Politik

eBay fordert zeitgemäße Zollregeln für den Secondhand-Handel

Bericht zeigt Zahlen zu Marktvolumen, Exporten kleiner Unternehmen und Empfehlungen für risikobasierte Zollverfahren

22. Juli 2026

eBay veröffentlicht Bericht zu Secondhand-Handel, nennt Marktgrößen, Verkäuferdaten und empfiehlt risikobasierte, differenzierte Zollregeln.

eBay hat den Bericht „Second-hand Goods in Global Trade: Affordability, Small Business and Cross-Border Modernization“ veröffentlicht und fordert politische Entscheidungsträger auf, Zollvorschriften im Sinne des wachsenden grenzüberschreitenden Gebrauchtwarenhandels zu modernisieren. Der Bericht betont, dass bei Reformen zugleich Verbraucher wirksam geschützt und unnötige Hürden für kleine Unternehmen und private Verkäufer abgebaut werden sollten.

Nach Darstellung des Berichts sind Gebrauchtwaren heute ein fester Bestandteil des modernen Handels. Sie tragen laut Aussendung dazu bei, Produkte für Haushalte leistbarer zu machen, Exportmöglichkeiten für kleinen Unternehmen zu schaffen, Ressourcen effizienter zu nutzen und Abfälle zu reduzieren. Gleichzeitig warnt der Bericht davor, dass pauschale Zollreformen für geringwertige Importe den seriösen Handel mit Gebrauchtwaren unbeabsichtigt erschweren könnten, wenn nicht entsprechend differenzierte Regelungen eingeführt werden.

Der eBay-Bericht im Überblick

Der Bericht fasst mehrere Kernbefunde zusammen und stützt sich dabei auf Daten und zuvor veröffentlichte eBay-Studien wie den „Recommerce Report 2025“ und den „Impact Report 2025“. Laut eBay ist der Preis weltweit der wichtigste Grund für den Kauf gebrauchter Produkte. Im „Recommerce Report 2025“ gaben 81 Prozent der befragten Konsumenten an, vor allem Secondhand-Produkte zu kaufen, um ihre Ausgaben zu reduzieren.

Weitere im Bericht genannte zentrale Zahlen betreffen das Marktvolumen und Verkaufsaktivitäten: Das weltweite Marktvolumen für gebrauchte Produkte wurde 2025 auf mehr als 475 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2030 auf 854 Milliarden US-Dollar anwachsen. Daten aus dem Jahr 2025 zeigen außerdem, dass 75 Prozent der Verkäufer in den USA sowie mehr als 70 Prozent in der EU, im Vereinigten Königreich, in Kanada und Japan Gebrauchtwaren verkauft haben.

Zentrale Zahlen und internationale Muster

Der Bericht betont die Bedeutung des Secondhand-Handels für kleinen Unternehmen und internationale Verkäufe. Dem „Impact Report 2025“ zufolge exportieren 97 Prozent der weltweit auf eBay aktiven Kleinunternehmen ihre Produkte und erreichen Käufer in durchschnittlich 17 internationalen Märkten. eBay-Daten aus 2025 zeigen zudem, dass Gebrauchtwaren in den analysierten Schlüsselmärkten ein Bruttowarenvolumen von rund 31 Milliarden US-Dollar erreichten – das entspricht etwa 46 Prozent des gesamten Handelsvolumens dieser Länder.

Für die untersuchten Exportkorridore nennt der Bericht einen Anteil von rund 62 Prozent des Gebrauchtwarenvolumens in Sendungen mit geringem Warenwert. Diese Zahlen fließen in die Argumentation ein, warum Änderungen bei den Regularien für geringwertige Importe den Secondhand-Handel überproportional treffen könnten.

Warum Zollreformen den Secondhand-Handel betreffen

Der Bericht stellt heraus, dass jüngste Änderungen der Zollpolitik in den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich vor allem Importe von geringem Wert betreffen. Diese Reformen seien vor allem eine Reaktion auf das rasante Wachstum des Handels mit neuen Waren, die von Plattformen mit hohem Versandvolumen direkt an Verbraucher geliefert werden.

Gleichzeitig erkennt der Bericht die legitimen Ziele solcher Reformen an, darunter Sicherheit, Einhaltung von Vorschriften, Verhinderung des illegalen Handels und Stärkung der Zollkapazitäten. Er warnt jedoch davor, dass pauschale Vorschriften die Kosten erhöhen und die grenzüberschreitenden Möglichkeiten für den legalen Handel mit Gebrauchtwaren einschränken könnten, sofern nicht zwischen Neuware und risikoärmeren gebrauchten Artikeln unterschieden wird.

Was der Bericht Regierungen empfiehlt

eBay formuliert im Bericht konkrete Empfehlungen an Regierungen und internationale Organisationen. Die Empfehlungen richten sich nach Darstellung des Berichts an politische Entscheidungsträger, Zollbehörden sowie Institutionen wie G7, Weltzollorganisation und OECD:

  • Gebrauchtwaren als eigenständige Warenkategorie anerkennen; dazu sollte laut Bericht auch der Zustand eines Produkts als relevante Information in Zollerklärungen und bei der Risikobewertung berücksichtigt werden.
  • Eine modernere, risikobasierte Durchsetzung auf der Grundlage digitaler Daten entwickeln, damit sich Zollbehörden auf Sendungen mit höherem Risiko, kontrollierte Waren, Fälschungen und Wiederholungstäter konzentrieren können.
  • Programme für vertrauenswürdige Händler weiterentwickeln; diese sollten die Besonderheiten des plattformgestützten Handels und datenbasierter Compliance-Systeme angemessen berücksichtigen.

Wie eBay die Rolle internationaler Institutionen einordnet

Der Bericht ruft politische Entscheidungsträger, Zollbehörden und internationale Institutionen dazu auf, stärker abgestimmte Ansätze zu entwickeln. Dabei nennt eBay explizit multilaterale Foren wie die G7, die Weltzollorganisation und die OECD als Adressaten, um Ansätze zur Modernisierung der Zollregeln zu koordinieren.

eBay weist darauf hin, dass die jüngsten nationalen Reformen eine Reaktion auf den Anstieg von Neuware-Sendungen sind, die über volumenstarke Plattformen direkt an Verbraucher geliefert werden. Vor diesem Hintergrund schlägt der Bericht vor, digitale Daten zur Risikobewertung zu nutzen, damit Zollbehörden ihre Kontrollen zielgerichtet auf sicherheitsrelevante oder regelverletzende Sendungen konzentrieren können, während risikoärmere Gebrauchtwaren anders behandelt werden.

Secondhand, Recommerce, GMV, geringwertige Sendungen und risikobasierte Durchsetzung erklärt

Secondhand-Handel: Unter Secondhand-Handel versteht der Bericht den Handel mit gebrauchten Produkten, die oftmals als einzelne, nicht standardisierte Stücke von vielen unterschiedlichen Verkäufern angeboten werden. Diese Dezentralität macht nach Darstellung des Berichts die üblichen Zollanforderungen für kleine Händler und private Verkäufer oft schwer erfüllbar.

Recommerce: Recommerce bezeichnet laut Bericht den Wiederverkauf von gebrauchten Produkten. eBay verweist in diesem Zusammenhang auf den „Recommerce Report 2025“, in dem Kaufmotive und Marktverhalten untersucht wurden und Preis als zentrales Motiv genannt wurde.

Bruttowarenvolumen (GMV): GMV ist eine Kennzahl, die im Bericht zur Beschreibung des gesamten Handelsvolumens herangezogen wird. eBay nennt für das Unternehmen selbst ein GMV von 79,6 Milliarden US-Dollar für 2025 und nutzt GMV-Angaben, um Marktanteile und Handelsströme zu quantifizieren.

Sendungen mit geringem Warenwert: Der Bericht spricht wiederholt von Versandströmen mit geringem Warenwert, die in den untersuchten Exportkorridoren einen erheblichen Anteil des Gebrauchtwarenvolumens ausmachen. Solche Sendungen sind nach Darstellung des Berichts besonders häufig bei dezentralen Angeboten und private Verkäufern.

Risikobasierte Durchsetzung: Damit ist laut Bericht ein Ansatz gemeint, bei dem Zollbehörden digitale Daten nutzen, um Sendungen nach Risiko zu priorisieren. Ziel ist es, Kontrollen auf Sendungen mit hohem Risiko, reglementierte Waren oder Fälschungen zu fokussieren, statt pauschale Prüfanforderungen auf alle Sendungen anzuwenden.

Was die Empfehlungen konkret adressieren

Die Empfehlungen zielen darauf ab, Unterschiede zwischen Neuware und gebrauchten Artikeln systematisch zu erfassen, indem Produktzustand und andere relevante Daten in Zollerklärungen berücksichtigt werden. Zudem schlägt der Bericht vor, Datenanalysen und Programme für vertrauenswürdige Händler stärker in die Praktiken der Zollbehörden einzubinden, um Kontrollen nach Risiko zu priorisieren.

Offen bleibt laut Bericht, wie und in welchem Zeitrahmen nationale Behörden und internationale Organisationen diese Vorschläge umsetzen. eBay fordert eine stärkere Abstimmung auf multilateraler Ebene, ohne jedoch konkrete Umsetzungspläne oder Zeitpläne vorzuschlagen.

FAQ zum eBay-Bericht

1. Worin besteht das Hauptanliegen des eBay-Berichts?

Der Bericht fordert eine Modernisierung der Zollvorschriften, die zwischen großen Warenströmen mit Neuware und risikoärmeren gebrauchten Artikeln unterscheidet. Er benennt als Ziel den Erhalt von Schutzfunktionen bei gleichzeitiger Verringerung unnötiger Hürden für kleine Unternehmen und private Verkäufer im grenzüberschreitenden Handel. eBay argumentiert, dass differenzierte Regelungen geeigneter seien als pauschale Vorgaben für alle Sendungen.

2. Welche Marktgrößen nennt der Bericht?

Der Bericht beziffert das globale Marktvolumen für gebrauchte Produkte 2025 mit mehr als 475 Milliarden US-Dollar und verweist auf eine Projektion bis 2030 von 854 Milliarden US-Dollar. Für das Bruttowarenvolumen in bestimmten Schlüsselmärkten nennt eBay 2025 rund 31 Milliarden US-Dollar. Zudem führt eBay sein eigenes GMV für 2025 mit 79,6 Milliarden US-Dollar an.

3. Welche Bedeutung hat der Secondhand-Handel für kleine Unternehmen?

Nach Darstellung des „Impact Report 2025“ exportieren 97 Prozent der weltweit auf eBay aktiven Kleinunternehmen ihre Produkte und erreichen Käufer in durchschnittlich 17 internationalen Märkten. Der Bericht hebt damit hervor, dass Secondhand-Angebote auch grenzüberschreitende Exportchancen eröffnen. eBay führt dies als Argument an, warum Zollregelungen die besonderen Strukturen des Plattformhandels berücksichtigen sollten.

4. Warum könnten Regeländerungen bei geringwertigen Importen problematisch sein?

Der Bericht warnt, dass pauschale Vorschriften für geringwertige Importe die Kosten erhöhen und die grenzüberschreitenden Möglichkeiten für den legalen Handel mit Gebrauchtwaren einschränken könnten. Insbesondere dezentral angebotene Einzelstücke und private Sendungen erfüllen häufig nicht die üblichen Zollanforderungen ohne zusätzlichen Aufwand. eBay betont, dass solche Effekte besonders in Volumenströmen mit geringem Warenwert auftreten können.

5. Welche konkreten Maßnahmen empfiehlt eBay?

eBay empfiehlt, Gebrauchtwaren als eigene Warenkategorie anzuerkennen, den Zustand eines Produkts in Zollerklärungen zu berücksichtigen, risikobasierte digitale Kontrollen zu nutzen und Programme für vertrauenswürdige Händler an die Besonderheiten des plattformgestützten Handels anzupassen. Der Bericht nennt zudem internationale Institutionen als relevante Adressaten für abgestimmte Ansätze. Konkrete gesetzliche Änderungen oder Fristen führt eBay im Bericht nicht an.

6. Wo kann der vollständige Bericht eingesehen werden?

Den vollständigen Bericht stellt eBay online bereit; in der Aussendung verweist eBay auf den Bericht auf dem eBay Mainstreet-Portal. Dort sind auch die zitierten eBay-Studien („Recommerce Report 2025“, „Impact Report 2025“) und weitere Hintergrundmaterialien abrufbar.

Quellen und Kontakt

Primäre Quelle dieses Artikels ist die eBay-Aussendung zum Bericht „Second-hand Goods in Global Trade: Affordability, Small Business and Cross-Border Modernization“ sowie die darin zitierten eBay-Studien („Recommerce Report 2025“, „Impact Report 2025“) und Unternehmensangaben.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier: https://www.ebaymainstreet.com/reports/second-hand-goods-global-trade-affordability-small-business-and-cross-border-modernization

Über eBay: Weitere Angaben zum Unternehmen finden sich laut Aussendung unter http://www.ebayinc.com/

Kontakt laut Aussendung: LOEBELL NORDBERG, Mag. Celina Alvarez Cadena, Telefon: +436763305154, E-Mail: ca [at] loebellnordberg.com