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Transformationsfonds der RTR Medien: 243 Millionen Euro für digitale Medienvielfalt

5. März 2026 um 15:41
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Österreichs Medienlandschaft steht vor einem Scheideweg. Während internationale Online-Plattformen wie Google und Meta die Werbeerlöse abschöpfen, kämpfen heimische Medienhäuser um ihr digitales Üb...

Österreichs Medienlandschaft steht vor einem Scheideweg. Während internationale Online-Plattformen wie Google und Meta die Werbeerlöse abschöpfen, kämpfen heimische Medienhäuser um ihr digitales Überleben. Eine aktuelle Evaluierung des "Transformationsfonds" der RTR Medien zeigt nun: Die staatliche Unterstützung wirkt, reicht aber noch nicht aus, um die strukturellen Herausforderungen langfristig zu lösen. Das Berliner Forschungsunternehmen Goldmedia präsentierte am 26. Februar 2025 in Wien eine umfassende Analyse über fünf Jahre Medienförderung – mit überraschenden Erkenntnissen.

Transformationsfonds als Rettungsanker für österreichische Medien

Der "Fonds zur Förderung der digitalen Transformation" (FDT) wurde 2022 als zentrales Instrument etabliert, um private Medienunternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Mit einem Gesamtvolumen von 134 Millionen Euro für den Zeitraum 2022 bis 2027 adressiert der Fonds drei wesentliche Förderziele: Digitale Transformation, Digital-Journalismus sowie Jugendschutz und Barrierefreiheit.

Die digitale Transformation umfasst dabei die Modernisierung technischer Infrastrukturen, die Entwicklung neuer Content-Management-Systeme und die Implementierung künstlicher Intelligenz in redaktionelle Prozesse. Digital-Journalismus bezeichnet neue Formen der Berichterstattung, die speziell für Online-Plattformen entwickelt wurden – von interaktiven Grafiken über Multimedia-Storytelling bis hin zu personalisierten Nachrichtenformaten. Jugendschutz und Barrierefreiheit fokussieren auf technische Lösungen, die Medieninhalte für alle Zielgruppen zugänglich machen.

Beeindruckende Zahlen belegen den Erfolg

Die Goldmedia-Studie dokumentiert eindrucksvolle Erfolge: Seit 2022 erhielten insgesamt 764 Projekte Förderzusagen. Davon entfielen 456 Projekte auf die "Digitale Transformation", 100 auf "Digital-Journalismus" und 28 auf "Jugendschutz und Barrierefreiheit". Zusätzlich wurden 180 "Anreizförderungen" als Vorauszahlungen für konkret geplante Projekte gewährt.

Besonders bemerkenswert: Die österreichischen Medienhäuser investierten zwischen 2022 und 2025 insgesamt 243 Millionen Euro in digitale Transformationsprojekte. Davon stammten 110 Millionen Euro aus Fördermitteln, weitere 133 Millionen Euro brachten die Unternehmen aus Eigenmitteln auf. Diese Hebelwirkung zeigt, dass staatliche Förderung private Investitionen zusätzlich mobilisiert.

Konkrete Auswirkungen auf die Medienlandschaft

  • 91% der geförderten Unternehmen berichten von steigenden Nutzungszahlen ihrer digitalen Angebote
  • 63% verzeichnen ein Wachstum bei digitalen Abonnements
  • 70% konnten redaktionelle und technische Arbeitsplätze sichern oder neue Qualifikationen im Digital-Journalismus aufbauen
  • 131 Fördernehmer realisierten 623 geförderte Projekte im Evaluierungszeitraum

Österreich im internationalen Vergleich

Im deutschsprachigen Raum verfolgen verschiedene Länder unterschiedliche Ansätze zur Medienförderung. Deutschland setzt mit der geplanten "Plattformregulierung" stärker auf ordnungsrechtliche Maßnahmen und die Verpflichtung von Tech-Giganten, lokale Inhalte zu fördern. Die Bundesrepublik plant zudem eine "Digital Services Tax", um Erlöse internationaler Plattformen teilweise an lokale Medien umzuverteilen.

Die Schweiz hingegen fokussiert auf direkte Presseförderung und hat 2022 ein Medienförderungsgesetz eingeführt, das jedoch deutlich geringer dotiert ist als der österreichische Transformationsfonds. Mit jährlich etwa 30 Millionen Schweizer Franken liegt die Förderintensität pro Einwohner unter dem österreichischen Niveau.

Österreich nimmt mit seinem Transformationsfonds eine Vorreiterrolle ein, da die Förderung gezielt auf zukunftsorientierte Digitalisierungsprojekte ausgerichtet ist, anstatt bestehende Strukturen zu konservieren. "Die EU-Beihilfengenehmigung für den österreichischen Ansatz war wegweisend für ähnliche Programme in anderen Mitgliedstaaten", erklärte RTR Medien-Geschäftsführer Wolfgang Struber.

Strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz der positiven Entwicklungen identifiziert die Goldmedia-Studie anhaltende Probleme im österreichischen Medienmarkt. "Die im Fokus der Transformation stehenden digitalen Geschäftsmodelle liefern noch nicht die zentralen Ergebnisbeiträge, die für eine langfristige Absicherung des Mediensystems erforderlich wären", fasst Wolfgang Struber die Erkenntnisse zusammen.

Die Ertragsmargen österreichischer Medienhäuser bleiben begrenzt, da der heimische Werbemarkt mit etwa 1,8 Milliarden Euro jährlich relativ klein ist. Internationale Plattformen wie Google und Meta saugen geschätzte 40-50% der digitalen Werbeausgaben ab, ohne entsprechende Investitionen in lokalen Content zu tätigen.

Werbeabwanderung ins Internet verstärkt Druck

Die Werbeabwanderung von traditionellen Medien zu Online-Plattformen beschleunigt sich kontinuierlich. Während 2010 noch etwa 80% der Werbeausgaben in Print, Radio und TV flossen, sind es heute nur noch etwa 60%. Besonders Print-Medien leiden unter dieser Entwicklung – ihre Werbeerlöse sind in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40% geschrumpft.

Gleichzeitig verkürzen sich die Innovationszyklen dramatisch. Was früher Jahre dauerte, muss heute in Monaten umgesetzt werden. Künstliche Intelligenz revolutioniert derzeit die Contentproduktion und zwingt Medienhäuser zu permanenten Anpassungen ihrer Workflows und Geschäftsmodelle.

Finanzierung steht vor dem Aus

Ein gravierendes Problem zeichnet sich ab: Nach Erteilung der Förderzusagen für 2026 sind die 134 Millionen Euro praktisch ausgeschöpft. Für das Förderjahr 2027 steht nur noch ein "niedriger, einstelliger Millionenbetrag" zur Verfügung, wie Wolfgang Struber erläutert.

Das KommAustria-Gesetz, in dem der Transformationsfonds verankert ist, sieht zwar kein Ablaufdatum vor, doch die EU-Beihilfengenehmigung gilt nur bis 2027 und ist nahezu aufgebraucht. Eine Fortsetzung würde eine neue EU-Genehmigung und zusätzliche Budgetmittel erfordern.

"Die Frage ist nicht, ob wir den Fonds brauchen, sondern wie wir ihn weiterfinanzieren", so Struber. Eine erhebliche Änderung der Förderrichtlinien wäre bei drastisch reduzierten Mitteln unvermeidlich, was die Effektivität des Instruments gefährden könnte.

Auswirkungen auf österreichische Bürger

Die Förderung digitaler Medientransformation hat direkte Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung. Verbesserte Online-Auftritte lokaler Medien bedeuten besseren Zugang zu regionalen Informationen. Wenn etwa die "Kleine Zeitung" ihre Website modernisiert oder der ORF neue digitale Formate entwickelt, profitieren Bürger von nutzerfreundlicheren, schnelleren und multimedialeren Nachrichtenangeboten.

Barrierefreiheit-Projekte ermöglichen Menschen mit Behinderungen besseren Zugang zu Medieninhalten. Untertitel, Vorlesefunktionen und kontrastreiche Darstellungen werden durch Fördermittel finanziert und kommen direkt den Betroffenen zugute.

Gleichzeitig sichert die Förderung Arbeitsplätze in der heimischen Medienbranche. Ohne staatliche Unterstützung würden viele Redaktionen und Technik-Teams verkleinert oder ganz geschlossen. Das würde die Medienvielfalt in Österreich erheblich reduzieren und die demokratische Meinungsbildung beeinträchtigen.

Zukunftsperspektive: Weichen für die nächste Dekade

Die Goldmedia-Evaluierung enthält konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Transformationsfonds. Dazu gehören flexiblere Förderkriterien für KI-Projekte, verstärkte Unterstützung für Kooperationen zwischen Medienhäusern und eine stärkere Fokussierung auf nachhaltige Geschäftsmodelle.

Professor Klaus Goldhammer, Geschäftsführer von Goldmedia, betont: "Der Innovations- und Investitionsimpuls sollte aufrechterhalten werden, da die österreichischen Medienhäuser die digitale Transformation noch nicht aus eigener Kraft bewältigen können."

Entscheidend wird sein, ob die österreichische Politik bereit ist, die Medienförderung langfristig zu sichern. Ohne kontinuierliche Unterstützung droht ein Rückfall in alte Strukturen und ein weiterer Bedeutungsverlust gegenüber internationalen Plattformen.

Drei Szenarien für die Zukunft

  • Szenario 1: Fortsetzung mit erhöhtem Budget – ermöglicht beschleunigte Transformation und stärkt österreichische Medienvielfalt
  • Szenario 2: Reduzierte Förderung – verlangsamt Innovationen und gefährdet Wettbewerbsfähigkeit
  • Szenario 3: Auslaufen des Fonds – führt zu Konsolidierung im Medienmarkt und Abhängigkeit von internationalen Plattformen

Die Weichen für Österreichs Medienlandschaft werden in den kommenden Monaten gestellt. Von der politischen Entscheidung hängt ab, ob heimische Medienhäuser auch in zehn Jahren noch eine relevante Rolle im digitalen Ökosystem spielen oder ob sie zu reinen Content-Zulieferern für internationale Plattformen degradiert werden. Die Goldmedia-Studie liefert die Faktengrundlage – jetzt ist die Politik am Zug.

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