Im September 2026 richtet sich die Aufmerksamkeit der internationalen Berufswelt auf Shanghai, wo die 48. WorldSkills-Weltmeisterschaften stattfinden. Zwei junge Salzburger Fachkräfte haben sich fü...
Im September 2026 richtet sich die Aufmerksamkeit der internationalen Berufswelt auf Shanghai, wo die 48. WorldSkills-Weltmeisterschaften stattfinden. Zwei junge Salzburger Fachkräfte haben sich für dieses prestigeträchtige Event qualifiziert und könnten dabei Geschichte schreiben: Floristin Julia Gschwandtner aus Bergheim und Land- und Baumaschinentechniker Bernhard Moser aus Eben im Pongau stehen vor der größten Herausforderung ihrer beruflichen Laufbahn.
Die WorldSkills gelten als die prestigeträchtigsten Berufsweltmeisterschaften überhaupt. Alle zwei Jahre messen sich die besten jungen Fachkräfte unter 22 Jahren aus aller Welt in über 60 verschiedenen Berufsdisziplinen. Die Veranstaltung, die oft als "Olympische Spiele der Berufswelt" bezeichnet wird, findet vom 22. bis 27. September 2026 in Shanghai statt und bringt 1.400 Teilnehmer aus über 80 Ländern zusammen.
Das Konzept der WorldSkills entstand 1946 in Spanien und hat sich zu einer globalen Bewegung entwickelt, die das Bewusstsein für Berufsbildung schärft und junge Talente fördert. Für Österreich sind diese Wettkämpfe besonders bedeutsam, da sie die Qualität der dualen Berufsausbildung auf internationaler Bühne unter Beweis stellen.
Die 21-jährige Julia Gschwandtner aus Bergheim arbeitet bei "Das Blumenatelier" in Obertrum am See und steht vor einer besonderen Herausforderung. In der Floristik-Disziplin könnte sie eine bei WorldSkills bislang unerreichte Siegesserie fortsetzen. Österreich dominiert diese Kategorie seit Jahren: 2024, 2022 und 2019 holten österreichische Floristen jeweils Gold nach Hause.
"Ich will bei WorldSkills zeigen, was in mir steckt, fachlich wie kreativ. Mein Ziel ist es, unter Wettbewerbsbedingungen saubere, durchdachte Werkstücke zu gestalten und meine Ideen klar umzusetzen", erklärt Gschwandtner ihre Motivation. Die Aufgaben in Shanghai werden vielfältig sein: Von klassischen Sträußen über komplexe Gestecke bis hin zu innovativen Objektarbeiten muss sie florale Kunstwerke zu vorgegebenen Themen entwickeln.
Bernhard Moser aus Eben im Pongau, der bei der Liebherr Vertriebs- und Service GmbH in Puch bei Hallein beschäftigt ist, steht vor einer noch größeren Herausforderung. In seiner Disziplin Land- und Baumaschinentechnik liegt die letzte österreichische Medaille bereits neun Jahre zurück – 2015 holte ein Niederösterreicher in São Paulo Gold.
Mosers Wettkampfaufgaben sind technisch hochkomplex: Er muss Fehler in großen Baumaschinen diagnostizieren, Komponenten präzise zerlegen und wieder zusammenbauen sowie komplexe Systeme prüfen und konfigurieren. "Mein Ziel ist es, im Wettbewerb möglichst fehlerfrei zu arbeiten und die Aufgaben technisch sauber umzusetzen. Entscheidend ist für mich, dass ich am Ende sagen kann: Ich habe das Maximum herausgeholt", so der junge Techniker.
Die Vorbereitung auf die WorldSkills beginnt bereits Jahre vor dem eigentlichen Wettkampf. Beide Salzburger durchliefen zunächst regionale und nationale Ausscheidungen, bevor sie sich für das österreichische Team qualifizierten. Besonders beeindruckend ist Mosers Vorbereitungsprogramm: Er absolvierte sogar ein internationales Training in Australien, um sich mit den Standards und Techniken der weltweiten Konkurrenz vertraut zu machen.
"WorldSkills gewinnt man nicht nur im Wettkampf, sondern auch in den Monaten davor. Internationale Trainings, der Vergleich mit den Besten und die konsequente Arbeit an jedem Detail sind entscheidend", betont Jürgen Kraft, Geschäftsführer von SkillsAustria, der nationalen Organisation, die österreichische Teilnehmer betreut.
Das österreichische System der dualen Berufsausbildung, bei dem theoretisches Lernen in der Berufsschule mit praktischer Ausbildung im Betrieb kombiniert wird, erweist sich bei internationalen Wettkämpfen regelmäßig als Erfolgsmodell. Diese Ausbildungsform existiert in ähnlicher Form auch in Deutschland und der Schweiz, unterscheidet sich aber deutlich von rein schulischen Systemen, wie sie in vielen anderen Ländern üblich sind.
"Die Teilnahme an WorldSkills unterstreicht die hohe Qualität der dualen Berufsbildung in Österreich. Sie zeigt, dass unsere Ausbildungssysteme praxisnah ausgerichtet sind und junge Fachkräfte gezielt auf die Anforderungen eines internationalen Wettbewerbsumfelds vorbereiten", erklärt Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.
Das Bundesland Salzburg kann auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte bei den WorldSkills zurückblicken. In diesem Jahrhundert konnten bereits drei Salzburger Weltmeistertitel errungen werden: Marius Golser holte 2015 in São Paulo Gold als Steinmetz, Robert Gradl triumphierte 2017 in Abu Dhabi im Hochbau/Maurerhandwerk, und Stefan Planitzer sicherte sich 2019 in Kazan den Weltmeistertitel als Maler. Zusätzlich gewann Andreas Ebner 2009 in Calgary Bronze als Fliesenleger.
Diese Erfolge spiegeln nicht nur das hohe Ausbildungsniveau wider, sondern auch die intensive Unterstützung durch die Salzburger Wirtschaft und Bildungseinrichtungen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Berufsschulen ermöglicht es, Talente früh zu erkennen und gezielt zu fördern.
Die Teilnahme an internationalen Berufswettbewerben hat weit über den sportlichen Aspekt hinausgehende Bedeutung. In Zeiten des akuten Fachkräftemangels dienen erfolgreiche WorldSkills-Teilnehmer als wichtige Botschafter für die berufliche Ausbildung.
"Unsere Teilnehmer sind Aushängeschilder für die Qualität der beruflichen Ausbildung in Salzburg. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Talent, Einsatz und eine fundierte Ausbildung zusammenkommen – und genau das wirkt weit über den Wettbewerb hinaus als Motivation für die nächste Generation", betont WKS-Präsident Buchmüller.
Der Fachkräftemangel betrifft besonders die Branchen, in denen Gschwandtner und Moser tätig sind. In der Floristik-Branche fehlen österreichweit qualifizierte Nachwuchskräfte, während in der Land- und Baumaschinentechnik der Bedarf an spezialisierten Technikern kontinuierlich steigt. Erfolgreiche WorldSkills-Auftritte können das Image dieser Berufe stärken und junge Menschen für eine Ausbildung begeistern.
Die Konkurrenz bei den WorldSkills 2026 wird härter denn je. Besonders asiatische Länder wie China, Südkorea und Japan investieren massiv in die Vorbereitung ihrer Teams und gelten in vielen technischen Disziplinen als nahezu unschlagbar. Deutschland und die Schweiz, traditionell starke Konkurrenten im deutschsprachigen Raum, haben ihre Vorbereitungsprogramme ebenfalls intensiviert.
In der Floristik-Disziplin müssen sich die Teilnehmer nicht nur gegen europäische Konkurrenten behaupten, sondern auch gegen Floristen aus Japan und anderen Ländern mit ausgeprägten Blumenkultur-Traditionen. Die Bewertungskriterien umfassen dabei nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch Kreativität, Zeitmanagement und die Fähigkeit, unter Stress qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten.
Die WorldSkills-Teilnahme hat auch bildungspolitische Dimensionen. Die Erfolge österreichischer Teilnehmer werden regelmäßig als Beleg für die Überlegenheit des dualen Ausbildungssystems angeführt und fließen in bildungspolitische Debatten ein. Andere Länder studieren das österreichische Modell und versuchen, ähnliche Strukturen in ihren Bildungssystemen zu etablieren.
Für die beiden Salzburger Teilnehmer bedeutet die WorldSkills-Erfahrung auch persönlich einen wichtigen Karriereschritt. Unabhängig vom Wettkampfergebnis öffnen sich durch die Teilnahme neue berufliche Perspektiven, sei es in Form von Weiterbildungsmöglichkeiten, Jobangeboten oder der Option, selbst als Ausbilder tätig zu werden.
Die WorldSkills spiegeln auch technologische Trends in den verschiedenen Branchen wider. In der Land- und Baumaschinentechnik spielen zunehmend digitale Diagnose-Tools, GPS-gesteuerte Systeme und automatisierte Komponenten eine Rolle. Moser muss sich daher nicht nur mit traditionellen mechanischen Fertigkeiten, sondern auch mit moderner Elektronik und Software auskennen.
In der Floristik bringen neue Trends wie Nachhaltigkeit, Urban Gardening und innovative Konservierungstechniken frischen Wind in das traditionelle Handwerk. Gschwandtner muss beweisen, dass sie sowohl klassische Techniken beherrscht als auch moderne Ansätze kreativ umsetzen kann.
Sowohl "Das Blumenatelier" in Obertrum als auch Liebherr in Puch bei Hallein investieren erhebliche Ressourcen in die WorldSkills-Vorbereitung ihrer Lehrlinge. Diese Unternehmen stellen nicht nur Arbeitszeit für das Training zur Verfügung, sondern unterstützen auch finanziell bei Reisekosten und Ausrüstung.
"Die Betriebe zeigen damit, dass sie langfristig denken und in die Zukunft ihrer Branchen investieren. Ein WorldSkills-Teilnehmer wird zum Botschafter nicht nur für das Unternehmen, sondern für den gesamten Berufsstand", erklärt ein Sprecher der Wirtschaftskammer Salzburg.
Die Vorfreude auf Shanghai ist bei beiden Salzburger Teilnehmern spürbar. Die chinesische Metropole bietet mit ihren hochmodernen Messeeinrichtungen und der reichen kulturellen Tradition einen beeindruckenden Rahmen für die WorldSkills 2026. Für viele Teilnehmer wird es die erste Reise nach Asien sein, was zusätzlich zur sportlichen auch eine wichtige kulturelle Erfahrung bedeutet.
Die österreichische Delegation wird in Shanghai nicht nur die 48 Teilnehmer umfassen, sondern auch Trainer, Betreuer und Offizielle. Insgesamt reisen rund 100 Personen im rot-weiß-roten Trikot nach China, um dort Österreichs Ruf als Berufsbildungsnation zu verteidigen.
"Egal wie die Wettkämpfe ausgehen – Julia und Bernhard haben bereits jetzt gezeigt, dass sie zu den Besten ihres Fachs gehören. Sie sind Vorbilder für alle jungen Menschen, die eine Lehre absolvieren oder darüber nachdenken", fasst WKS-Präsident Buchmüller die Bedeutung der Teilnahme zusammen. Im September 2026 werden alle Augen auf Shanghai gerichtet sein, wenn zwei junge Salzburger um Weltmeisterehren kämpfen.