In der HIPP Halle Gmunden wird die Rauminstallation „Natur/Kunst/Prozesse“ gezeigt. Johannes Angerbauer-Goldhoff verwandelt den historischen Raum mit einer 500 Quadratmeter großen Bodengold-Fläche in eine begehbare Kunstsituation.
Die HIPP Halle Gmunden wird im Juni 2026 zum begehbaren Kunstkörper. Unter dem Titel „Natur/Kunst/Prozesse“ zeigt Johannes Angerbauer-Goldhoff eine rund 500 Quadratmeter große Bodengold-Installation, die den historischen Raum nicht nur bespielt, sondern sichtbar verändert. Die Eröffnung ist für Montag, 8. Juni 2026, um 19 Uhr angekündigt; die Ausstellung läuft von 9. bis 28. Juni.
Das Besondere an der Installation ist ihr Maßstab. Besucherinnen und Besucher betrachten nicht nur einzelne Werke an Wänden, sondern bewegen sich über eine gläserne Bodenfläche. Darunter liegen nach Projektangaben rund 640 gläserne Seiten mit etwa 240.000 Namen von Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern, Firmen, Vereinen und Institutionen aus den Jahren 1996/1997. Der Boden wird dadurch zur begehbaren Erinnerungsschicht.
Angerbauer-Goldhoff beschreibt das Bodengold nicht als reinen Schmuckeffekt. Die Namen unter Glas machen den Boden zu einem Archiv, das zugleich anonym und persönlich wirkt. Wer darüber geht, bewegt sich buchstäblich über Spuren früherer Lebens- und Arbeitszusammenhänge. Die Installation stellt damit eine einfache, aber starke Frage: Was trägt einen Raum, eine Gesellschaft oder eine Region, wenn man nicht nur auf sichtbare Architektur, sondern auf Menschen und ihre Verbindungen schaut?
Die HIPP Halle verstärkt diesen Effekt. Der historische Raum bringt industrielle und architektonische Präsenz mit. Eine spiegelnde Bodenfläche kann Licht, Wände, Decken und Kunstwerke zurückwerfen und dadurch die Wahrnehmung des gesamten Raumes verändern. Kunst und Architektur stehen nicht nebeneinander, sondern greifen ineinander. Genau deshalb passt die Formel „Raum und Kunst sind gleichwertig“ gut zu diesem Projekt.
Die Bodengold-Fläche bildet den Rahmen für weitere künstlerische Positionen. Genannt werden Linda Steinthorsdottir, Johann Wimmer, Andreas Schoenangerer, Linda Luse, Irma Kapeller, Alois Lindenbauer und Karen Schlimp, die auch mit einer Musikperformance zur Eröffnung angekündigt ist. Die Werke treten nicht in einem neutralen Ausstellungsraum auf, sondern in Dialog mit dem reflektierenden Boden.
Dadurch verändert sich auch die Rolle der einzelnen Arbeiten. Sie werden nicht nur für sich gesehen, sondern spiegeln sich im Boden, reagieren auf Licht und Raum und erscheinen in einer gemeinsamen Situation. Für Besucherinnen und Besucher kann das besonders zugänglich sein: Man muss keine kunsthistorische Spezialdebatte kennen, um zu merken, dass der Raum anders funktioniert als in einer klassischen Hängung.
Das Projekt steht im Zusammenhang mit Angerbauer-Goldhoffs HUMANgold-Arbeit. Auf der Projektwebsite wird der Goldbegriff nicht als reiner Materialwert verstanden, sondern als künstlerisches und soziales Zeichen. Gold wird dabei nicht nur als glänzende Oberfläche gelesen, sondern als Begriff, der über Wert, Menschlichkeit, Erinnerung und Sichtbarkeit nachdenken lässt.
Für die HIPP Halle bedeutet das: Das Gold ist nicht nur dekorativ. Es verweist auf Menschen, Namen, Zeit und regionale Geschichte. Gerade die Verbindung aus gläsernem Boden und Namensarchiv macht die Installation weniger luxuriös als erinnernd. Sie fragt, was sichtbar bleibt und was unter der Oberfläche liegt. Dieser Ansatz verhindert, dass die große Fläche bloß als Spektakel gelesen wird.
Die HIPP Halle in Gmunden ist als historischer Raum selbst ein Teil der Inszenierung. Ein neutraler White Cube würde die Bodengold-Fläche anders wirken lassen. In einer Halle mit eigener Geschichte entstehen zusätzliche Schichten: industrielle Nutzung, regionale Erinnerung, Kunstproduktion und Gegenwart treffen aufeinander. Die Installation nutzt diese Voraussetzung, statt sie zu verstecken.
Für Gmunden ist das auch kulturpolitisch interessant. Große Rauminstallationen ziehen Aufmerksamkeit auf Orte, die sonst vielleicht nicht im klassischen Kunstbetrieb verankert sind. Sie können lokale Besucherinnen und Besucher ansprechen, aber auch Menschen, die wegen des Formats oder der beteiligten Künstlerinnen und Künstler kommen. Die HIPP Halle wird dadurch nicht nur Ausstellungsort, sondern Teil der Erzählung.
Die Ausstellung ist von 9. bis 28. Juni 2026 angekündigt, jeweils Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Die Eröffnung am 8. Juni beginnt um 19 Uhr. Begrüßt wird laut Projektinformation durch Bürgermeister Stefan Krapf, zur Kunst spricht Marlene Elvira Steinz. Wer die Installation besucht, sollte Zeit mitbringen: Eine begehbare Bodenarbeit erschließt sich nicht nur im schnellen Vorbeigehen, sondern durch Bewegung, Abstand und Perspektivwechsel.
Da die Installation betreten wird, ist auch die körperliche Erfahrung wichtig. Man sieht nicht nur auf Kunst, sondern nimmt die eigene Position im Raum wahr. Jede Bewegung verändert Spiegelung, Blickachse und Verhältnis zu den anderen Werken. Diese Art von Ausstellung lebt davon, dass Besucherinnen und Besucher selbst Teil des Prozesses werden.
Die Verwendung von Namen ist ein starkes künstlerisches Mittel, weil sie zwischen persönlicher Identität und statistischer Masse steht. Ein einzelner Name kann Nähe herstellen; 240.000 Namen wirken zunächst überwältigend. In der Bodengold-Installation entsteht genau aus diesem Spannungsfeld Bedeutung. Die Namen sind nicht bloß Text, sondern Material, Erinnerung und Oberfläche zugleich. Sie machen sichtbar, dass ein Raum nicht nur aus Wänden, Boden und Licht besteht, sondern aus sozialen Beziehungen und Geschichten.
Das ist besonders spannend, weil die Namen aus den Jahren 1996/1997 stammen. Dadurch wird die Installation auch zu einem Zeitfenster. Firmen, Vereine und Institutionen verändern sich, Menschen ziehen um, Lebenswege verlaufen weiter. Unter Glas bleiben diese Spuren jedoch als Momentaufnahme erhalten. Wer darüber geht, begegnet nicht einer aktuellen Datenbank, sondern einer historischen Schicht. Das macht die Arbeit langsamer und nachdenklicher, als die glänzende Oberfläche zunächst vermuten lässt.
Der Titel „Natur/Kunst/Prozesse“ legt nahe, dass die Ausstellung nicht nur fertige Objekte präsentiert. Prozesse entstehen durch Bewegung, Spiegelung, Begegnung und Erinnerung. Besucherinnen und Besucher sehen je nach Standort andere Details; Licht und Körper verändern die Wahrnehmung. Die Arbeit ist dadurch weniger eindeutig als ein einzelnes Bild. Sie verlangt ein Gehen, Suchen, Stehenbleiben und Wiederkommen. Gerade darin liegt ihre Stärke als Rauminstallation.
Bodengold bezeichnet bei Johannes Angerbauer-Goldhoff eine künstlerische Bodeninstallation, in der Gold, Glas, Namen, Erinnerung und Raum zusammengeführt werden. Der Boden ist nicht nur Trägerfläche, sondern Bedeutungsebene. In Gmunden wird daraus ein begehbares Archiv, das Menschen, Architektur und Kunst miteinander verbindet.
Sie läuft von 9. bis 28. Juni 2026, Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
Die Installation wird in der HIPP Halle in Gmunden gezeigt.
Eine rund 500 Quadratmeter große, begehbare gläserne Bodengold-Installation mit etwa 240.000 Namen unter rund 640 Glasplatten beziehungsweise Seiten.
Weil Besucherinnen und Besucher über die Installation gehen und dadurch selbst Teil der räumlichen und erinnernden Situation werden.