirk Hernals wird noch heuer ein fixes Tunnelleitsystem für Amphibien am Hanslteich errichten. Dies verkündete Bezirksvorsteher Peter Jagsch (SPÖ) gestern nach einer Demonstration des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) vor der Bezirksvertretung.
Seit sieben Jahren betreut der VGT eine kritische Amphibien-Wanderroute am Hanslteich im 17. Wiener Gemeindebezirk. Jährlich werden dort während der Wanderungszeit tausende Kröten, Frösche und Molche beim Überqueren der Straße zu ihren Laichgewässern überfahren. Die Tierschutzorganisation hat seither mit hunderten freiwilligen Helfern eine provisorische Zaun-Kübel-Methode eingesetzt, um die Tiere manuell über die gefährliche Straße zu transportieren.
Die gestrige Demonstration des VGT war von kurzer Dauer, aber umso erfolgreicher. Bereits nach einer halben Stunde trat Bezirksvorsteher Jagsch vor die versammelten Tierschützer und verkündete die lang ersehnte Entscheidung: Das Tunnelsystem soll noch 2024 gebaut werden. Falls keine alternative Fördermöglichkeit gefunden wird, finanziert der 17. Bezirk das Projekt eigenständig durch eine Querfinanzierung aus der Ländlichen Entwicklung.
Die Dringlichkeit des Projekts unterstreicht die prekäre Situation der Wiener Amphibienpopulation. Alle Amphibienarten Wiens stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, und die Tierschützer dokumentieren Jahr für Jahr weitere Rückgänge der Bestände. Die nächtlichen "blutigen Massaker", wie Projektleiterin Heidi Lacroix die Situation beschreibt, finden besonders im Frühjahr während regnerischer Nächte statt, wenn die Tiere zu ihren Laichgewässern wandern.
Das geplante Tunnelsystem wird es den Amphibien ermöglichen, selbständig und sicher die Straße zu unterqueren. Von dieser Infrastruktur werden nicht nur Amphibien profitieren – auch Reptilien und Kleinsäuger können die Tunnel nutzen und somit sicher ihren Lebensraum wechseln.
Parallel zu dem Projekt am Hanslteich wird auch am Schottenhof eine Verbesserung der bestehenden Amphibien-Infrastruktur umgesetzt. Dort finanzieren die Bezirke Penzing und Hernals gemeinsam weitere Tunnel für die querenden Amphibien. Die Bauarbeiten sollen bereits im Mai 2024 abgeschlossen werden.
Auch am Schottenhof waren ehrenamtliche Helfer jahrelang damit beschäftigt, Amphibien eigenständig zu retten und über die Straße zu bringen. Diese aufwändige und zeitintensive Methode kann nun durch nachhaltige bauliche Maßnahmen ersetzt werden.
Projektleiterin Heidi Lacroix zeigte sich begeistert über den Durchbruch: "Gestern war ein Freudentag für den VGT und ein Freudentag für die Amphibien des Wienerwalds. Dass die blutigen Massaker, die sich hier besonders im Frühjahr in Regennächten abgespielt haben, bald ein Ende haben werden, ist eine große Erleichterung."
Sie betonte, dass nur durch fixe Schutzanlagen die wertvolle Amphibien-Population nachhaltig geschützt werden könne. Ihr Dank galt nicht nur der Bezirksvorstehung Hernals und den Grünen in Hernals und Penzing für ihre langjährige Unterstützung, sondern insbesondere den zahlreichen freiwilligen Helfern, die das Projekt erst möglich gemacht haben.
Bis zur Fertigstellung der Tunnel wird der VGT auch heuer wieder mit der bewährten Zaun-Kübel-Methode arbeiten und Amphibien über die Straße tragen. Die Organisation freut sich über weitere freiwillige Helfer. Eine Einschulung für Interessierte findet am 1. März 2024 direkt beim Hanslteich statt.
Das Projekt am Hanslteich ist nicht nur für den lokalen Amphibienschutz von Bedeutung, sondern kann als Modell für ähnliche Problembereiche in ganz Österreich dienen. Der Wienerwald beherbergt eine der wichtigsten Amphibienpopulationen der Region, und der Schutz dieser Tiere ist essentiell für das ökologische Gleichgewicht.
Amphibien spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem als natürliche Schädlingsbekämpfer und Indikatorarten für Umweltveränderungen. Ihr Rückgang signalisiert oft größere ökologische Probleme. Die erfolgreiche Umsetzung von Schutzmaßnahmen wie den Tunneln am Hanslteich zeigt, dass durch konsequentes Engagement und Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Politik effektive Lösungen für den Naturschutz gefunden werden können.
Der Erfolg des VGT in Hernals demonstriert eindrucksvoll, wie wichtig es ist, langfristig an Projekten zu arbeiten und nicht aufzugeben. Nach sieben Jahren intensiver Betreuung und Lobbyarbeit können die Tierschützer nun einen nachhaltigen Erfolg verbuchen, der tausenden von Amphibien das Leben retten wird.