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RTR meldet deutlichen Anstieg bei Telekom-Beschwerden 2025

Schlichtungsverfahren steigen stark an - KI könnte Grund sein

25. März 2026 um 10:31
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1.667 Schlichtungsfälle verzeichnete die RTR 2025. Besonders Betrugs-SMS stiegen um 60 Prozent. Neue Verordnung soll künftig schützen.

Die österreichische Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) verzeichnete im Jahr 2025 einen ungewöhnlich starken Anstieg bei den Schlichtungsverfahren. Mit insgesamt 1.667 Fällen bei Kommunikationsdiensten liegt die Zahl deutlich über den Vorjahreswerten. Davon entfielen 1.584 Verfahren auf Telekommunikationsdienste und 83 auf Mediendienste.

Künstliche Intelligenz als möglicher Grund für Anstieg

"Bei der Entwicklung der Schlichtungstätigkeit verzeichnen wir heuer einen ungewöhnlich starken Anstieg bei den Schlichtungsanträgen, ohne dass wir spezifische Problemlagen erkennen können", erklärt Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post. Als möglichen Grund sieht er den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch Verbraucher: "Bei vielen Anträgen vermuten wir aufgrund des Wordings, dass Nutzerinnen und Nutzer verstärkt mit Unterstützung von KI ihre Anträge verfassen und damit einen leichteren Zugang zur Schlichtung der RTR finden."

Der durchschnittliche Streitwert lag bei 375 Euro und damit um rund fünf Prozent höher als im Vorjahr. Dies deutet darauf hin, dass nicht nur die Anzahl der Fälle, sondern auch deren finanzielle Relevanz gestiegen ist.

Entgelt- und Vertragsstreitigkeiten dominieren

Die Analyse der Verfahrensinhalte zeigt deutliche Schwerpunkte: Entgeltstreitigkeiten führten mit 758 Verfahren die Liste an, gefolgt von Vertragsschwierigkeiten mit 638 Verfahren. "Die Kategorie 'Vertragsschwierigkeiten' umfasst unter anderem unklare Vereinbarungen zu inkludierten Leistungen, Entgelte oder unter Umständen bestehende Kündigungsmöglichkeiten", führt Steinmaurer aus.

Bemerkenswert ist der Anstieg bei Beschwerden zur mobilen Netzqualität, die um 25 Prozent auf 95 Verfahren zulegten. Dies könnte auf die gestiegenen Anforderungen der Nutzer an die Mobilfunknetze zurückzuführen sein, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung des Alltags.

Roaming-Probleme in Drittstaaten nehmen zu

Auffällig ist auch die Entwicklung bei Verfahren zu Roaming in Drittstaaten: 2025 gab es insgesamt 122 solcher Verfahren, wovon 89 Datendienste und 33 die Sprachtelefonie betrafen. Dies spiegelt das gestiegene Reiseaufkommen und die verstärkte Nutzung mobiler Dienste im Ausland wider.

Anbieterverteilung: A1 weiterhin Spitzenreiter

Bei der Verteilung nach Anbietern führt A1 mit 716 Verfahren weiterhin die Statistik an, allerdings mit einem Rückgang von vier Prozent im Jahresvergleich. Magenta folgt mit 452 Verfahren, während Drei mit 308 Verfahren einen Anstieg um zehn Prozent verzeichnete. Diskontanbieter waren in 169 Verfahren involviert.

Positiv hervorzuheben ist die Effizienz der Schlichtungsstelle: 94 Prozent der Verfahren konnten innerhalb von 90 Tagen abgeschlossen werden. "Diese erfreuliche Erfolgsquote ist ein Indiz sowohl für die kompetente Verfahrensabwicklung unserer Expertinnen und Experten als auch für die erprobte Zusammenarbeit unseres Hauses mit den Anbietern", so Steinmaurer.

Rufnummernmissbrauch: 60 Prozent mehr Betrugs-SMS

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Betrugs-SMS: Die Beschwerden stiegen um 60 Prozent auf 10.205 Meldungen. Insgesamt verzeichnete die Meldestelle für Rufnummernmissbrauch mit 31.888 Beschwerden einen Anstieg um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Anlass zur Sorge gab der Anstieg der Beschwerden zu Betrugs-SMS", informiert Steinmaurer. Inhaltlich dominierten dabei betrügerische Nachrichten zu den Themenbereichen Familie, Behörden und Banken. Diese Maschen nutzen das Vertrauen der Menschen in vermeintlich seriöse Absender aus.

WhatsApp-Meldungen neu möglich

Seit Herbst 2025 können Verbraucher auch betrügerische Nachrichten melden, die sie über WhatsApp erhalten. Im Berichtsjahr wurden diesbezüglich bereits 141 Meldungen eingebracht, was zeigt, dass sich Betrüger zunehmend auch auf andere Kommunikationskanäle verlagern.

Neue RTR-Verordnung als Schutzschild

Um der steigenden Flut an Betrugs-SMS entgegenzuwirken, hat die RTR unter Einbeziehung der Marktteilnehmer eine neue Verordnung erarbeitet. Diese schafft einen rechtlichen Rahmen, der ab Herbst greifen soll und die RTR als Registrierungsstelle etabliert.

"Unternehmen, die bei SMS beim Empfänger als Absender beispielsweise ihren Firmennamen angezeigt haben möchten, müssen diese alphanumerische Senderkennung bei ihrem Mobilfunkanbieter melden, der wiederum der RTR die Senderkennung bekannt gibt", erläutert Steinmaurer die Funktionsweise.

Das System funktioniert folgendermaßen: Alphanumerische Senderkennungen werden künftig nur mehr dann am Display angezeigt, wenn diese bei der RTR registriert und auf deren Website gelistet sind. Dies soll es Betrügern deutlich erschweren, sich als seriöse Unternehmen oder Behörden auszugeben.

Umsetzungsfrist für Anbieter

Die RTR-Verordnung tritt bereits diese Woche in Kraft. Die Mobilfunkanbieter haben dann sechs Monate Zeit für die technische Umsetzung. Diese Übergangsfrist soll gewährleisten, dass alle notwendigen Systeme rechtzeitig angepasst werden können.

Transparenz durch öffentlichen Bericht

Der vollständige Jahresbericht der Schlichtungsstellen ist auf der Website der RTR unter www.rtr.at/schlichtungsbericht-2025 abrufbar. Er gibt einen umfassenden Überblick zur Schlichtungstätigkeit in den Bereichen Medien, Post und Telekommunikation.

Die RTR fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen Verbrauchern und Kommunikationsanbietern. Als hundertprozentige Tochter des Bundes hat sie den Auftrag, den Wettbewerb auf dem Telekommunikations-, Post- und Medienmarkt zu fördern und die gesetzlich definierten Ziele zu erreichen.

Ausblick und Empfehlungen für Verbraucher

Die Zahlen zeigen deutlich, dass Verbraucher zunehmend bereit sind, ihre Rechte gegenüber Kommunikationsanbietern einzufordern. Der mögliche Einfluss von KI-Tools bei der Antragstellung könnte diese Entwicklung weiter verstärken und die Hemmschwelle für Beschwerden senken.

Gleichzeitig verdeutlicht der massive Anstieg bei Betrugs-SMS die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen. Die neue RTR-Verordnung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung, wird aber nur wirksam sein, wenn sie konsequent umgesetzt und durchgesetzt wird.

Verbraucher sollten verdächtige SMS weiterhin an die RTR-Meldestelle weiterleiten und sich nicht von vermeintlich seriösen Absendern täuschen lassen. Die Regel bleibt: Bei Zweifeln lieber direkt beim angeblichen Absender nachfragen, als auf Links in SMS zu klicken oder persönliche Daten preiszugeben.

Schlagworte

#RTR#Telekommunikation#Betrugs-SMS#Schlichtung#Verbraucherschutz

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