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Rund um den Internationalen Frauentag am 8. März entfalten die Grünen Frauen Wien ein umfassendes Veranstaltungsprogramm, das von politischen Diskussionen über Preisverleihungen bis hin zu Verteilaktionen reicht. Die mehrtägigen Aktivitäten vom 5. bis 10. März 2026 sollen Frauenthemen sichtbar machen und das gesellschaftliche Engagement würdigen.
Ein besonderer Höhepunkt ist die 25. Verleihung des Frauenpreises "Frau des Jahres" durch die Grünen Leopoldstadt am 8. März 2026. Diese Tradition, die bereits ein Vierteljahrhundert besteht, unterstreicht die kontinuierliche Würdigung weiblichen Engagements im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Der Preis hat sich seit seiner Gründung 2001 zu einer der bekanntesten bezirklichen Auszeichnungen für Frauen entwickelt.
Heuer geht die Ehrung an den Verein "diversoviel" und würdigt das langjährige Engagement der Gründerinnen Hayfa Bejaoui und Stefanie Maczijewski. Der Verein für soziale Teilhabe, Empowerment und Nachbarschaftsarbeit schafft einen offenen Raum für Begegnung, Bildung, Kultur und Austausch, insbesondere für Frauen und Mädchen. "Der Verein diversoviel zeigt, wie wichtig Orte sind, an denen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder Sprache zusammenkommen und gemeinsam die Stadt gestalten", erklärt Nina Nöhrig, Frauensprecherin der Grünen Leopoldstadt.
Die Arbeit von "diversoviel" spiegelt einen wichtigen gesellschaftlichen Trend wider: die zunehmende Bedeutung von Integrations- und Nachbarschaftsarbeit in urbanen Räumen. Wien als Millionenstadt steht vor der Herausforderung, Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen Lebensrealitäten zusammenzubringen. Vereine wie "diversoviel" leisten hier wertvolle Pionierarbeit, indem sie niederschwellige Angebote schaffen, die Barrieren abbauen und Gemeinschaftsgefühl stärken.
Die Preisverleihung findet am Sonntag, 8. März 2026, um 19:00 Uhr im Kulturraum Spitzer beim Odeon statt. Anwesend sein werden unter anderem Parteivorsitzende Judith Pühringer, EU-Abgeordnete Monika Vana und Frauensprecherin Julia Malle.
Parallel zur Leopoldstadt vergibt auch der fünfte Bezirk einen eigenen Frauenpreis. Am 10. März 2026 lädt Bezirksvorsteher Michael Luxenberger gemeinsam mit Bezirksfrauenbeauftragte Natalia Postek zur Verleihung des Margaretner Frauenpreises "Margareta". Dieser Preis würdigt sogenannte "Grätzlheldinnen", die sich durch besonderes Engagement und Einsatz in Margareten auszeichnen – sei es im Verein, im Gemeindebau, im Grätzl oder im ganzen Bezirk.
Der Begriff "Grätzlheldinnen" ist dabei bewusst gewählt: Er macht deutlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt oft durch das ehrenamtliche Engagement von Frauen getragen wird, die meist im Verborgenen wirken. Diese Frauen organisieren Nachbarschaftshilfe, kümmern sich um soziale Projekte oder schaffen kulturelle Angebote – oft zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit und familiären Verpflichtungen.
Die Verleihung der "Margareta" wird von einem inhaltlichen Programm begleitet. Ab 16:30 Uhr öffnet das Amtshaus seine Türen für ein buntes Programm mit Musik und einer Podiumsdiskussion zum hochaktuellen Thema "Mehr leisten, weniger haben – Der Gender-Gap jenseits des Einkommens".
Dieser Titel trifft den Kern eines gesellschaftlichen Problems: Frauen leisten oft mehr unbezahlte Arbeit, verdienen weniger und haben schlechtere Pensionsaussichten. Laut Statistik Austria beträgt der bereinigte Gender-Pay-Gap in Österreich etwa 13 Prozent. Noch dramatischer ist der Pensionsunterschied: Frauen erhalten im Durchschnitt um 39 Prozent weniger Pension als Männer. Diese Zahlen zeigen, dass Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist.
An der Diskussion nehmen teil: Alma Zadić (Grüne), Tanja Wehsely (Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien), Barbara Schreder-Gegenhuber (Leitung Gesundheitsgreisslerei) sowie Petra Heinz (Geschäftsstellenleiterin AMS Margareten). Diese Zusammensetzung verspricht eine vielschichtige Betrachtung des Themas aus politischer, sozialer und arbeitsmarktpolitischer Sicht.
Das Veranstaltungsprogramm beginnt bereits am 5. März mit einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "All Eyes on Feminist Resistance. Afghanistan. Iran. Rojava." von 20:00 bis 22:30 Uhr im Kramladen, U-Bahnbogen 39/40 im achten Bezirk. Diese Veranstaltung rückt die internationale Dimension der Frauenrechte in den Fokus und thematisiert die dramatische Situation von Frauen in verschiedenen Krisenregionen.
Die Auswahl der Länder ist bezeichnend: In Afghanistan haben die Taliban seit ihrer Machtübernahme 2021 Frauen systematisch aus dem öffentlichen Leben verbannt. Mädchen dürfen nicht mehr zur Schule gehen, Frauen nicht arbeiten oder sich ohne männliche Begleitung bewegen. Im Iran protestieren Frauen seit Monaten unter Lebensgefahr gegen die Unterdrückung durch das Mullah-Regime. In Rojava, der kurdischen Autonomieregion in Nordsyrien, kämpfen Frauen sowohl militärisch als auch politisch für ihre Rechte.
Diese internationale Perspektive ist charakteristisch für die grüne Frauenpolitik, die Feminismus nicht nur als nationales, sondern als globales Anliegen versteht. Die Diskussionsveranstaltung verdeutlicht, dass Frauenrechte weltweit unter Druck stehen und internationale Solidarität nötig ist.
Neben den offiziellen Preisverleihungen setzen die Grünen Frauen Wien auf direkte Bürger:innenkommunikation durch Verteilaktionen und Infostände in verschiedenen Bezirken. Am 6. März beteiligt sich stellvertretende Klubobfrau Alma Zadić an einer Verteilaktion der Grünen Mariahilf beim traditionellen Café Sperl ab 16:00 Uhr.
Der Höhepunkt der Straßenaktionen ist die zentrale Verteilaktion der Grünen Frauen Wien am 7. März um 10:00 Uhr am Rochusplatz. Dort werden hochkarätige Politikerinnen erwartet: stellvertretende Klubobfrau Sigi Maurer, Parteivorsitzende Judith Pühringer sowie die Grünen Frauensprecher:innen Meri Disoski und Julia Malle.
Die Wahl des Rochusplatzes im dritten Bezirk ist nicht zufällig: Der Platz liegt zentral und ist gut öffentlich erreichbar, aber auch ein lebendiger Grätzlmittelpunkt mit Markt und regem Alltagsleben. Hier können die Grünen direkt mit den Menschen ins Gespräch kommen und ihre frauenpolitischen Anliegen vermitteln.
Diese Art der politischen Kommunikation – der direkte Kontakt auf der Straße – ist ein klassisches Mittel der Grünen, um ihre Themen zu vermitteln. Gerade bei Frauenthemen ist dieser persönliche Austausch wichtig, da viele Probleme wie Gewalt, Diskriminierung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr persönliche Erfahrungen betreffen.
Der Internationale Frauentag hat in Wien eine lange Tradition. Bereits 1911 gingen hier Frauen für ihre Rechte auf die Straße. Die österreichische Frauenbewegung erkämpfte 1918 das allgemeine Wahlrecht für Frauen – früher als in vielen anderen europäischen Ländern. Dennoch ist Gleichberechtigung auch über 100 Jahre später nicht vollständig erreicht.
Wien gilt heute als eine der frauenfreundlichsten Städte Europas. Die Stadt hat als erste Großstadt weltweit Gender Budgeting eingeführt und achtet bei der Stadtplanung systematisch auf die Bedürfnisse von Frauen. Projekte wie der Inge-Morath-Platz oder der Rosa-Mayreder-Park zeigen, wie öffentliche Räume frauengerecht gestaltet werden können.
Im Vergleich zu anderen österreichischen Städten ist Wien Vorreiterin in der Gleichstellungspolitik. Während in ländlichen Gebieten traditionelle Rollenbilder oft noch stark verhaftet sind, bietet die Bundeshauptstadt mehr Möglichkeiten für alternative Lebensentwürfe. Der Frauenanteil in Führungspositionen der Stadtverwaltung liegt deutlich über dem österreichischen Durchschnitt.
Dennoch bleiben auch in Wien Herausforderungen: Die Kinderbetreuung ist zwar gut ausgebaut, aber Teilzeitarbeit ist nach wie vor größtenteils Frauensache. 47 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Wien arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 11 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass strukturelle Probleme weiterhin bestehen.
Die vielfältigen Aktivitäten der Grünen Frauen Wien zum Frauentag haben direkte Auswirkungen auf das Leben der Wiener:innen. Die Preisverleihungen machen ehrenamtliches Engagement sichtbar und ermutigen andere, sich ebenfalls zu engagieren. Studien zeigen, dass die öffentliche Würdigung von Freiwilligenarbeit deren gesellschaftliche Wertschätzung steigert und zu mehr Engagement motiviert.
Für die ausgezeichneten Vereine und Personen bedeuten die Preise nicht nur Anerkennung, sondern oft auch erhöhte Aufmerksamkeit und möglicherweise mehr Unterstützung. Der Verein "diversoviel" könnte durch die Auszeichnung neue Kooperationspartner:innen oder Förder:innen gewinnen.
Die Verteilaktionen und Infostände bringen frauenpolitische Themen direkt zu den Menschen. Viele Passant:innen kommen dabei erstmals mit Themen wie Gender-Pay-Gap, Gewaltschutz oder politische Partizipation in Berührung. Diese niederschwellige Informationsarbeit trägt zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung bei.
Besonders wichtig ist dabei die Mehrsprachigkeit der Materialien und die interkulturelle Sensibilität der Aktivist:innen. Wien ist eine Einwanderungsstadt, in der Menschen aus über 180 Nationen leben. Frauenrechte müssen daher kultursensibel vermittelt werden, ohne relativiert zu werden.
Die umfangreichen Aktivitäten der Grünen Frauen Wien zum Frauentag 2026 sind Teil einer breiteren politischen Strategie. Die Grünen positionieren sich als die Partei der Geschlechtergerechtigkeit und sozialen Innovation. Mit prominenten Frauen wie Alma Zadić, Sigi Maurer und Judith Pühringer haben sie starke Identifikationsfiguren.
Die Themenwahl – von internationaler Solidarität über lokales Engagement bis hin zur Arbeitsmarktpolitik – zeigt die Bandbreite grüner Frauenpolitik. Diese Vielfalt ist sowohl Stärke als auch Herausforderung: Sie ermöglicht es, verschiedene Zielgruppen anzusprechen, erschwert aber klare Botschaften.
Für die Zukunft stehen die Grünen vor der Aufgabe, ihre frauenpolitischen Erfolge zu kommunizieren und gleichzeitig neue Herausforderungen anzugehen. Themen wie Digitalisierung der Arbeitswelt, Klimawandel aus feministischer Sicht oder die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf werden an Bedeutung gewinnen.
Die systematische Bezirksarbeit, wie sie die Veranstaltungen zeigen, könnte zum Modell für andere Städte werden. Durch die Kombination aus politischer Arbeit, zivilgesellschaftlichem Engagement und kulturellen Veranstaltungen entsteht ein ganzheitlicher Ansatz, der über klassische Parteipolitik hinausgeht.
Das Programm der Grünen Frauen Wien zum Frauentag 2026 zeigt: Gleichberechtigung ist kein abstraktes Ziel, sondern wird durch konkretes Engagement von Frauen wie Hayfa Bejaoui und Stefanie Maczijewski täglich erkämpft und gelebt. Die Würdigung dieser Arbeit ist nicht nur symbolisch wichtig, sondern trägt zum gesellschaftlichen Wandel bei.