Die 185. Vollversammlung brachte Wiederkehr, Schumann und Stimmen aus Elementarpädagogik, Freizeitpädagogik, Lehre und Erwachsenenbildung zusammen.
Die AK Wien stellte Bildung in den Mittelpunkt ihrer 185. Vollversammlung. Vor 180 Kammerrät:innen ging es um Chancen, Arbeitsmarkt, Gruppengrößen, Lehrlingsausbildung und Level Up.
Die Arbeiterkammer Wien hat bei ihrer 185. Vollversammlung das Thema Bildung in den Mittelpunkt gestellt. Nach Angaben der AK sprachen Bildungsminister Christoph Wiederkehr und Sozialministerin Korinna Schumann vor den 180 gewählten Vertreter:innen der Wiener Arbeitnehmer:innen. Ergänzt wurden die Statements durch vier kurze Einblicke von Kammerrät:innen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen.
Der Schwerpunkt war breit angelegt: Elementarpädagogik, Freizeitpädagogik, Lehrlingsausbildung und Erwachsenenbildung wurden jeweils aus Sicht von Personen beschrieben, die in diesen Feldern tätig sind. Die AK fasst die Beiträge so zusammen, dass es in allen Statements sowohl um Arbeitsbedingungen der Beschäftigten als auch um Lernbedingungen der Betroffenen ging. Genau dadurch wird aus einer Bildungsdebatte auch eine arbeits- und sozialpolitische Frage.
Die Vollversammlung der AK Wien wird von der AK als Wiener Arbeitnehmer:innenparlament beschrieben. Sie besteht aus 180 Kammerrät:innen. Diese gewählten Vertreter:innen beraten über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage und stimmen über Anträge und Resolutionen ab. Laut AK tagt die Vollversammlung zweimal im Jahr.
Bei der 185. Vollversammlung standen nicht nur Minister:innenstatements auf der Tagesordnung. Vier Mitglieder der Vollversammlung gaben kurze Blitzlichter auf aktuelle Herausforderungen in ihren Berufsfeldern. Karin Samer sprach als Elementarpädagogin, Selma Schacht als Freizeitpädagogin, Farzin Weysi als Jugendsekretär der Gewerkschaft GPA und Senad Lacevic aus dem Bereich Erwachsenenbildung.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr stellte Bildung in seinem Statement in direkten Zusammenhang mit fairen Chancen, sozialem Aufstieg und einem starken Arbeitsmarkt. Er sagte laut AK, Österreich brauche ein Bildungssystem, das alle Menschen erreiche, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort. In seiner Aufzählung beginnt gute Bildung bei der Elementarpädagogik, setzt sich in modernen Schulen fort und muss Erwachsenenbildung sowie berufliche Qualifizierung mitdenken.
Damit nennt Wiederkehr mehrere Bildungsstufen und Bildungsformen in einem Zusammenhang. Für die AK ist diese Verbindung naheliegend, weil sie Arbeitnehmer:innen vertritt und Bildung häufig über Berufswege, Qualifikation und Aufstiegsmöglichkeiten entscheidet. Wiederkehr bezeichnete die Arbeiterkammer in diesem Zusammenhang als wichtige Partnerin, wenn es um gleiche Chancen und Zukunftsperspektiven für Arbeitnehmer:innen in Österreich geht.
Karin Samer machte sich bei ihrem Blitzlicht für bundesweit gleiche Bedingungen in Kinderbildungseinrichtungen stark. Sie nannte ein einheitliches Bundesrahmengesetz als langjährige Forderung. In ihrer Darstellung geht es um die Anzahl der Kinder pro Gruppe, um gleiche Qualität und um Standards bei Ausbildungen, darunter auch bei Assistent:innen. Zusätzlich sprach sie Berufsschutz an.
Der Beitrag zeigt, dass die Elementarpädagogik in der AK-Debatte nicht nur als frühe Bildung der Kinder vorkommt. Samer verbindet das Thema ausdrücklich mit strukturellen Bedingungen für Einrichtungen und Beschäftigte. Wenn Gruppengrößen, Ausbildungsstandards und Berufsschutz in einem Atemzug genannt werden, geht es um Rahmenbedingungen, unter denen pädagogische Arbeit stattfinden soll.
Selma Schacht beschrieb den Arbeitsalltag von Freizeitpädagog:innen mit dem Satz: „Unser Lehrplan ist das Leben der Kinder.“ Die AK gibt wieder, dass viele Kinder große Rucksäcke an Problemen mitbringen, mit denen Freizeitpädagog:innen täglich umgehen müssen. Aus Schachts Sicht wären Arbeitsbedingungen nötig, unter denen ernsthafte pädagogische Tätigkeit möglich ist.
Besonders konkret wird die AK-Darstellung bei den Gruppengrößen. Genannt werden Gruppen mit bis zu 28 Kindern. Dadurch wird die Belastungsfrage greifbar: In der Freizeitpädagogik geht es nicht nur um Zeit nach dem Unterricht, sondern auch um pädagogische Begleitung unter Bedingungen, die laut Schacht derzeit sehr belastend sein können. Die Pädagogische Hochschule Steiermark beschreibt Freizeitpädagogik im Ausbildungskontext als Tätigkeit in der Freizeitbetreuung an ganztägigen Schulformen.
Farzin Weysi, Jugendsekretär der Gewerkschaft GPA, sprach aktuelle Probleme in der Lehrlingsausbildung an. Laut AK kritisierte er, dass viele Lehrlinge in den Betrieben nicht gut auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet würden. Gleichzeitig würden immer weniger Betriebe Lehrlinge ausbilden, aber den Fachkräftemangel beklagen.
Aus dieser Kritik leitete Weysi die Forderung ab, die Lehrlingsförderung zu überdenken und stärker auf Qualität zu achten. Die Lehrabschlussprüfung ist in dieser Debatte der zentrale Bezugspunkt, weil sie das Ziel markiert, auf das Lehrlinge vorbereitet werden sollen. Die offizielle Unternehmensserviceportal-Information zur Lehrabschlussprüfung verweist unter anderem auf Anmeldung und Zulassung zur Prüfung; in der AK-Debatte steht vor allem die Qualität der Vorbereitung im Mittelpunkt.
Senad Lacevic sprach die Situation der Anbieter von Erwachsenenbildung an. Er forderte laut AK, bei Ausschreibungen von gewinnorientierten Firmen wegzukommen. Seine Kritik lautet, dass solche Firmen kein Interesse an Qualität in der Ausbildung hätten, sondern an Gewinnen. Erwachsenenbildung müsse daher einen höheren Stellenwert bekommen, besonders bei der Finanzierung.
Als Beispiel nannte Lacevic das Programm „Level Up“ zum kostenlosen erwachsenengerechten Nachholen des Pflichtschulabschlusses. Die AK weist darauf hin, dass dieses Programm alle zwei Jahre erneut beschlossen werden müsse und jedes Mal großes Zittern um die Finanzierung entstehe. Die offizielle Level-Up-Information für Lernende beschreibt Kurse im Bereich Basisbildung und Pflichtschulabschluss als kostenfrei für Lernende.
Sozialministerin Korinna Schumann sprach in ihren Grußworten über die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die AK nennt das Sozialministerium zugleich als Aufsichtsbehörde der Arbeiterkammern. Schumann betonte laut AK, dass internationale Veränderungen und Unsicherheiten auch auf den österreichischen Arbeitsmarkt wirken.
Vor diesem Hintergrund hob sie hervor, dass das Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktförderung trotz Konsolidierungsmaßnahmen stabil gehalten worden sei. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauche es eine verlässliche Arbeitsmarktpolitik, die Sicherheit gebe, Perspektiven ermögliche und niemanden zurücklasse. Ihr Beitrag setzt den Bildungsfokus der Vollversammlung damit in den Kontext von Qualifizierung, Unterstützung und Arbeitsmarktpolitik.
Vollversammlung
Die Vollversammlung ist das Gremium, das die AK Wien als Arbeitnehmer:innenparlament beschreibt. In Wien besteht sie laut AK aus 180 Kammerrät:innen. Sie berät politische und wirtschaftliche Fragen und stimmt über Anträge und Resolutionen ab.
Kammerrät:innen
Kammerrät:innen sind die gewählten Vertreter:innen in der Vollversammlung. In der 185. Vollversammlung kamen vier von ihnen mit kurzen Einblicken aus Bildungsberufen oder Bildungsfeldern zu Wort. Diese Blitzlichter machten die Debatte konkreter als ein reiner Minister:innenauftritt.
Elementarpädagogik
In der AK-Debatte steht Elementarpädagogik für Kinderbildungseinrichtungen und deren Rahmenbedingungen. Samer nannte Gruppengrößen, Standards bei Ausbildungen und Berufsschutz. Dadurch wurde der Bereich als Frage von Qualität und Arbeitsbedingungen dargestellt.
Freizeitpädagogik
Freizeitpädagogik wurde durch Schachts Statement vor allem über den Arbeitsalltag und Belastungen sichtbar. Die AK nennt Gruppengrößen mit bis zu 28 Kindern. Der offizielle Ausbildungskontext beschreibt Freizeitpädagogik als Tätigkeit in der Freizeitbetreuung an ganztägigen Schulformen.
Lehrabschlussprüfung
Die Lehrabschlussprüfung war in Weysis Beitrag der Punkt, an dem Ausbildungsqualität konkret wurde. Seine Kritik richtet sich gegen eine aus seiner Sicht unzureichende Vorbereitung vieler Lehrlinge in den Betrieben. Die Prüfung ist damit nicht nur ein formaler Schritt, sondern in der Debatte ein Maßstab für Qualität der Ausbildung.
Level Up
Level Up wurde als Beispiel für kostenloses erwachsenengerechtes Nachholen des Pflichtschulabschlusses genannt. Die offizielle Information für Lernende beschreibt entsprechende Kurse als kostenfrei. In der AK-Debatte ging es zusätzlich um die Frage, wie dauerhaft und planbar die Finanzierung solcher Angebote ist.
Die AK-Darstellung nennt keine detaillierten Beschlüsse zu jedem einzelnen Bildungsfeld. Sie macht aber deutlich, welche Themen in der Vollversammlung zusammengeführt wurden: Bildungschancen, Arbeitsbedingungen, Qualitätsstandards, Finanzierung und Arbeitsmarktpolitik. Gerade diese Verbindung erklärt, warum Bildung in der AK-Wien-Vollversammlung nicht nur als Schulfrage, sondern auch als Arbeitnehmer:innenfrage behandelt wurde.
1. Was stand bei der 185. Vollversammlung der AK Wien im Mittelpunkt?
Im Mittelpunkt stand das Thema Bildung. Die AK Wien nennt Statements von Bildungsminister Christoph Wiederkehr und Sozialministerin Korinna Schumann. Zusätzlich gab es vier kurze Einblicke von Kammerrät:innen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen.
2. Wer sprach bei der Vollversammlung?
Genannt werden Christoph Wiederkehr, Korinna Schumann sowie Karin Samer, Selma Schacht, Farzin Weysi und Senad Lacevic. Samer, Schacht, Weysi und Lacevic brachten Perspektiven aus Elementarpädagogik, Freizeitpädagogik, Lehrlingsausbildung und Erwachsenenbildung ein.
3. Welche Forderung kam aus der Elementarpädagogik?
Karin Samer sprach sich für bundesweit gleiche Bedingungen in Kinderbildungseinrichtungen aus. Sie nannte ein einheitliches Bundesrahmengesetz, Gruppengrößen, Qualität, Ausbildungsstandards und Berufsschutz. Die Forderung betrifft damit sowohl pädagogische Qualität als auch Arbeitsbedingungen.
4. Was wurde zur Lehrlingsausbildung gesagt?
Farzin Weysi kritisierte laut AK, dass viele Lehrlinge in Betrieben nicht gut auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet würden. Außerdem sprach er an, dass weniger Betriebe Lehrlinge ausbildeten, während Fachkräftemangel beklagt werde. Seine Schlussfolgerung: Die Lehrlingsförderung müsse stärker auf Qualität achten.
5. Welche Rolle spielt Level Up?
Level Up wurde von Senad Lacevic als Beispiel für das kostenlose erwachsenengerechte Nachholen des Pflichtschulabschlusses genannt. Nach der AK-Darstellung muss das Programm alle zwei Jahre erneut beschlossen werden. Lacevic verband das mit Unsicherheit über die Finanzierung.
6. Was sagte Schumann zur Arbeitsmarktpolitik?
Korinna Schumann sprach über eine angespannte Lage am Arbeitsmarkt und über internationale Unsicherheiten. Laut AK betonte sie, dass das Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktförderung stabil gehalten worden sei. In ihrer Darstellung brauche es verlässliche Arbeitsmarktpolitik, die Sicherheit und Perspektiven gibt.
Für die Einordnung wurden geprüfte Primärquellen verwendet: der AK-Wien-Beitrag „Bildung im Fokus“ zur 185. Vollversammlung, die AK-Wien-Seite zur Vollversammlung, die offizielle Seite von Bundesministerin Korinna Schumann, die Level-Up-Informationen für Lernende, die USP-Seite zur Lehrabschlussprüfung und die PH-Steiermark-Seite zur Freizeitpädagogik. Medienanfragen zur AK Wien können über wien.arbeiterkammer.at, [email protected] oder +43 1 50165 12565 gestellt werden.