Das AIT-Projekt Climate Ready Schools untersucht Hitze in Klassenzimmern. Die Ergebnisse zeigen, warum Schulen baulich, organisatorisch und im Alltag reagieren müssen.
Hitze im Klassenzimmer ist längst kein Randthema mehr, das sich mit ein paar Tagen Hitzefrei erledigt. Das Projekt „Climate Ready Schools“ des AIT Austrian Institute of Technology untersucht, wie hohe Temperaturen den Schulalltag belasten und welche Maßnahmen Schulen widerstandsfähiger machen können. Laut der Aussendung hat sich die Zahl der Hitzetage in Wien seit der Klimaperiode 1961 bis 1990 von durchschnittlich zehn auf rund 30 pro Jahr verdreifacht. Auch Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad Celsius haben deutlich zugenommen.
Für Schulen ist besonders relevant, dass heiße Tage nicht mehr nur in die Ferien fallen. Juni und September werden wichtiger, weil dort regulärer Unterricht stattfindet, Prüfungen vorbereitet werden, Konzentration gefragt ist und Gebäude oft noch nicht auf längere Hitzeperioden ausgelegt sind. Die Botschaft der Meldung ist deshalb klar: Klimaanpassung an Schulen ist nicht bloß Gebäudetechnik. Sie betrifft Unterrichtsorganisation, Gesundheit, Konzentration, Schulbuffets, Lüftungsroutinen und die Frage, wer für Investitionen zuständig ist.
Die AIT-Aussendung nennt deutliche Befragungsergebnisse. An fünf Schulen nahmen mehr als 1.500 Personen teil, darunter 1.370 Schülerinnen und Schüler sowie 176 Lehrkräfte. 88 Prozent der Befragten empfinden Hitze im Schulgebäude an heißen Tagen als belastend. 97 Prozent geben an, dass es im Juni zumindest eine Woche lang zu heiß für konzentrierten Unterricht sei. 91 Prozent sprechen sich für konkrete Maßnahmen gegen Hitze an Schulen aus.
Diese Zahlen sind wichtig, weil sie Hitze nicht als subjektives Unbehagen abtun. Wenn fast alle Befragten konzentriertes Lernen zeitweise als erschwert beschreiben, wird daraus eine Bildungsfrage. Schulen sollen Lernorte sein. Wenn Räume überhitzen, sinkt nicht nur das Wohlbefinden; Unterricht wird schwerer planbar, Pausen erholen weniger, Prüfungsphasen werden belastender und Lehrkräfte müssen zusätzlich zum Stoff auch die Raum- und Belastungssituation managen.
Das Problem ist außerdem sozial relevant. Nicht jede Schule hat gleich gute Gebäude, gleich viel Grünraum, moderne Beschattung oder flexible Räume. Hitze kann bestehende Unterschiede verstärken. Schulen mit alten Fenstern, wenig Außenbeschattung, versiegelten Höfen oder schlecht steuerbarer Lüftung haben andere Voraussetzungen als moderne Standorte. Genau deshalb braucht Klimaanpassung mehr als Appelle an einzelne Klassen.
Das Projekt arbeitet als Citizen-Science-Ansatz. Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen sind nicht nur Befragte, sondern wirken an der Entwicklung von Maßnahmen mit. Das ist sinnvoll, weil Hitzestress im Schulalltag viele kleine Entscheidungen umfasst. Welche Räume werden wann genutzt? Wann wird gelüftet? Wo kann Wasser verfügbar sein? Welche Speisen passen im Schulbuffet zu heißen Tagen? Wie können Lehrkräfte den Unterricht anpassen, ohne Lernzeit zu verlieren?
Citizen Science hilft auch, weil jene Menschen eingebunden werden, die den Schulalltag tatsächlich erleben. Ein technisches Gutachten kann Temperaturen messen, aber Schülerinnen und Schüler wissen, welche Räume am Nachmittag kaum nutzbar sind, wo Luft steht, welche Pausenbereiche sich aufheizen und welche Regeln im Alltag funktionieren. Lehrkräfte wiederum können einschätzen, wie Maßnahmen mit Stundenplänen, Aufsichtspflichten und Unterrichtszielen zusammenpassen.
Die Projektseite Climate Ready Schools und das beteiligte Wissenschaftsnetz DISKURS geben den Rahmen dafür: Forschung soll nicht nur Daten sammeln, sondern gemeinsam mit Schulen verständliche und umsetzbare Lösungen entwickeln. Das ist ein wichtiger Unterschied zu rein top-down geplanten Maßnahmen.
Ein Teil der Lösung liegt bei Gebäudeeigentümern und Schulerhaltern. Außenliegender Sonnenschutz kann verhindern, dass Räume sich tagsüber stark aufheizen. Lüftungssysteme, bessere Steuerung, Nachtlüftung, helle Oberflächen, Entsiegelung, Begrünung und kühlere Aufenthaltsbereiche können ebenfalls helfen. Solche Maßnahmen kosten Geld und brauchen Planung, sind aber langfristig oft wirksamer als improvisierte Lösungen im Unterricht.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge. Innenjalousien oder Ventilatoren können kurzfristig entlasten, ersetzen aber keine wirksame Verschattung, wenn Sonnenwärme bereits im Raum angekommen ist. Ebenso reicht es nicht, erst dann zu lüften, wenn ein Klassenzimmer schon überhitzt ist. Gute Klimaanpassung denkt Gebäude, Tagesverlauf, Nutzung und Wartung zusammen. Schulen brauchen deshalb nicht nur Geräte, sondern klare Zuständigkeiten und praktische Routinen.
Die Umweltförderung des Bundes verweist mit Programmen rund um KLAR- und Klimaschulen auf einen größeren Zusammenhang: Klimaanpassung im Bildungsbereich wird zunehmend als eigenes Handlungsfeld verstanden. Das passt zur AIT-Meldung, weil Schulen nicht nur Energie sparen sollen, sondern auch mit den Folgen des Klimawandels im Alltag zurechtkommen müssen.
Nicht jede Lösung muss sofort eine Baustelle sein. Die Aussendung nennt auch organisatorische und unmittelbare Maßnahmen: angepasste Raumbelegung, hitzetaugliche Angebote im Schulbuffet, morgendliche Querlüftung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ventilatoren. Solche Schritte können rasch helfen, wenn sie gut abgestimmt sind. Sie sollten aber nicht als Ausrede dienen, notwendige Investitionen aufzuschieben.
Gerade Raumbelegung ist ein unterschätzter Hebel. Wenn bestimmte Klassenräume morgens kühler sind, andere nachmittags stark aufheizen oder Räume im Erdgeschoß länger nutzbar bleiben, kann ein Stundenplan darauf reagieren. Auch Prüfungen, Bewegungseinheiten oder konzentrierte Arbeitsphasen lassen sich an heißen Tagen anders legen. Dafür braucht es Daten und die Bereitschaft, Schulorganisation flexibler zu denken.
Beim Schulbuffet geht es ebenfalls um Alltagstauglichkeit. An sehr heißen Tagen sind schwere Speisen, wenig Trinkmöglichkeiten oder lange Warteschlangen zusätzliche Belastungen. Gute Hitzestrategien berücksichtigen deshalb auch Pausen, Ernährung, Trinkwasser und Aufenthaltsbereiche. Klimafitte Schule ist mehr als Technikraum und Thermometer.
Begleitende Messungen wurden laut Aussendung unter anderem am Camillo Sitte Bautechnikum in Wien und am Don Bosco-Gymnasium Unterwaltersdorf durchgeführt. Temperatur- und Luftfeuchtedaten aus fünf Klassenzimmern sollen zeigen, wie stark Räume tatsächlich belastet sind. Solche Daten sind entscheidend, weil gefühlte Hitze zwar ernst genommen werden muss, Investitionsentscheidungen aber nachvollziehbare Grundlagen brauchen.
Wenn Schulen messen, können sie Prioritäten setzen: Welche Räume brauchen zuerst Beschattung? Wo hilft Lüftung, wo nicht? Welche Maßnahmen wirken nachweisbar? Welche Klassen sind besonders betroffen? Ohne Daten werden Entscheidungen leicht pauschal. Mit Daten können Schulerhalter, Direktionen und Gemeinden gezielter handeln.
Was untersucht das Projekt?
Climate Ready Schools untersucht, wie Hitze den Schulalltag belastet und welche baulichen, organisatorischen und alltäglichen Maßnahmen Schulen widerstandsfähiger machen können.
Warum sind Juni und September so wichtig?
Weil Hitze zunehmend auch während des regulären Unterrichts auftritt. In diesen Monaten finden Lernphasen, Prüfungen und normaler Schulbetrieb statt, während viele Gebäude noch nicht ausreichend angepasst sind.
Welche Maßnahmen sind besonders naheliegend?
Kurzfristig helfen etwa morgendliches Lüften, Trinkwasser, flexible Raumbelegung und Ventilatoren. Langfristig braucht es wirksame Außenbeschattung, kluge Lüftung, Gebäudesanierung, Entsiegelung und klare Zuständigkeiten.