Schlichtungsverfahren steigen stark an - KI könnte Grund sein
1.667 Schlichtungsfälle verzeichnete die RTR 2025. Besonders Betrugs-SMS stiegen um 60 Prozent. Neue Verordnung soll künftig schützen.
Die österreichische Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) verzeichnete im Jahr 2025 einen ungewöhnlich starken Anstieg bei den Schlichtungsverfahren. Mit insgesamt 1.667 Fällen bei Kommunikationsdiensten liegt die Zahl deutlich über den Vorjahreswerten. Davon entfielen 1.584 Verfahren auf Telekommunikationsdienste und 83 auf Mediendienste.
"Bei der Entwicklung der Schlichtungstätigkeit verzeichnen wir heuer einen ungewöhnlich starken Anstieg bei den Schlichtungsanträgen, ohne dass wir spezifische Problemlagen erkennen können", erklärt Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post. Als möglichen Grund sieht er den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch Verbraucher: "Bei vielen Anträgen vermuten wir aufgrund des Wordings, dass Nutzerinnen und Nutzer verstärkt mit Unterstützung von KI ihre Anträge verfassen und damit einen leichteren Zugang zur Schlichtung der RTR finden."
Der durchschnittliche Streitwert lag bei 375 Euro und damit um rund fünf Prozent höher als im Vorjahr.
Die Analyse der Verfahrensinhalte zeigt deutliche Schwerpunkte: Entgeltstreitigkeiten führten mit 758 Verfahren die Liste an, gefolgt von Vertragsschwierigkeiten mit 638 Verfahren. "Die Kategorie 'Vertragsschwierigkeiten' umfasst unter anderem unklare Vereinbarungen zu inkludierten Leistungen, Entgelte oder unter Umständen bestehende Kündigungsmöglichkeiten", führt Steinmaurer aus.
Bemerkenswert ist der Anstieg bei Beschwerden zur mobilen Netzqualität, die um 25 Prozent auf 95 Verfahren zulegten.
Auffällig ist auch die Entwicklung bei Verfahren zu Roaming in Drittstaaten: 2025 gab es insgesamt 122 solcher Verfahren, wovon 89 Datendienste und 33 die Sprachtelefonie betrafen.
Bei der Verteilung nach Anbietern führt A1 mit 716 Verfahren weiterhin die Statistik an, im Jahresvergleich gingen Verfahren, die A1 betrafen, um rund 4 Prozent zurück. Magenta folgt mit 452 Verfahren, während Drei mit 308 Verfahren einen Anstieg um 10 Prozent verzeichnete. Insgesamt 169 Verfahren betrafen Diskontanbieter.
94 Prozent der Verfahren konnten 2025 innerhalb von 90 Tagen abgeschlossen werden. "Diese erfreuliche Erfolgsquote ist ein Indiz sowohl für die kompetente Verfahrensabwicklung unserer Expertinnen und Experten als auch für die erprobte Zusammenarbeit unseres Hauses mit den Anbietern", so Steinmaurer.
Die Anzahl der bei der Meldestelle für Rufnummernmissbrauch registrierten Beschwerden betrug per Ende 2025 31.888, um 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Anlass zur Sorge gab der Anstieg der Beschwerden zu Betrugs-SMS und zwar um 60 Prozent auf 10.205 Meldungen, informiert Steinmaurer, und ergänzt, "inhaltlich dominierten Betrugs-SMS zu den Themenbereichen Familie, Behörden und Banken."
Seit Herbst 2025 ist es möglich, auch betrügerische Nachrichten, die Nutzerinnen und Nutzer über WhatsApp erhalten, zu melden. Im Berichtsjahr wurden diesbezüglich 141 Meldungen eingebracht.
Die RTR hat unter Einbeziehung der Marktteilnehmer eine neue Verordnung geschaffen. Ab Herbst wird die RTR als Registrierungsstelle fungieren. Unternehmen, die bei SMS beim Empfänger als Absender beispielsweise ihren Firmennamen angezeigt haben möchten, müssen diese alphanumerische Senderkennung bei ihrem Mobilfunkanbieter melden, der wiederum der RTR die Senderkennung bekannt gibt.
Die RTR-Verordnung tritt diese Woche in Kraft; die Mobilfunkanbieter haben dann sechs Monate für die technische Umsetzung Zeit.
Der Jahresbericht der Schlichtungsstellen, der einen Überblick zur Schlichtungstätigkeit in den Bereichen Medien, Post und Telekommunikation gibt, ist auf der Website der RTR unter https://www.rtr.at/schlichtungsbericht-2025 abrufbar.
Die "Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH" (RTR) steht zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Ihre Kernaufgaben sind die Förderung des Wettbewerbs auf dem Telekommunikations-, Post- und Medienmarkt sowie die Erreichung der im KommAustria- und Telekommunikationsgesetz definierten Ziele. Sie wird von zwei Geschäftsführern geleitet und ist in die beiden Fachbereiche "Telekommunikation und Post" (Klaus M. Steinmaurer) sowie "Medien" (Wolfgang Struber) gegliedert. Als Geschäftsstelle unterstützt sie die Telekom-Control-Kommission (TKK), die Post-Control-Kommission (PCK) sowie die Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria). Weitere Informationen sind unter www.rtr.at veröffentlicht.