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AMA-Marketing führt Rekord-Kontrollen durch: 36.000 Prüfungen stärken Österreichs Landwirtschaft

12. März 2026 um 20:18
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Eine beeindruckende Zahl von über 36.000 Qualitätskontrollen hat die AMA-Marketing im Jahr 2024 durchgeführt - ein deutlicher Anstieg gegenüber den 29.009 Kontrollen des Vorjahres. Diese Entwicklun...

Eine beeindruckende Zahl von über 36.000 Qualitätskontrollen hat die AMA-Marketing im Jahr 2024 durchgeführt - ein deutlicher Anstieg gegenüber den 29.009 Kontrollen des Vorjahres. Diese Entwicklung spiegelt nicht nur die Verschärfung der Qualitätsstandards in der österreichischen Landwirtschaft wider, sondern zeigt auch die erfolgreiche Einführung des neuen AMA-Gütesiegels "Tierhaltung plus" im Milchbereich. Während der Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats den Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing für 2024 diskutierte, standen gleichzeitig wichtige Weichenstellungen für die europäische Agrarpolitik nach 2027 im Fokus.

Digitalisierung revolutioniert Österreichs Landwirtschaftskontrollen

Die österreichische Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (AMA-Marketing) befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Als hundertprozentige Tochtergesellschaft der AMA (Agrarmarkt Austria) übernimmt sie zentrale Aufgaben in der Qualitätssicherung, Informationsvermittlung und Marktbearbeitung. Die Organisation fungiert als Bindeglied zwischen den landwirtschaftlichen Produzenten und den Konsumenten und trägt maßgeblich zur Glaubwürdigkeit österreichischer Agrarprodukte bei.

"Weg vom Papier, hin zum Tier" - unter diesem Motto plant AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek eine weitreichende Digitalisierung des Kontrollsystems. Diese strategische Neuausrichtung verspricht nicht nur effizientere Prüfabläufe, sondern auch eine noch direktere Überwachung der Tierhaltungsbedingungen in österreichischen Betrieben. Die Digitalisierung soll dabei helfen, Papierberge zu reduzieren und den Fokus verstärkt auf die tatsächlichen Bedingungen in den landwirtschaftlichen Betrieben zu legen.

Das AMA-Gütesiegel: Vertrauen durch Transparenz

Die Bedeutung des AMA-Gütesiegels für den österreichischen Markt kann kaum überschätzt werden. Neun von zehn Österreicherinnen und Österreichern kennen das Siegel, und es belegt Platz eins bei der Glaubwürdigkeit aller verfügbaren Qualitätssiegel. Diese Reputation wurde jedoch nicht über Nacht aufgebaut, sondern ist das Ergebnis jahrelanger konsequenter Arbeit und der Bewältigung verschiedener Krisen.

Besonders die Schweinehaltung hatte in der Vergangenheit für Image-Probleme gesorgt. Durch aufgedeckte Missstände war die Glaubwürdigkeit des AMA-Gütesiegels zeitweise erheblich beeinträchtigt worden. Mit einer umfassenden Kontroll- und Transparenzoffensive gelang es jedoch, das Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen und sogar zu stärken.

Finanzielle Stabilität trotz leichter Rückgänge

Die wirtschaftliche Situation der AMA-Marketing präsentiert sich stabil, auch wenn die Einnahmen aus Agrarmarketingbeiträgen 2024 auf 27,2 Millionen Euro zurückgingen (2023: 27,5 Millionen Euro). Zusätzliche Einnahmen von rund 4,4 Millionen Euro stammen aus Lizenzgebühren und Kostenersätzen, was gegenüber dem Vorjahr ebenfalls einen leichten Rückgang bedeutet (2023: 4,6 Millionen Euro). Diese Zahlen spiegeln die allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen wider, mit denen die Landwirtschaft konfrontiert ist.

Die Agrarmarketingbeiträge stellen das Rückgrat der Finanzierung dar und ermöglichen es der AMA-Marketing, ihre umfangreichen Kontroll- und Zertifizierungstätigkeiten aufrechtzuerhalten. Diese Beiträge werden von den landwirtschaftlichen Betrieben entrichtet und dienen der Finanzierung der Qualitätssicherung und Marktförderung österreichischer Agrarprodukte.

Kontrollergebnisse bestätigen hohe Qualitätsstandards

Die Ergebnisse der 36.013 durchgeführten Kontrollen sprechen eine deutliche Sprache: Bei über 20.000 Prüfungen gab es keinerlei Beanstandungen. Diese beeindruckende Quote von etwa 55 Prozent beanstandungsfreien Kontrollen bestätigt die hohe Qualität der Arbeit österreichischer Landwirtschaftsbetriebe und rechtfertigt das Vertrauen der Konsumenten in heimische Produkte.

Zusätzlich zu den regulären Kontrollen fanden 766 unangekündigte Spotaudits statt, die sich speziell auf die ordnungsgemäße Tierhaltung konzentrierten. Diese überraschenden Kontrollen sind bei den Konsumenten besonders beliebt, da sie ein authentisches Bild der tatsächlichen Bedingungen in den Betrieben vermitteln. Von diesen 766 Spotaudits führten 249 zu Sanktionierungen, wobei elf schwere Vorfälle dokumentiert wurden.

Neues AMA-Gütesiegel "Tierhaltung plus" sorgt für Aufschwung

Die Einführung des AMA-Gütesiegels "Tierhaltung plus" im Milchbereich stellt einen Meilenstein in der österreichischen Qualitätssicherung dar. Dieses erweiterte Siegel setzt noch höhere Standards in der Tierhaltung und bietet Konsumenten zusätzliche Sicherheit bezüglich der Herkunft und Produktionsbedingungen von Milchprodukten. Der signifikante Anstieg der Kontrollzahlen ist zu einem großen Teil auf die Einführung dieses neuen Siegels zurückzuführen.

Die erhöhten Anforderungen des "Tierhaltung plus" Siegels bedeuten für die Landwirte zunächst zusätzlichen Aufwand und Investitionen. Langfristig profitieren sie jedoch von einer Wertsteigerung ihrer Produkte und besseren Exportchancen, insbesondere auf dem deutschen Markt. Dies zeigt, wie Qualitätssteigerungen zu einer Win-Win-Situation für Produzenten und Konsumenten führen können.

Sanktionssystem gewährleistet Einhaltung der Standards

Bei Verstößen gegen die AMA-Qualitätsstandards kommt ein vierstufiger Sanktionsplan zum Einsatz. Dieser reicht von einfachen Hinweisen und Nachforderungen über Strafen unterschiedlicher Höhen bis hin zu kompletten Betriebssperren. Diese abgestufte Herangehensweise ermöglicht es, angemessen auf verschiedene Arten von Verstößen zu reagieren und gleichzeitig Betrieben die Möglichkeit zur Nachbesserung zu geben.

Die AMA-Tiertransport-Richtlinie stellt zusätzliche spezielle Anforderungen, die Stroheinstreu vorschreibt und Langstreckentransporte verbietet. Die meisten entsprechenden Kontrollen finden direkt bei den Schlachthöfen statt, da dort die Prüfungen am effizientesten durchgeführt werden können.

Europäische Agrarpolitik vor grundlegenden Veränderungen

Parallel zu den nationalen Entwicklungen stehen auf europäischer Ebene weitreichende Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bevor. Die EU-Kommission plant eine fundamentale Neuausrichtung der GAP nach 2027, die das bisherige Zwei-Säulen-Modell durch ein integriertes System ersetzen soll. Statt der gewohnten Struktur soll die künftige GAP Teil eines größeren, kohärenten EU-Finanzierungsrahmens mit einem gemeinsamen Topf und einem Plan pro Mitgliedstaat werden.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig kämpft für den Erhalt der zweiten GAP-Säule, da deren Wegfall fundamentale Änderungen in der Kohäsionspolitik nach sich ziehen würde. Die geplanten Verhandlungen über das neue EU-Budget werden voraussichtlich schwierig und könnten sich bis 2027 hinziehen, obwohl eine Einigung bereits für November 2026 angestrebt wird.

Herausforderungen durch geopolitische Entwicklungen

Die aktuellen geopolitischen Spannungen, insbesondere der Krieg im Nahen Osten, haben zu erheblichen Steigerungen der Treibstoff- und Düngemittelpreise geführt. Diese Kostensteigerungen stellen österreichische Landwirte vor große Herausforderungen. Minister Totschnig hat beim letzten Rat der Landwirtschaftsminister eine Initiative für Entlastungen gestartet, die unter anderem das Aussetzen von Zöllen auf Düngemittel beinhalten soll.

Die Diskussion über eine mögliche EU-Mitgliedschaft der Ukraine wird in der österreichischen Politik kontrovers diskutiert. Totschnig betont, dass es für die Ukraine keine "Überholspur" bei den Beitrittsverhandlungen geben dürfe. Für Österreich haben die Beitritte der Westbalkanländer Priorität. Ein einfacher Beitritt der Ukraine zum GAP-System wäre aufgrund der großen Agrarflächen und kompetitiven Unternehmen ohnehin nicht möglich.

Generationswechsel als zentrale Herausforderung

Der Generationswechsel in der Landwirtschaft stellt EU-weit eine der größten Herausforderungen dar. Aktuell liegt der Anteil der Junglandwirte bei nur 12 Prozent, soll aber bis 2024 auf 24 Prozent verdoppelt werden. Österreich setzt dabei auf einen Mix aus finanziellen Anreizen und verbesserten Ausbildungsmöglichkeiten, um junge Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern.

Die Unterstützung von Junglandwirten ist zu einem Schwerpunkt der EU-Kommission geworden, da ohne einen erfolgreichen Generationswechsel die Zukunft der europäischen Landwirtschaft gefährdet wäre. Innovative Ansätze in der Ausbildung und attraktive Rahmenbedingungen sollen dabei helfen, den Beruf des Landwirts wieder attraktiver zu machen.

Gleichberechtigung und moderne Führungsstrukturen

Auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit spielt in der modernen Landwirtschaftspolitik eine wichtige Rolle. Der derzeitige Frauenanteil in Führungspositionen der AMA-Marketing liegt bei 33 Prozent. Durch gezielte Frauenförderprogramme soll dieser Anteil weiter gesteigert und junge Kolleginnen für Führungspositionen motiviert werden.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Fokus

Die geplanten Omnibus-Pakete der EU sollen Rechtsvereinfachungen in den Bereichen Chemie, Umwelt und Lebensmittelsicherheit bringen. Österreich unterstützt grundsätzlich Vereinfachungen und Bürokratieabbau zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Europas. Gleichzeitig wird aber betont, dass dies nicht zur Senkung von Umwelt- und Sicherheitsstandards führen darf.

Das EU-Renaturierungsgesetz und die Klimaschutzziele für 2040 stehen weiterhin auf der politischen Agenda. Österreich bekennt sich zum Ziel der Klimaneutralität 2050, wobei gleichzeitig die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit zentral bleiben soll. Am nationalen Plan zur "Wiederherstellung der Natur" wird intensiv gearbeitet, mit dem Anspruch, diesen fristgerecht fertigzustellen.

Atomenergie bleibt umstrittenes Thema

Die Ankündigung der EU-Kommissionspräsidentin, von der Abkehr von der Atomenergie abzusehen, stößt in Österreich auf scharfe Kritik. Trotz einer erfolgreichen österreichischen Klage gegen das Atomkraftwerk Paks II hat Ungarn mit dem Bau begonnen. Österreich wird seinen Weg auf erneuerbare Energien fortsetzen und gleichzeitig alle verfügbaren Rechtsmittel zur Bekämpfung der Nuklearenergie nutzen.

Ausblick: Qualität als Schlüssel zum Erfolg

Die Entwicklungen im österreichischen Landwirtschaftssektor zeigen deutlich, dass der Weg über höherwertige Produktion zur Steigerung der Wertschöpfung führt. Das Verbot der dauernden Anbindehaltung bei Kühen und die Einführung des AMA-Gütesiegels Getreide sind weitere Beispiele für diese Strategie. Die Konsumenten honorieren diese Qualitätsbemühungen durch ihr Vertrauen und ihre Kaufentscheidungen.

Für die österreichischen Landwirte bedeutet dies einerseits höhere Anforderungen und zunächst auch höhere Kosten. Andererseits eröffnen sich dadurch neue Marktchancen, insbesondere im Export. Die Digitalisierung der Kontrollsysteme wird dabei helfen, die administrativen Belastungen zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz der Qualitätssicherung zu steigern.

Die anstehenden Reformen der europäischen Agrarpolitik werden entscheidend für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft sein. Der Erhalt ausreichender Budgetmittel und die Berücksichtigung nationaler Besonderheiten werden dabei zentrale Verhandlungspunkte sein. Österreichs Strategie, auf Qualität statt Quantität zu setzen, könnte sich in diesem Zusammenhang als besonders zukunftsfähig erweisen.

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