Beim Europa Forum Wachau im Stift Göttweig am 21.05.2026 setzte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ein deutliches Signal für mehr Autonomie und Handlungsfähigkeit der Regionen. Die Unterzeichnung...
Beim Europa Forum Wachau im Stift Göttweig am 21.05.2026 setzte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ein deutliches Signal für mehr Autonomie und Handlungsfähigkeit der Regionen. Die Unterzeichnung der »Göttweiger Erklärung« durch die sogenannten Power Regions machte die Forderung nach stärkerer regionaler Verankerung der europäischen Politik sichtbar. Für Niederösterreich ist das kein abstraktes Statement: Regionen sollen demnach dort Verantwortung übernehmen, wo Menschen ihren Alltag erleben – in Gesundheitsversorgung, Bildung, Forschung und Digitalisierung. Die Diskussion richtete sich zugleich an Brüssel und an die nationalen Ebenen. Die Veranstaltung und die Erklärung sind damit unmittelbar relevant für die Politikgestaltung in Österreich und für die konkrete Mittelvergabe nach dem EU-Mehrjährigen Finanzrahmen. Quelle: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Presseaussendung, 21.05.2026.
Die »Göttweiger Erklärung« (Hauptkeyword: Göttweiger Erklärung) legt das Augenmerk auf die Rolle der Regionen als Träger konkreter Verbesserungen für Bürgerinnen und Bürger. In Niederösterreich, so die Landeshauptfrau, wurden seit dem EU-Beitritt über 6.000 Projekte mit mehr als 760 Millionen Euro unterstützt. Die Botschaft ist klar: Europa muss sich den großen globalen Herausforderungen widmen; alles andere könne und solle auf regionaler Ebene erfolgen. Diese Trennung von Verantwortlichkeiten und eine stärkere regionale Implementierung stehen im Zentrum der Debatte um die Zukunft der Kohäsionspolitik und der Finanzierung regionaler Projekte.
Die Göttweiger Erklärung betont die Bedeutung starker Regionen für Wettbewerbsfähigkeit, strategische Autonomie und soziale Kohäsion. Unterzeichnet wurde sie von Regionen wie Südtirol, Bayern, Bratislava, Emilia-Romagna, Katalonien sowie Niederösterreich – den sogenannten Power Regions. Gemeinsam stehen diese Regionen für rund 62 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und repräsentieren etwa 204 Millionen Menschen. Ziel ist es, regionale Handlungsspielräume zu erweitern und bürokratische Hürden zu verringern, ohne die Kernaufgaben der EU in Sicherheits-, Technologie- und Verteidigungsfragen zu unterminieren.
Die Bedeutung regionaler Politik in Europa hat sich über Jahrzehnte entwickelt. Ursprünglich war die Europäische Integration primär auf Handels- und Binnenmarktfragen fokussiert. Mit der Zeit gewannen Struktur- und Regionalpolitiken an Bedeutung, um die wirtschaftliche Konvergenz zwischen reicheren und ärmeren Regionen zu fördern. Für Österreich und seine Bundesländer bedeutete der EU-Beitritt 1995 einen Zuwachs an Fördermöglichkeiten: Infrastruktur, Unternehmensförderung und soziale Projekte konnten mit EU-Mitteln realisiert werden. Niederösterreich nennt in der aktuellen Mitteilung über 6.000 geförderte Projekte seit dem Beitritt – ein Zeichen dafür, wie stark EU-Förderungen in regionalen Entwicklungsstrategien verankert sind. Die Debatte um die richtige Balance zwischen zentraler Steuerung und regionaler Autonomie ist deshalb nicht neu; sie spiegelt jedoch aktuelle geopolitische Herausforderungen und wirtschaftliche Verschiebungen wider. Die Göttweiger Erklärung ist in diesem Sinne ein weiterer Schritt in einer lange andauernden Diskussion über die Verteilung von Verantwortung und Mitteln innerhalb der EU.
Ein Blick über die Grenzen zeigt Unterschiede in der regionalen Rolle und Ausstattung. In Deutschland spielen die Bundesländer traditionell eine starke Rolle in Bildung und Verwaltung; Bayern ist dabei ein wirtschaftlich starkes Bundesland mit eigener außenwirtschaftlicher Präsenz. Südtirol in Italien kombiniert Autonomierechte mit einer starken regionalen Verwaltung und ist als »Power Region« Mitglied der Göttweiger Unterzeichner. Die Schweiz, als Nicht-EU-Staat, organisiert vieles auf Kantonsebene; kantonale Kompetenzen sind hier ausgeprägt und stark lokal verankert. Im Vergleich dazu hat Österreich eine föderale Struktur, in der die Bundesländer zunehmend EU-Fördermittel nutzen, um regionale Prioritäten zu setzen. Unterschiede ergeben sich vor allem in der institutionellen Stärke, der finanziellen Ausstattung und der direkten Mitbestimmung in EU-Fragen. Die Göttweiger Erklärung versucht, jene Regionen zusammenzubringen, die ähnliche Interessen an mehr regionaler Handlungsfähigkeit teilen, unabhängig von nationalen Grenzen.
Die Forderung nach mehr Regionalität hat direkte Folgen für den Alltag der Menschen. Die von Mikl-Leitner genannten Projekte – etwa die Therme Laa, das Haus der Digitalisierung in Tulln oder das Gesundheitszentrum »Health Across« in Gmünd – sind Beispiele dafür, wie EU- und Landesförderungen direkt in konkrete Infrastruktur und Dienstleistungen übersetzt werden. Solche Projekte verbessern die Gesundheitsversorgung, schaffen Ausbildungs- und Arbeitsplätze, und bieten niedrigschwellige digitale Angebote für KMU und Bürgerinnen.
All diese Projekte zeigen: Wenn Regionen mehr Entscheidungsspielraum haben, kann dies unmittelbar die Lebensqualität vor Ort verbessern. Regionale Projektsteuerung erleichtert die Koordination zwischen Kommunen, Landesbehörden und lokalen Akteuren. Gleichzeitig erhöht sichtbarer Nutzen das Vertrauen in europäische und nationale Institutionen.
Aus der Presseaussendung lassen sich einige konkrete Kennzahlen ableiten: Mehr als 6.000 Projekte wurden in Niederösterreich seit EU-Beitritt mit über 760 Millionen Euro gefördert. Das ergibt einen einfachen Durchschnittsbetrag von etwa 126.700 Euro pro Projekt (760.000.000 Euro geteilt durch 6.000 Projekte). Diese Zahl ist ein grober Durchschnitt; tatsächlich variiert die Fördersumme je nach Projektgröße stark – von kleinen Schulungsinitiativen bis zu größeren Infrastrukturvorhaben.
Die Power Regions werden mit rund 62 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung bzw. 204 Millionen Menschen beziffert. Diese Zusammensetzung macht deutlich, dass die Unterzeichnerregionen wirtschaftlich überproportional zur europäischen Gesamtheit stehen und daher politischen Einfluss geltend machen können. Für die Diskussion um Kohäsionsmittel bedeutet dies: Auch wirtschaftsstarke Regionen sehen sich in der Pflicht, als Motoren für weniger entwickelte Regionen zu fungieren – gleichzeitig fordern sie jedoch Handlungsspielräume, um eigene Innovations- und Wettbewerbsstrategien umzusetzen.
Wichtig ist, dass Zahlen wie diese nicht nur statistische Größen sind, sondern politische Hebel: Wer einen großen Anteil an Wirtschaftsleistung repräsentiert, hat Argumente in Budgetdiskussionen des Mehrjährigen Finanzrahmens. Die Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, wie finanzielle Mittel effizient und gerecht verteilt werden können, ohne die Wirksamkeit regionaler Projekte zu schwächen.
Johanna Mikl-Leitner: »Die Welt befindet sich im Umbruch. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und ein immer härterer globaler Wettbewerb setzen Europa zunehmend unter Druck. Europa darf dabei nicht Zuschauer und Kommentator bleiben, sondern muss wieder zum Spielmacher werden.«
Rachel de Basso (Region Jönköping): »Schweden ist ein Innovationsland mit starker wirtschaftlicher Kraft. Das Ergebnis beruht auf wirtschaftlichem Erfolg und guter Zusammenarbeit der Unternehmen.«
Sari Rautio (EVP im Ausschuss der Regionen): »Wir brauchen funktionierende Infrastruktur in allen europäischen Regionen, damit Chancengleichheit hergestellt werden kann.«
Jaume Duch Guillot (Katalonien): »Unsere Regionen sind nicht nur Nutznießer der EU, sondern Umsetzungspartner bei allen Entscheidungen auf europäischer Ebene.«
Die unmittelbare Wirkung der Göttweiger Erklärung wird maßgeblich davon abhängen, wie politische Akteure auf nationaler und europäischer Ebene reagieren. Kurzfristig dient die Erklärung als politisches Signal an Brüssel: Regionen wollen mehr Mitsprache bei der Mittelvergabe und eine praxisorientierte Umsetzung europäischer Vorgaben. Mittel- bis langfristig könnte dies Änderungen in der Ausgestaltung des Mehrjährigen Finanzrahmens und in der operativen Umsetzung von EU-Programmen nach sich ziehen.
Eine mögliche Entwicklung ist die stärkere Einbindung regionaler Behörden in die Planung von EU-Förderprogrammen. Das würde bedeuten, dass Projektprioritäten stärker an lokalen Bedarfen ausgerichtet werden – etwa beim Ausbau digitaler Infrastruktur, in der Gesundheitsversorgung oder in der Forschungsförderung. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie die EU sicherstellt, dass strategische Aufgaben wie Verteidigung, kritische Technologien und Außenpolitik auf Ebene der Mitgliedstaaten oder der Union koordiniert bleiben.
Für Österreich bedeutet die Erklärung, dass Landesregierungen wie jene in Niederösterreich ihren Einfluss nutzen könnten, um regionale Prioritäten in EU-Verhandlungen sichtbarer zu machen. Ob dies zu einer strukturellen Veränderung führt oder primär rhetorische Wirkung hat, hängt vom Dialog zwischen Regionen, Mitgliedstaaten und EU-Institutionen ab. Entscheidend wird sein, ob konkrete Mechanismen zur Beteiligung der Regionen an Haushalts- und Programmentscheidungen etabliert werden.
Die Debatte um regionale Stärkung berührt mehrere Politikfelder: finanzielle Solidarität zwischen Regionen (Kohäsionspolitik), Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsförderung und soziale Kohäsion. Wer die regionale Praxis stärken will, muss zugleich Mechanismen entwickeln, um die Mittelverwendung zu kontrollieren, Transparenz zu erhöhen und die Projektqualität sicherzustellen. In diesem Spannungsfeld stehen Regionen vor der Herausforderung, mehr Verantwortung zu übernehmen, ohne die Solidarprinzipien der EU zu untergraben.
Die Göttweiger Erklärung ist damit kein abgeschlossenes Dokument, sondern ein politischer Impuls. Ob er zu dauerhaften Veränderungen in der Mehrebenen-Governance führt, wird sich in den kommenden Haushalts- und Programmdiskussionen zeigen.
Die Unterzeichnung der Göttweiger Erklärung beim Europa Forum Wachau ist ein deutliches Signal für mehr regionale Verantwortung in Europa. Für Niederösterreich wird damit die Rolle der Regionen als konkrete Umsetzer europäischer Politik hervorgehoben. Die praktischen Folgen sind bereits sichtbar in geförderten Projekten wie der Therme Laa, dem Haus der Digitalisierung in Tulln oder dem Gesundheitszentrum in Gmünd. Die zentrale Frage bleibt, wie sich Regionen, Mitgliedstaaten und Brüssel künftig organisieren, damit strategische EU-Aufgaben gemeinsam gelöst werden und gleichzeitig regionale Innovations- und Entwicklungsdynamiken erhalten bzw. gestärkt werden.
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