Mathias Garnitschnig präsentiert im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg die begehbare Sitzskulptur „Der große Komfort“. Die Arbeit verändert den Foyerraum und macht Besucherinnen und Besucher selbst zum Teil der Installation.
Im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg in Dornbirn ist Anfang Juni eine Ausstellung zu sehen, die den Raum nicht nur betrachtet, sondern benutzt. Der Vorarlberger Bildhauer Mathias Garnitschnig präsentiert mit „Der große Komfort“ eine großformatige Sitzskulptur, die eigens für das Foyer des Landesfunkhauses entwickelt wurde. Die Vernissage fand am Dienstag, 2. Juni 2026, um 18.30 Uhr statt; der Eintritt war frei.
Die Arbeit ist für den ORF Vorarlberg mehr als Dekoration im Eingangsbereich. Sie greift die Architektur des Hauses auf, verändert gewohnte Bewegungen im Foyer und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Teil der skulpturalen Situation zu werden. Genau darin liegt der Reiz: Die Installation steht nicht distanziert auf einem Sockel, sondern wird betreten, benutzt und körperlich erfahren.
„Der große Komfort“ wird als begehbare Sitzskulptur beschrieben. Das klingt zunächst alltagstauglich, ist in einer Ausstellung aber ein deutlicher Eingriff. Normalerweise markieren Museen, Galerien oder Foyers klare Grenzen zwischen Objekt und Publikum. Garnitschnigs Arbeit verschiebt diese Grenze. Wer Platz nimmt, wird nicht nur Betrachterin oder Betrachter, sondern Teil der Komposition aus Körper, Objekt und Raum.
Die ORF-Beschreibung betont, dass sich die Skulptur bewusst auf die Architektur des ORF-Landesfunkhauses Vorarlberg bezieht. Das ist wichtig, weil die Arbeit dadurch nicht beliebig versetzbar wirkt. Sie reagiert auf Maßstab, Funktion und Nutzung eines Medienhauses. Ein Foyer ist Durchgang, Treffpunkt, Wartebereich und Repräsentationsraum zugleich. Eine Skulptur, die dort sitztauglich und raumgreifend ist, verändert diese Rollen sichtbar.
Garnitschnigs künstlerisches Interesse liegt laut ORF in der Beziehung zwischen Körper, Objekt und Raum. Diese drei Begriffe erklären, warum die Ausstellung auch ohne großes Vorwissen zugänglich ist. Besucherinnen und Besucher können erleben, wie ein Möbel, eine Skulptur und eine architektonische Situation ineinandergreifen. Wer sich auf die Arbeit setzt oder um sie herumgeht, nimmt Proportionen, Abstand, Blickrichtungen und Nutzbarkeit anders wahr.
Solche Arbeiten sind besonders interessant, weil sie Komfort nicht nur als Bequemlichkeit verstehen. Der Titel „Der große Komfort“ kann auch als Frage gelesen werden: Was macht einen Raum angenehm? Wann wird Sitzen öffentlich? Wie verändert sich ein institutioneller Ort, wenn ein Kunstwerk nicht nur betrachtet, sondern verwendet wird? Die Installation schafft keine endgültige Antwort, sondern eine Situation, in der diese Fragen körperlich erfahrbar werden.
Eröffnet wurde die Schau laut ORF von Landesdirektor Markus Klement und Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink im Beisein von Ausstellungskurator Marbod Fritsch. Kulturkoordinatorin Jasmin Ölz führte ein Gespräch mit dem Künstler, DJ Gerry sorgte für Musik. Diese Mischung zeigt, wie die Ausstellung angelegt ist: als Kunstereignis, aber auch als öffentlicher Treffpunkt im Landesfunkhaus.
Der ORF Vorarlberg nutzt sein Landesfunkhaus damit als kulturellen Raum. Das ist für regionale Kunst relevant, weil ein Medienhaus andere Besucherströme und Öffentlichkeiten erreicht als eine klassische Galerie. Wer das Gebäude aus Rundfunk- oder Veranstaltungsgründen betritt, kann mit Kunst konfrontiert werden, ohne dafür eine spezifische Museumssituation aufzusuchen.
Mathias Garnitschnig wurde 1979 in Bregenz geboren. Er studierte Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Erwin Wurm und Gerda Fassel, nachdem er zuvor die Fachschule für Bildhauerei in Tirol besucht hatte. Der ORF nennt Ausstellungen im In- und Ausland sowie Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Kahnweiler-Preis für Bildhauerei, das Sussmann-Stipendium und den Anerkennungspreis des Landes Vorarlberg.
Ein Blick auf Garnitschnigs eigene Projektdokumentation zeigt, dass Sitzobjekte und architektonische Interventionen in seinem Werk wiederholt eine Rolle spielen. Beim Projekt „Das Sporadische Institut“ an der FH Vorarlberg werden Sitzskulpturen, Künstlerbuch und räumliche Intervention miteinander verbunden. Auch dort geht es um Orte, die nicht nur Kulisse sind, sondern durch künstlerische Setzungen neu gelesen werden.
Ein Landesfunkhaus ist ein funktionaler Raum: Redaktionen, Studios, Technik, Publikum, Gäste und Öffentlichkeit treffen aufeinander. Gerade deshalb kann eine begehbare Skulptur dort stärker wirken als in einem neutralen White Cube. Sie unterbricht eine Routine. Menschen, die sonst zielgerichtet durch das Foyer gehen, müssen sich neu orientieren. Gleichzeitig bleibt die Arbeit offen genug, um ohne komplizierte Erklärung genutzt zu werden.
Das macht die Ausstellung auch für ein breiteres Publikum interessant. Wer zeitgenössische Skulptur oft als unzugänglich empfindet, kann hier über eine einfache körperliche Erfahrung einsteigen: Sitzen, Sehen, Abstand nehmen, wieder gehen. Der kunsthistorische Kontext bleibt wichtig, aber er überfordert nicht. Die Arbeit erklärt sich nicht vollständig selbst, doch sie bietet einen konkreten Zugang.
Eine begehbare Installation ist ein Kunstwerk, das nicht nur aus der Distanz betrachtet wird. Besucherinnen und Besucher können sich darin oder darauf bewegen, manchmal sogar Funktionen nutzen. Dadurch wird der eigene Körper Teil der Wahrnehmung. Im Fall von „Der große Komfort“ bedeutet das: Die Sitzskulptur verändert das Foyer und macht das Publikum zum aktiven Bestandteil der räumlichen Situation.
Bemerkenswert ist auch die Nähe zum Alltagsgegenstand. Eine Sitzskulptur wird schnell als Möbel gelesen, doch genau diese Vertrautheit kann den Kunstbegriff öffnen. Wer sich setzt, prüft Komfort, Maßstab und Material intuitiv. Erst danach wird sichtbar, dass die Arbeit die institutionelle Ordnung des Foyers verschiebt. Diese Spannung zwischen Gebrauch und Betrachtung macht „Der große Komfort“ besonders zugänglich.
Die Vernissage fand am Dienstag, 2. Juni 2026, um 18.30 Uhr im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg in Dornbirn statt.
Gezeigt wird die großformatige, begehbare Sitzskulptur „Der große Komfort“, die für das Foyer des Landesfunkhauses entwickelt wurde.
Weil sie nicht nur betrachtet, sondern benutzt werden kann. Besucherinnen und Besucher werden dadurch Teil der skulpturalen Situation.
Der ORF Vorarlberg liefert die Ausstellungsdaten und biografischen Eckpunkte; Garnitschnigs eigene Projektdokumentation zeigt verwandte Arbeiten mit Sitzskulpturen und architektonischen Interventionen.
Die Ausstellung ist auch deshalb interessant, weil sie eine regionale Kunstpraxis sichtbar macht, die nicht auf dekorative Präsentation reduziert werden kann. Garnitschnigs Arbeit verbindet handwerkliche Bildhauerei, konzeptuelle Raumfragen und eine sehr konkrete Nutzungssituation. Das ORF-Landesfunkhaus wird dabei nicht bloß Veranstaltungsort, sondern Material der Wahrnehmung: seine Architektur, seine Wege und seine Funktion als öffentlich-rechtliches Medienhaus bestimmen mit, wie das Werk gelesen wird. Für Besucherinnen und Besucher entsteht dadurch ein seltenes Format zwischen Möbel, Skulptur, sozialem Treffpunkt und institutioneller Intervention. Gerade diese Mehrdeutigkeit macht den Unterschied zu einer klassischen Foyerausstellung, in der Kunstwerke oft nur neben der Architektur stehen.