Der WienTourismus holte bei den CCA Awards 2026 insgesamt 16 Veneres und wurde „Client of the Year“. Die Auszeichnung zeigt, wie stark Kreativität, Stadtmarketing und Tourismusstrategie zusammenwirken.
Der WienTourismus wurde bei den CCA Awards 2026 mit 16 Veneres ausgezeichnet und als „Client of the Year“ geehrt. Das klingt zunächst nach einer Branchenmeldung aus der Kreativwirtschaft. Tatsächlich steckt dahinter aber eine größere Frage: Wie kommuniziert eine Stadt, die gleichzeitig Kulturmetropole, Kongressstandort, Kulinarikziel und Lebensraum für ihre Bewohnerinnen und Bewohner ist?
Ausgezeichnet wurden laut WienTourismus und Stadt Wien unter anderem Kampagnen wie „Waltz into Space“ und „Vienna Bites!“ sowie weitere internationale Marketingaktivitäten. Der Preis „Client of the Year“ ging nach Angaben des WienTourismus nach 2018 und 2022 bereits zum dritten Mal an die Wiener Destinationsorganisation. Das ist bemerkenswert, weil der Preis nicht nur einzelne Werbeideen würdigt, sondern auch die Rolle des Auftraggebers: Gute Kampagnen entstehen nicht nur in Agenturen, sondern auch durch klare Strategie, Mut und konsequente Zusammenarbeit.
Die Zahl 16 ist in der Kreativbranche mehr als eine dekorative Erfolgszahl. Sie zeigt, dass mehrere Arbeiten, Formate und Umsetzungen wahrgenommen wurden. Einzelne Preise können ein glücklicher Treffer sein; eine Serie an Auszeichnungen deutet eher auf ein konsistentes Kommunikationsniveau hin. Für den WienTourismus ist das wichtig, weil Stadtmarketing dauerhaft funktionieren muss und nicht von einer einzigen Kampagne leben kann.
Die CCA Awards gelten als wichtiger österreichischer Kreativpreis. Der Creativ Club Austria beschreibt den Venus Award als Auszeichnung für starke Ideen der Kommunikationsbranche, bei denen Qualität, Relevanz und handwerkliche Umsetzung zählen. Für eine Tourismusorganisation bedeutet eine solche Anerkennung: Die eigene Kommunikation wird nicht nur touristisch, sondern auch kreativwirtschaftlich ernst genommen.
Stadtmarketing hat sich verändert. Früher reichte es oft, Sehenswürdigkeiten, schöne Bilder und klare Reiseanlässe zu zeigen. Heute konkurrieren Städte weltweit um Aufmerksamkeit, aber auch um Glaubwürdigkeit. Eine Kampagne muss nicht nur sagen, dass Wien schön ist. Sie muss vermitteln, warum Wien jetzt interessant ist, welche Haltung die Stadt hat und wie Kultur, Kulinarik, Veranstaltungen und Alltag zusammenpassen.
Genau hier wird Kreativität strategisch. Kampagnen wie „Vienna Bites!“ zahlen auf Wiens kulinarisches Profil ein, während „Waltz into Space“ mit der kulturellen Symbolik der Stadt spielt. Solche Kampagnen funktionieren dann besonders gut, wenn sie nicht isoliert wirken, sondern an ein größeres Stadtbild anschließen. Wien will nicht nur besucht, sondern verstanden werden: als Stadt mit Tradition, Gegenwart, Humor, Kultur und internationaler Relevanz.
Die Stadt Wien verweist in der Aussendung auf 20 Millionen Nächtigungen und 1,5 Milliarden Euro Beherbergungsumsatz im Jahr 2025. Diese Zahlen zeigen, dass es beim WienTourismus nicht um nette Bildwelten allein geht. Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, aber auch ein sensibles Stadtthema. Hohe Gästezahlen können Einkommen, Arbeitsplätze und internationale Sichtbarkeit bringen, müssen aber mit Lebensqualität, Akzeptanz und Stadtverträglichkeit vereinbar bleiben.
Der WienTourismus spricht in diesem Zusammenhang von „Optimum Tourism“. Dahinter steht der Gedanke, nicht bloß möglichst viele Gäste zu zählen, sondern ein Gleichgewicht aus wirtschaftlichem Erfolg, Gästezufriedenheit und Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Kreative Kommunikation ist in diesem Modell kein Selbstzweck. Sie soll Aufmerksamkeit auf jene Angebote lenken, die zur strategischen Entwicklung der Stadt passen.
Der Titel „Client of the Year“ ist für Auftraggeber interessant, weil er die Kundenseite der Kreativarbeit hervorhebt. Agenturen können starke Ideen entwickeln, aber ohne passende Briefings, Vertrauen, Entscheidungsfähigkeit und strategischen Mut bleiben viele Ideen klein. Ein guter Auftraggeber schafft Rahmenbedingungen, in denen gute Kommunikation entstehen kann.
Für öffentliche oder stadtnah organisierte Auftraggeber ist das besonders anspruchsvoll. Sie müssen mit öffentlichen Erwartungen, politischen Rahmenbedingungen, Budgetfragen und internationaler Wirkung umgehen. Wenn der WienTourismus wiederholt als starker Kreativkunde wahrgenommen wird, spricht das dafür, dass die Organisation nicht nur Kampagnen einkauft, sondern Kommunikationsarbeit aktiv steuert.
Viele Städte werben mit Geschichte, Kultur, Essen und Veranstaltungen. Wien hat all das, aber die Herausforderung liegt darin, nicht austauschbar zu klingen. Walzer, Kaffeehaus, Museen und imperiale Architektur sind bekannte Motive. Moderne Tourismuskommunikation muss diese Klassiker so aktualisieren, dass sie nicht museal wirken. Sie muss zeigen, dass Wien mehr ist als Erinnerung.
Die prämierten Kampagnen deuten genau darauf hin. „Vienna Bites!“ verbindet Kulinarik mit Stadterlebnis. „Waltz into Space“ spielt mit kultureller Wiedererkennbarkeit und unerwarteter Inszenierung. Solche Zugänge können internationale Aufmerksamkeit schaffen, weil sie bekannte Wien-Codes neu zusammensetzen. Das ist riskanter als klassische Prospektwerbung, aber auch wirksamer, wenn es gelingt.
Die Auszeichnungen gingen nicht an den WienTourismus allein, sondern an Arbeiten, die gemeinsam mit Agenturpartnern entstanden sind. Das ist für Kreativkommunikation zentral. Eine Tourismusorganisation kennt Zielgruppen, Strategie und politische Rahmenbedingungen; Agenturen bringen Gestaltung, Dramaturgie, Medienlogik und den Blick von außen ein. Erst aus dieser Verbindung entstehen Kampagnen, die mutig genug sind, aber trotzdem zur Stadt passen.
Gerade bei internationaler Kommunikation ist diese Balance schwer. Eine Kampagne muss in mehreren Märkten funktionieren, darf Wien aber nicht zu einer beliebigen Lifestyle-Marke glätten. Gute Tourismuswerbung hält deshalb Spannung aus: Sie ist wiedererkennbar, aber nicht altbacken; sie ist kreativ, aber nicht beliebig; sie verkauft Erlebnisse, ohne die Stadt nur als Produkt zu behandeln.
Kreativpreise sind nicht nur Trophäen für Branchenabende. Sie können einem Standort signalisieren, dass seine Kommunikation professionell, mutig und international anschlussfähig ist. Für Wien ist das doppelt interessant: Die Stadt vermarktet sich als Reiseziel und stärkt zugleich die Wahrnehmung als kreativer, kultureller und wirtschaftlicher Standort.
Das Zusammenspiel mit Agenturpartnern wie Jung von Matt DONAU und seite zwei zeigt außerdem, dass solche Kampagnen Teil einer lokalen und nationalen Kreativökonomie sind. Wenn öffentliche Kommunikation hohe Qualität erreicht, profitieren nicht nur die touristischen Ziele, sondern auch die Kreativbranche, die an solchen Projekten arbeitet und dadurch internationale Referenzen gewinnt.
Der WienTourismus erhielt bei den CCA Awards 2026 insgesamt 16 Veneres für Kampagnen und internationale Marketingaktivitäten, darunter „Waltz into Space“ und „Vienna Bites!“.
Der Titel würdigt den Auftraggeber hinter kreativen Arbeiten. Er zeigt, dass nicht nur einzelne Kampagnen, sondern auch Strategie, Zusammenarbeit und Auftraggeberqualität ausgezeichnet wurden.
Tourismuskommunikation beeinflusst, wie Wien international wahrgenommen wird. Gute Kampagnen können Gäste ansprechen, Themen wie Kulinarik und Kultur positionieren und zugleich zur Standortmarke beitragen.
Wien setzt mit „Optimum Tourism“ auf ein Gleichgewicht aus wirtschaftlicher Wirkung, Gästezufriedenheit und Akzeptanz in der Bevölkerung. Kreative Kampagnen sollen diese Strategie sichtbar machen.