In Margareten entsteht aus einem Gebäude des 19. Jahrhunderts ein Gemeindebau NEU mit 21 Wohnungen. Das Projekt zeigt, wie Erhalt, Nachverdichtung und leistbares Wohnen zusammenspielen.
In der Spengergasse 45 wurde die Dachgleiche für einen Gemeindebau NEU gefeiert. Das Projekt verbindet historische Bausubstanz mit 21 leistbaren Wohnungen, gasfreier Energieversorgung und begrünter Architektur.
In der Spengergasse 45 in Wien-Margareten wurde nach 18 Monaten Bauzeit die Dachgleiche für einen Gemeindebau NEU gefeiert. Aus einem ehemaligen Werkshallen- und Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert entsteht ein neues Wohnhaus mit 21 leistbaren Wohnungen. Das Projekt ist klein im Vergleich zu großen Stadtentwicklungsgebieten, aber gerade deshalb interessant: Es zeigt, wie Wien im dichten Bestand leistbaren Wohnraum schaffen will, ohne historische Strukturen einfach zu ersetzen.
Die Stadt beschreibt den Bau als Verbindung aus Erhalt und Neubau. Die historische Fassade bleibt bestehen, dahinter entsteht ein moderner Gemeindebau mit vier zusätzlichen Geschoßen. Geplant sind Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, hofseitige Freiflächen, ein begrünter Innenhof, Fahrrad- und Kinderwagenabstellplätze, ein Waschsalon im Erdgeschoß und ein Energiekonzept mit Luft-Wasser-Wärmepumpen, Photovoltaik und Fußbodenheizung.
21 Wohnungen klingen auf dem Wiener Wohnungsmarkt zunächst nicht spektakulär. Die Bedeutung liegt aber in der Art des Projekts. In innerstädtischen Bezirken wie Margareten gibt es kaum freie große Flächen. Leistbarer Wohnbau muss daher oft mit bestehender Bausubstanz arbeiten: sanieren, aufstocken, verdichten, begrünen und zugleich Nachbarschaften nicht überfordern.
Die Spengergasse steht für genau diese Herausforderung. Ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wird nicht abgerissen und vollständig ersetzt, sondern in Teilen erhalten und erweitert. Das kann städtebaulich wertvoll sein, weil Straßenzüge, Fassadenrhythmus und historische Identität sichtbar bleiben. Gleichzeitig entstehen neue Wohnungen, die heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieversorgung und Wohnkomfort entsprechen sollen.
Der Gemeindebau NEU ist Wiens Versuch, die Tradition des kommunalen Wohnbaus in die Gegenwart zu übersetzen. Laut der OTS-Meldung wohnen bereits über 4.700 Wienerinnen und Wiener in einem von insgesamt 19 Gemeindebauten NEU. Weitere rund 1.000 neue Gemeindewohnungen sind in Bau. Insgesamt seien mehr als 5.700 neue Wohnungen für künftig rund 13.000 Bewohnerinnen und Bewohner auf den Weg gebracht.
Für Wien ist das mehr als Baupolitik. Der kommunale Wohnbau gehört zur sozialen Infrastruktur der Stadt. Er wirkt auf Mieten, Wohnsicherheit, Durchmischung und die Frage, ob Menschen mit normalen Einkommen in innerstädtischen Lagen bleiben können. In einer Stadt mit wachsender Bevölkerung und hohen Wohnkosten ist jeder zusätzliche leistbare Wohnraum politisch sichtbar.
Die Eckdaten sind überschaubar, aber dicht: 21 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, rund 50 künftige Bewohnerinnen und Bewohner, barrierefreier Zugang, zentrales Stiegenhaus, Kellerabteile, Waschsalon, Abstellflächen und ein gemeinschaftlicher Innenhof mit Terrasse. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2027 vorgesehen. Die Architektur stammt laut Meldung von F + P Architekten.
Die Wohnberatung Wien und die WSE verweisen ebenfalls auf die Dachgleiche und die Besonderheiten des Projekts. Die WSE beschreibt den Bau als Gemeindebau NEU mit besonderen ökologischen Qualitäten. Die Architekturseite von F + P Architekten nennt das Projekt als Studie für ein Wohnhaus in der Spengergasse. Zusammengenommen zeigen diese Quellen, dass die Spengergasse nicht nur als einzelnes Wohnhaus, sondern als Baustein einer städtischen Strategie zu lesen ist.
Besonders wichtig ist das Energiekonzept. Heizwärme und Warmwasser sollen über Luft-Wasser-Wärmepumpen bereitgestellt werden. Eine Fußbodenheizung sorgt für das Raumklima und kann zusätzlich unterstützend kühlen. Dazu kommt eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach. Fassadenbegrünung, Pflanztröge, Ranknetze und ein begrüntes Dach sollen das Mikroklima verbessern.
Solche Details wirken technisch, sind aber für den Wohnalltag wichtig. Gasfreie Energieversorgung reduziert Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Sanfte Kühlung kann in dicht bebauten Stadtteilen mit heißen Sommern an Bedeutung gewinnen. Begrünung kann Hitze mindern, Aufenthaltsqualität erhöhen und Innenhöfe lebenswerter machen. Entscheidend ist allerdings die Umsetzung: Wartung, Betriebskosten, Bedienbarkeit und langfristige Pflege entscheiden darüber, ob ökologische Versprechen im Alltag ankommen.
In innerstädtischen Bezirken ist Nachverdichtung oft umstritten. Neue Wohnungen sind nötig, können aber Verschattung, Baustellenbelastung, Verkehrsdruck oder Verlust von Freiflächen auslösen. Die Spengergasse versucht diesen Konflikt über eine Kombination aus Bestandserhalt, Aufstockung, Hofnutzung und Begrünung zu lösen. Ob das gelingt, zeigt sich erst im Betrieb, aber die Richtung ist erkennbar: mehr Wohnraum ohne vollständigen Bruch mit dem bestehenden Stadtbild.
Für die Stadt ist das strategisch wichtig. Leistbarer Wohnbau am Stadtrand allein reicht nicht, wenn Menschen dort wohnen sollen, wo Arbeit, Schule, Nahversorgung und öffentlicher Verkehr bereits vorhanden sind. Projekte wie die Spengergasse können kurze Wege erhalten und bestehende Infrastruktur besser nutzen. Gleichzeitig sind sie komplexer als Neubauten auf freier Fläche und erfordern sorgfältige Planung.
Der Begriff „leistbar“ ist in Wien eng mit dem kommunalen Wohnbau verbunden. Gemeindewohnungen sollen langfristige Mietstabilität und soziale Durchmischung ermöglichen. Der Gemeindebau NEU knüpft daran an, muss aber mit heutigen Kosten umgehen: Baupreise, Energieanforderungen, Sanierungsaufwand, Grundstückspreise und technische Standards sind deutlich anspruchsvoller als in früheren Bauphasen.
Deshalb sind kleine Projekte nicht nebensächlich. Sie zeigen, ob kommunaler Wohnbau auch dort möglich bleibt, wo Grundstücke knapp sind und Altbestand integriert werden muss. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur eine einzelne Wohnadresse, sondern ein Modell für weitere Baulücken, Umnutzungen und Aufstockungen im Bestand.
Margareten ist ein dichter Bezirk mit historischer Bausubstanz, begrenztem Platz und hohem Wohnungsdruck. Der erste Gemeindebau NEU in Margareten, der Friederike-Mayröcker-Hof in der Schönbrunner Straße 76, wurde laut Stadt bereits 2025 übergeben. Die Spengergasse ist damit Teil einer jüngeren Linie: Innerstädtischer kommunaler Wohnbau soll nicht nur am Stadtrand entstehen, sondern auch dort, wo bestehende Quartiere weiterentwickelt werden.
Das ist städtebaulich anspruchsvoll. Baustellen im Bestand sind enger, Rücksicht auf Nachbarhäuser ist wichtiger, Denkmalschutz- und Fassadenfragen können komplexer sein. Gleichzeitig ist der Nutzen groß: Neue leistbare Wohnungen entstehen dort, wo öffentlicher Verkehr, Nahversorgung, Schulen und soziale Infrastruktur bereits vorhanden sind.
Wie viele Wohnungen entstehen in der Spengergasse 45?
Geplant sind 21 leistbare Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern.
Wann soll der Gemeindebau fertig sein?
Die Fertigstellung ist laut Meldung für Frühjahr 2027 vorgesehen.
Was bleibt vom alten Gebäude erhalten?
Die historische Fassade des ehemaligen Werkshallen- und Wohngebäudes bleibt erhalten. Dahinter entsteht ein moderner, aufgestockter Gemeindebau.
Was macht das Projekt ökologisch interessant?
Geplant sind Luft-Wasser-Wärmepumpen, Photovoltaik, Fußbodenheizung mit unterstützender Kühlfunktion, Fassadenbegrünung und ein begrüntes Dach.