Mit der Einführung eines "mittleren Managements" sollen Schulleitungen und Lehrkräfte entlastet werden. Der Nationalrat beschloss die Regelung in der Fassung eines Abänderungsantrags der Regierungsfraktionen.
Der Nationalrat hat heute die Einführung eines "mittleren Managements" an Pflichtschulen beschlossen. Es handelt sich dabei nicht um eine neue Hierarchieebene; vielmehr sollen eine bestimmte Anzahl von Lehrkräften administrative Aufgaben übernehmen und im Gegenzug ihre Unterrichtstätigkeit reduzieren können. Bildungsminister Christoph Wiederkehr sagte, in Zeiten "von klammen Budgets" würden dafür rund 20 Mio. Ꞓ bereitgestellt.
Die Dienstrechtsnovelle wurde in der Fassung eines Abänderungsantrags der Regierungsfraktionen angenommen. Diese Fassung sieht unter anderem vor, dass auch die Bildungsanstalten für Elementarpädagogik und für Sozialpädagogik von den Regelungen umfasst sind. Der Beschluss erfolgte mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen; die FPÖ sprach sich dagegen aus und kritisierte, dass kein eigenes administratives Personal bereitgestellt werde und nannte die Reform einen "Etikettenschwindel".
Der Minister erklärte, es gehe weniger um Sekretariatsaufgaben, sondern um die Förderung der Schul- und Unterrichtsentwicklung auf Basis pädagogischer Konzepte. Als konkretes Beispiel nannte er, dass an einer Pflichtschule mit 15 Klassen 26 Stunden zur Verfügung stehen werden; die Schulleitung könne bis zu vier Lehrkräfte mit Aufgaben betrauen und sie teilweise freistellen.
FPÖ-Abgeordnete kritisierten, dass durch die Novelle kein eigenes administratives Personal vorgesehen werde und sahen dies als unzureichende Lösung angesichts des Lehrermangels. Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsfraktionen hoben hervor, dass mit der Regelung Schulleitungen entlastet werden sollen und die Umsetzung schrittweise erfolgen werde; sie soll flächendeckend bis 2027/2028 abgeschlossen werden.
Die Grünen begrüßten die Entlastung der Schulleitungen, verwiesen aber darauf, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Sigrid Maurer schlug vor, die Tätigkeiten des mittleren Managements auch auf Personen auszuweiten, die kein Lehramt studiert haben.
Martina von Künsberg Sarre (NEOS) und weitere Befürworterinnen betonten, dass klare Zuständigkeiten geschaffen und die Schulleitungen entlastet würden. Wiederkehr rechnete außerdem mit einer möglichen Attraktivierung des Lehrberufs durch die Anerkennung der Tätigkeiten.
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