Goldmedia-Studie bestätigt Erfolg, aber Finanzierung läuft aus
134 Millionen Euro flossen seit 2022 in die Digitalisierung österreichischer Medien. Eine Evaluierung zeigt positive Effekte auf.
Nach fünf Jahren intensiver Förderung der digitalen Transformation im österreichischen Medienbereich zieht eine aktuelle Studie eine überwiegend positive Bilanz. Der beim Fachbereich Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR Medien) eingerichtete "Fonds zur Förderung der digitalen Transformation" (FDT) hat österreichischen Medienhäusern dabei geholfen, ihre Digitalisierungsvorhaben zu verwirklichen und Arbeitsplätze zu sichern.
Das Berliner Beratungs- und Forschungsunternehmen Goldmedia hat im Auftrag der RTR Medien eine umfassende Evaluierung der Förderrichtlinien des Transformationsfonds durchgeführt. Die am 26. Februar in Wien präsentierte Studie bestätigt die Wirksamkeit des Förderprogramms in Bezug auf die gesetzgeberischen Ziele.
"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Transformationsfonds einen wichtigen Innovations- und Investitionsimpuls in Österreichs Medienhäusern ausgelöst hat", erklärte RTR Medien-Geschäftsführer Mag. Wolfgang Struber bei der Präsentation. Der Fonds ermöglicht es heimischen Medienunternehmen, ihre digitalen Transformationsvorhaben überhaupt, früher als geplant oder in größerem Umfang umzusetzen.
Die Dimension des Förderprogramms ist beachtlich: Seit 2022 erhielten insgesamt 764 Projekte Förderzusagen. Davon entfallen 456 Projekte auf den Bereich "Digitale Transformation", 100 Projekte auf "Digital-Journalismus" und 28 Projekte auf die Themenbereiche "Jugendschutz und Barrierefreiheit". Zusätzlich wurden 180 Projekte mit "Anreizförderungen" unterstützt, die als Vorauszahlung für konkret dargelegte Vorhaben gewährt werden.
Im von Goldmedia ausgewerteten Zeitraum von 2022 bis 2025 realisierten 131 Förderwerbende 623 geförderte Projekte. Sie erhielten insgesamt 110 Millionen Euro an Fördermitteln und wendeten aus Eigenmitteln weitere 133 Millionen Euro auf. In Summe investierten die österreichischen Medienhäuser damit rund 243 Millionen Euro in Projekte zur digitalen Transformation.
Die Ergebnisse einer Online-Befragung der Fördernehmenden untermauern den Erfolg des Programms. "91 Prozent der Unternehmen berichteten, dass sie einen Zusammenhang zwischen den geförderten Projekten und steigenden Nutzungszahlen auf den eigenen digitalen Angeboten sehen", erläuterte Prof. Dr. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer von Goldmedia.
Besonders erfreulich: 63 Prozent der Befragten sehen einen direkten Zusammenhang mit dem Wachstum bei digitalen Abonnements. 70 Prozent gaben an, dass die Förderung dabei hilft, redaktionelle und technische Arbeitsplätze zu sichern oder neue Qualifikationen im Bereich des digitalen Journalismus aufzubauen.
Der 2022 ins Leben gerufene Fonds verfolgt mehrere strategische Ziele:
Trotz der positiven Bilanz weist die Evaluierung auch auf anhaltende Herausforderungen hin. "Bei allem positiven Feedback zum Erreichten, weist der Evaluierungsbericht aber auch darauf hin, dass die im Fokus der Transformation stehenden digitalen Geschäftsmodelle noch nicht die zentralen Ergebnisbeiträge liefern, die für eine langfristige Absicherung des Mediensystems in Österreich erforderlich wären", zitierte Wolfgang Struber die Studie.
Die Studie stellt in Frage, ob der österreichische Medienmarkt angesichts begrenzter Ertragsmargen, abfließender Werbegelder und schneller Innovationszyklen - besonders im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz - die digitale Transformation im notwendigen Ausmaß aus eigener Kraft bewältigen kann.
Ein zentrales Problem zeichnet sich für die Zukunft ab: Die Finanzierung des Transformationsfonds ist nahezu erschöpft. Nach beihilfenrechtlicher Bewilligung der EU-Kommission wurde der Fonds mit insgesamt 134 Millionen Euro für den Zeitraum 2022 bis 2027 dotiert. Nach Erteilung der Förderzusagen für das Jahr 2026 sind diese Mittel praktisch ausgeschöpft.
"Im Moment ist noch offen, wie es mit dem Fonds weitergeht", erläuterte Wolfgang Struber die aktuelle Situation. Das KommAustria-Gesetz, in dem der Fonds verankert ist, sieht zwar kein Ablaufdatum vor, jedoch steht zum Einreichtermin dieses Jahres für das Förderjahr 2027 nur noch ein niedriger, einstelliger Millionenbetrag zur Verfügung.
Diese Budgetknappheit würde eine erhebliche Änderung der Förderrichtlinien erforderlich machen, so Struber. Die Goldmedia-Studie empfiehlt jedoch, den Innovations- und Investitionsimpuls aufrechtzuerhalten, da die digitale Transformation der österreichischen Medienlandschaft noch nicht abgeschlossen ist.
Der Transformationsfonds hat sich als zentrales Instrument zur Unterstützung privater Medienunternehmen in Österreich etabliert. In einem Markt, der strukturell unter Druck steht, trägt er maßgeblich zu digitalen Reichweiten- und Abo-Zuwächsen bei. Die Förderung hat nicht nur technische Innovationen vorangetrieben, sondern auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Medienbereich beigetragen.
Die RTR Medien fungiert als Österreichs größte Förderstelle für Medienunternehmen und unterstützt neben dem Transformationsfonds auch Radio-, Fernseh-, Print- und Audio-Podcast-Projekte. Mit dem Fernsehfonds Austria werden zudem Fernsehfilm-Produktionen gefördert, was internationale Investitionen in den heimischen Filmstandort ermöglicht.
Der Evaluierungsbericht von Goldmedia enthält auch konkrete Vorschläge für bedarfsgerechte Weiterentwicklungen der gesetzlichen Grundlagen und der Förderrichtlinien. Diese Empfehlungen sind besonders relevant, da sich die Medienbranche weiterhin im digitalen Wandel befindet und neue Herausforderungen durch Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz entstehen.
Die vollständige Studie ist auf der Website der RTR unter rtr.at/FDTEvaluierung2026 verfügbar und bietet detaillierte Einblicke in die Wirksamkeit und Zukunftsperspektiven des Transformationsfonds. Für die österreichische Medienbranche wird entscheidend sein, wie Politik und Regulierungsbehörden auf die Erkenntnisse der Evaluierung reagieren und ob eine Fortsetzung der erfolgreichen Förderung gewährleistet werden kann.