Die RTR-Studie Digital Skills Austria IV zeigt: Österreich erkennt das Problem, aber die tatsächliche Fähigkeit zur Prüfung von Informationen bleibt ungleich verteilt.
Die RTR-Studie Digital Skills Austria IV untersucht Desinformation und digitale Kompetenzen. Warum Medienkompetenz mehr ist als tägliche Internetnutzung.
Die Studie „Digital Skills Austria IV“ rückt ein Problem in den Mittelpunkt, das viele Menschen im Alltag spüren: Desinformation ist allgegenwärtig, aber sie sicher zu erkennen bleibt schwierig. Laut RTR Medien ist das Problembewusstsein in Österreich hoch. Gleichzeitig verfügen viele Befragte nur über durchschnittliche Fähigkeiten, wenn sie falsche oder irreführende Informationen bewerten sollen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Wer oft online ist, Nachrichten teilt oder soziale Medien nutzt, ist nicht automatisch medienkompetent. Digitale Routine heißt zunächst nur, dass Menschen digitale Angebote verwenden. Medienkompetenz beginnt dort, wo Inhalte geprüft, Quellen verglichen, Interessen erkannt und eigene Vorurteile mitgedacht werden.
Die Veröffentlichung Digital Skills Austria IV ist die vierte Ausgabe einer Vergleichsstudienreihe des Kompetenzzentrums der RTR Medien. Sie wurde unter Beteiligung der OeAD-Geschäftsstelle Digitale Kompetenzen erstellt und nimmt 2026 besonders den Umgang mit Desinformation in den Blick.
Im Zentrum steht die Frage, wie gut Menschen ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen und wie gut sie in konkreten Situationen tatsächlich zwischen verlässlichen und problematischen Informationen unterscheiden können. Genau hier wird es spannend: Viele halten sich für aufmerksam, aber Entscheidungen werden laut Studienbeschreibung oft von Einstellungen, Vertrauen und Informationsumgebung beeinflusst.
Desinformation funktioniert selten durch völlig absurde Behauptungen. Häufig werden echte Fakten mit Auslassungen, zugespitzten Formulierungen oder emotionalen Bildern kombiniert. Dadurch wirkt eine Meldung plausibel, besonders wenn sie zu bestehenden Überzeugungen passt. Die Studie zeigt deshalb, dass Erkennen nicht nur eine Frage von Wissen ist, sondern auch von Reflexion.
Wer eine Information ohnehin glauben möchte, prüft sie oft weniger streng. Wer einer Quelle grundsätzlich misstraut, weist auch korrekte Informationen schneller zurück. Medienkompetenz bedeutet daher nicht nur, Faktenchecks zu kennen. Sie bedeutet auch, die eigene Reaktion auf Überschriften, Bilder, Empörung und Gruppendruck zu beobachten.
Die Initiative Digitale Kompetenzen ordnet digitale Fähigkeiten breiter ein: Es geht um Orientierung, Kommunikation, Sicherheit, Problemlösung und gesellschaftliche Teilhabe. Auf Desinformation übertragen heißt das: Menschen brauchen technische, soziale und kritische Fähigkeiten zugleich.
Ein Beispiel: Eine Person kann ein Smartphone perfekt bedienen und trotzdem eine manipulierte Grafik ungeprüft weiterleiten. Eine andere Person nutzt wenige digitale Dienste, prüft Quellen aber sehr sorgfältig. Deshalb ist die einfache Gegenüberstellung von „digital affin“ und „digital schwach“ zu grob. Entscheidend ist, ob Nutzerinnen Informationen einordnen können.
Desinformation betrifft nicht nur einzelne Fehlentscheidungen. Sie kann Vertrauen in Medien, Wissenschaft, Wahlen, Behörden und demokratische Verfahren beschädigen. Wenn viele Menschen nicht mehr unterscheiden können, ob eine Information belegt, zugespitzt oder erfunden ist, wird öffentliche Debatte brüchiger.
RTR Medien spricht deshalb von einer demokratiepolitisch bedeutenden Frage. Das ist treffend: Eine Gesellschaft kann nur dann gemeinsam Probleme lösen, wenn sie zumindest über belastbare Fakten streiten kann. Desinformation verschiebt den Streit von der Bewertung der Fakten zur Frage, ob Fakten überhaupt noch zählen.
Das Medienkompetenz-Monitoring der RTR sammelt Studien, Projekte und Entwicklungen rund um Medienkompetenz. Solche Übersichten sind wichtig, weil Medienbildung nicht mit einer einzelnen Kampagne erledigt ist. Informationsräume verändern sich laufend: Plattformen, KI-Tools, Deepfakes und Messenger-Dynamiken verschieben die Anforderungen.
Für Schulen, Erwachsenenbildung, Medienhäuser und Politik liefert Monitoring eine Grundlage. Es zeigt, wo Lücken sichtbar werden, welche Gruppen besonders unterstützt werden müssen und welche Fähigkeiten künftig stärker trainiert werden sollten. Gerade ältere Menschen, junge Nutzerinnen oder Personen mit geringer formaler Bildung können unterschiedliche Unterstützungsangebote brauchen.
Künstliche Intelligenz macht Desinformation nicht neu, aber schneller, billiger und glaubwürdiger. Texte, Bilder, Audios und Videos lassen sich einfacher erzeugen oder verändern. Dadurch reicht es nicht mehr, auf offensichtliche Rechtschreibfehler oder schlechte Bildmontagen zu achten. Auch professionell aussehende Inhalte können falsch oder irreführend sein.
Das erhöht den Wert von Quellenkompetenz. Wer hat etwas veröffentlicht? Gibt es eine Primärquelle? Wird eine Zahl erklärt? Bestätigen unabhängige Stellen die Aussage? Solche Fragen wirken altmodisch, werden aber gerade durch KI wichtiger. Die Studie erinnert daran, dass digitale Souveränität nicht nur aus Tools entsteht, sondern aus Prüfgewohnheiten.
Für Leserinnen lassen sich aus der Studie einfache Prüfregeln ableiten: Ist die Quelle erkennbar? Ist der Text sehr emotional formuliert? Gibt es ein Datum? Wird eine Behauptung mit Daten oder Dokumenten belegt? Taucht dieselbe Information auch bei anderen glaubwürdigen Quellen auf? Und passt die Überschrift tatsächlich zum Inhalt?
Solche Fragen verhindern nicht jede Fehleinschätzung. Sie verlangsamen aber den Reflex, eine Meldung sofort zu glauben oder weiterzuleiten. Genau diese kurze Pause kann den Unterschied machen, ob Desinformation Reichweite bekommt oder im eigenen Feed endet.
Die Ergebnisse betreffen nicht nur einzelne Nutzerinnen. Schulen müssen Medienkompetenz als Querschnittsthema behandeln, weil Desinformation in Geschichte, Politik, Naturwissenschaften und Alltagskommunikation auftaucht. Erwachsenenbildung braucht Angebote, die nicht belehrend wirken, sondern echte Situationen üben: eine verdächtige Grafik, ein manipuliertes Video, eine Statistik ohne Quelle oder ein emotionaler Messenger-Text.
Auch Redaktionen können aus solchen Studien lernen. Wer seriöse Informationen zugänglich machen will, muss Quellen, Daten und Unsicherheiten klarer erklären. Plattformen wiederum tragen Verantwortung dafür, dass irreführende Inhalte nicht durch reine Aufmerksamkeitslogik belohnt werden. Medienkompetenz ist also nicht nur eine individuelle Pflicht, sondern eine Aufgabe des gesamten Informationssystems.
Desinformation gedeiht besonders dort, wo Vertrauen bereits beschädigt ist. Menschen, die Medien, Behörden oder Wissenschaft grundsätzlich misstrauen, sind nicht automatisch leichtgläubig. Sie prüfen aber oft entlang anderer Vertrauensanker: Freundeskreis, Influencer, Gruppenidentität oder politische Nähe. Deshalb reicht es nicht, Fakten nur zu veröffentlichen. Sie müssen nachvollziehbar, transparent und respektvoll erklärt werden.
Die Studie macht damit deutlich, dass digitale Kompetenz und gesellschaftliches Vertrauen zusammenhängen. Wer Menschen besser gegen Desinformation stärken will, muss beides im Blick behalten: technische Fähigkeiten und das Vertrauen in überprüfbare Verfahren.
Es ist die vierte Ausgabe einer RTR-Studienreihe zu digitalen Kompetenzen in Österreich. 2026 liegt ein Schwerpunkt auf Desinformation.
Das Problembewusstsein ist hoch, aber die tatsächlichen Fähigkeiten zur Bewertung von Falschinformationen sind nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt.
Nutzung bedeutet nicht automatisch kritische Prüfung. Medienkompetenz umfasst Quellenbewertung, Faktenprüfung, Reflexion und Problemlösung.
Bildung, Übung und passende Unterstützungsangebote können helfen, Informationen besser einzuordnen. Medienkompetenz ist eine dauerhafte Lernaufgabe.
Hinweis: Die folgenden Hintergründe stützen sich auf öffentlich zugängliche Informationen der jeweils genannten Organisationen. Die Original-OTS-Aussendung wird bewusst nicht als weiterführende Quelle verlinkt.
Kontakt: RTR Medien über rtr.at.