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Bodner Gruppe zeichnet sechs Lehrlinge aus - Tirol zeigt Weg

2. April 2026 um 08:12
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In Zeiten des akuten Fachkräftemangels setzt die Bodner Gruppe aus Kufstein ein starkes Zeichen: Am 1. April 2024 wurden sechs Auszubildende für ihre außergewöhnlichen Leistungen ausgezeichnet. Die

In Zeiten des akuten Fachkräftemangels setzt die Bodner Gruppe aus Kufstein ein starkes Zeichen: Am 1. April 2024 wurden sechs Auszubildende für ihre außergewöhnlichen Leistungen ausgezeichnet. Die Auszeichnung "Lehrling des Jahres 2025" würdigt nicht nur individuelle Erfolge, sondern unterstreicht die Bedeutung der Lehrlingsausbildung als Fundament für Österreichs Wirtschaftszukunft. Mit über 100 Lehrlingen zählt das Tiroler Familienunternehmen zu den größten Ausbildungsbetrieben des Landes und zeigt, wie Nachwuchsförderung in der Baubranche gelingen kann.

Goldenes Leistungsabzeichen als Maßstab für Exzellenz

Die sechs ausgezeichneten Talente repräsentieren die Vielfalt moderner Bauberufe: Lukas Nothegger als Hochbauer, Andreas Kugler im Tiefbau, Mehmet Deveci als Bauwerksabdichtungstechniker, Christoph Schumann als Zimmerer, Philip Foidl als Metalltechniker und Florian Weingast als Hochbauspezialist. Besonders bemerkenswert: Zwei der Lehrlinge erhielten das Goldene Leistungsabzeichen, die höchste Auszeichnung in der österreichischen Berufsausbildung.

Das Goldene Leistungsabzeichen wird nur an Lehrlinge vergeben, die ihre Lehrabschlussprüfung mit "ausgezeichnetem Erfolg" bestehen und zusätzlich besondere Leistungen in der Berufsschule vorweisen können. Diese Auszeichnung ist mehr als nur eine Urkunde – sie öffnet Türen zu weiterführenden Bildungswegen und signalisiert zukünftigen Arbeitgebern höchste Kompetenz. In Tirol erhielten im vergangenen Jahr lediglich 3,2 Prozent aller Lehrlinge diese prestigeträchtige Auszeichnung.

Baubranche kämpft gegen dramatischen Fachkräftemangel

Die Auszeichnung der Bodner-Lehrlinge fällt in eine Zeit, in der die österreichische Baubranche mit einem beispiellosen Fachkräftemangel kämpft. Nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich fehlen derzeit rund 40.000 qualifizierte Arbeitskräfte im Bausektor – Tendenz steigend. Allein in Tirol sind über 2.800 offene Stellen unbesetzt, was einem Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Der Bauwerksabdichtungstechniker, ein Beruf den Mehmet Deveci erlernt, gilt dabei als besonders gefragter Zukunftsberuf. Diese Spezialisierung kombiniert traditionelles Handwerk mit modernster Technologie und ist entscheidend für nachhaltiges Bauen. Bauwerksabdichtungstechniker sind Experten für den Schutz von Gebäuden vor Feuchtigkeit, Wasser und anderen Umwelteinflüssen. Sie arbeiten mit innovativen Materialien wie Polymer-Bitumen-Bahnen, Flüssigkunststoffen und dampfdiffusionsoffenen Abdichtungssystemen. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer beträgt dreieinhalb Jahre, und Absolventen können mit einem Einstiegsgehalt von 2.400 bis 2.800 Euro brutto rechnen.

Innovative Ausbildungskonzepte als Erfolgsrezept

Die Bodner Gruppe, eine der größten familiengeführten Baugruppen Österreichs, setzt auf ein umfassendes Ausbildungskonzept, das weit über die reine Wissensvermittlung hinausgeht. Das Unternehmen bietet 17 verschiedene Ausbildungsberufe an – von klassischen Handwerksberufen bis hin zu hochtechnologischen Spezialisierungen. Diese Vielfalt spiegelt die Transformation der Baubranche wider, die sich von einem arbeitsintensiven zu einem wissensintensiven Sektor entwickelt hat.

Lehrlingscoachings, Team-Building-Events und regelmäßige Ausflüge sind fester Bestandteil des Programms. Diese zusätzlichen Angebote zielen darauf ab, nicht nur fachliche Kompetenz zu vermitteln, sondern auch Soft Skills zu entwickeln. Kommunikationsfähigkeit, Teamwork und Problemlösungskompetenz werden in der modernen Baubranche immer wichtiger, da Projekte zunehmend interdisziplinär und technologisch anspruchsvoller werden.

Österreich-Deutschland-Schweiz: Vergleich der Ausbildungssysteme

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Österreichs duales Ausbildungssystem besonders erfolgreich ist. Während in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit bei 7,1 Prozent liegt, beträgt sie in Österreich nur 6,3 Prozent. In der Schweiz sind es sogar nur 2,8 Prozent. Dieser Erfolg basiert auf der engen Verzahnung von Theorie und Praxis, wie sie auch bei der Bodner Gruppe praktiziert wird.

Die Besichtigungstour, die die Lehrlinge durch verschiedene Standorte der Unternehmensgruppe führte, verdeutlicht diesen praxisorientierten Ansatz. Von der Eisenbiegerei PUSCHNER in Wörgl über den Holzbau HÖCK in Kundl bis hin zu KURZ Fertigteilbau in Langkampfen erleben die Auszubildenden die gesamte Wertschöpfungskette des modernen Bauwesens. Diese ganzheitliche Betrachtung fehlt in vielen anderen europäischen Ländern, wo Ausbildung häufig zu spezialisiert oder zu theoretisch ausgerichtet ist.

Konkrete Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft

Die Investition in Lehrlingsausbildung zahlt sich volkswirtschaftlich aus. Studien des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) zeigen, dass jeder in die Lehrlingsausbildung investierte Euro einen gesellschaftlichen Nutzen von 3,40 Euro generiert. Für Familien bedeutet dies konkret: Ein ausgelernter Facharbeiter in der Baubranche verdient im Schnitt 15-20 Prozent mehr als ein ungelernter Arbeiter und hat deutlich bessere Karrierechancen.

Die sechs ausgezeichneten Lehrlinge der Bodner Gruppe stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Ihre Karrierewege werden sie wahrscheinlich zu Bauleitern, Polieren oder sogar in die Selbstständigkeit führen. Statistisch betrachtet gründet jeder fünfte Absolvent einer Baulehre innerhalb von zehn Jahren nach Ausbildungsende sein eigenes Unternehmen. Dies stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern schafft auch neue Arbeitsplätze.

Digitalisierung verändert Ausbildungsanforderungen

Der Beruf des Metalltechnikers, den Philip Foidl erlernt, exemplifiziert die Digitalisierung der Baubranche. Moderne Metalltechniker arbeiten mit computergesteuerten CNC-Maschinen, 3D-CAD-Software und Building Information Modeling (BIM). Diese Technologien revolutionieren das Bauwesen und erfordern neue Kompetenzen. BIM beispielsweise ermöglicht es, Gebäude bereits vor der Errichtung virtuell zu planen und dabei alle beteiligten Gewerke zu koordinieren. Metalltechniker müssen heute nicht nur schweißen und schneiden können, sondern auch digitale Konstruktionspläne lesen und umsetzen.

Die Ausbildung zum Hochbauspezialisten, die Florian Weingast absolviert, ist ein relativ neuer Lehrberuf, der 2015 eingeführt wurde. Er kombiniert traditionelle Maurerfertigkeiten mit Kenntnissen in Wärmedämmung, Energieeffizienz und nachhaltigen Baumaterialien. Hochbaupezialistinnen und -spezialisten sind Experten für moderne Bauverfahren wie Passivhausbau, Sanierung und energetische Gebäudeoptimierung. Sie verstehen die komplexen Zusammenhänge zwischen Bauphysik, Materialkunde und Umwelttechnik.

Regionale Wirtschaftsförderung durch Ausbildung

Die Standorte der Besichtigungstour – Kufstein, Wörgl, Kundl und Langkampfen – zeigen die regionale Verwurzelung der Bodner Gruppe und deren Bedeutung für Tirol. Das Unternehmen fungiert als Wirtschaftsmotor für die Region und trägt zur Wertschöpfung bei. Mit über 100 Lehrlingen bildet die Gruppe mehr junge Menschen aus als viele Berufsschulen Absolventen haben.

Diese dezentrale Ausbildungsstruktur ist besonders wichtig für ländliche Regionen. Während in Wien oder Graz große Konzerne um Talente konkurrieren, bieten familiengeführte Unternehmen wie Bodner jungen Menschen in strukturschwächeren Gebieten attraktive Perspektiven. Dies verhindert Landflucht und stärkt die regionale Identität.

Zukunftsperspektiven: Vom Lehrling zur Führungskraft

Mag. Ing. Thomas Bodner, geschäftsführender Gesellschafter, betont explizit, dass die heutigen Lehrlinge die Führungskräfte von morgen sind. Diese Philosophie spiegelt sich in der Unternehmenskultur wider und bietet jungen Menschen klare Karriereperspektiven. In der österreichischen Baubranche haben etwa 60 Prozent aller Führungskräfte ihre Laufbahn mit einer Lehre begonnen – ein Beleg für die Durchlässigkeit des Systems.

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein für die Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität. Themen wie nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft und Smart Building werden zunehmend wichtiger. Die Bodner Gruppe und andere Ausbildungsbetriebe müssen ihre Curricula kontinuierlich anpassen, um den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden.

Klimawandel und Energiewende schaffen neue Berufsfelder. Fachkräfte für Photovoltaik-Installationen, Wärmepumpentechnik und energetische Sanierung sind bereits heute Mangelware. Die sechs ausgezeichneten Lehrlinge werden in ihren Karrieren wahrscheinlich mit Technologien arbeiten, die heute noch nicht existieren. Ihre fundierte handwerkliche Ausbildung bildet jedoch das stabile Fundament für lebenslanges Lernen und Anpassungsfähigkeit.

Gesellschaftliche Wertschätzung des Handwerks

Die feierliche Auszeichnung in der Kufsteiner Unternehmenszentrale ist mehr als nur eine interne Veranstaltung – sie ist ein Signal an die Gesellschaft. Handwerkliche Ausbildung genießt in Österreich traditionell hohes Ansehen, doch der Trend zur Akademisierung hat in den letzten Jahren zu einem Image-Problem geführt. Initiativen wie die "Lehrling des Jahres"-Auszeichnung wirken diesem Trend entgegen und zeigen, dass Fachkompetenzen mindestens ebenso wertvoll sind wie universitäre Abschlüsse.

Die Bodner Gruppe investiert bewusst in die öffentliche Wahrnehmung der Lehrlingsausbildung. Durch Pressearbeit, Social Media und Veranstaltungen wird die Leistung der jungen Fachkräfte gewürdigt und gleichzeitig für die Attraktivität einer handwerklichen Laufbahn geworben. Diese Kommunikationsstrategie ist entscheidend, um das Interesse junger Menschen für Bauberufe zu wecken.

Die sechs ausgezeichneten Lehrlinge der Bodner Gruppe sind Botschafter für eine Branche, die Österreichs Zukunft buchstäblich baut. Ihre Erfolgsgeschichten zeigen, dass eine Lehre der Beginn einer vielversprechenden Karriere sein kann – mit Sicherheit, Perspektiven und der Möglichkeit, das Land aktiv mitzugestalten. In einer Zeit des Wandels braucht Österreich genau solche Talente, die Tradition und Innovation verbinden können.

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