Das Bundesfinale in Wien zeigt, wie viel Forschung, Produktdenken und gesellschaftliche Relevanz in österreichischen Schul- und Lehrlingsprojekten steckt.
Beim 39. Bundesfinale von Jugend Innovativ wurden sieben Siegerteams ausgezeichnet. Die Projekte reichen von barrierefreiem Design bis zu Quantenalgorithmen.
Das 39. Bundesfinale von Jugend Innovativ war mehr als eine feierliche Preisverleihung in der Wiener Expedithalle. Es war ein konzentrierter Blick darauf, was passiert, wenn Schülerinnen, Schüler und Lehrlinge nicht nur Aufgaben lösen, sondern echte Probleme formulieren: Wie kann ein barrierefreier Leitfaden gestaltet werden? Wie lässt sich ein Carbonrahmen besser schützen? Wie misst man Parkinson-Tremor alltagsnah? Wie wird ein Milchtankaufbau elektrifiziert, ohne den gesamten Lkw neu zu erfinden?
Am 29. Mai 2026 wurden die Siegerinnen und Sieger der 39. Wettbewerbsrunde ausgezeichnet. Laut Jugend Innovativ qualifizierten sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler mit 35 Projekten für das Bundesfinale; insgesamt wurden 420 Projekte eingereicht. Sieben Teams belegten in ihren Kategorien den ersten Platz. Gemeinsam mit dem Publikumspreis wurden rund 53.500 Euro vergeben.
Die ersten Preise gingen an Projekte aus Wien, Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und Salzburg. In der Kategorie Design gewann „Klarsicht – Ein Leitfaden für barrierefreies Design“ der HTBLuVA Salzburg. Das Projekt setzt dort an, wo gute Gestaltung oft zu spät beginnt: bei verständlichen, praxisnahen Anleitungen für Barrierefreiheit. In Engineering I gewann „woodberg“ der HTBLA Imst, ein Projekt, das Holz als Verstärkung für Carbonstrukturen denkt und damit eine Schwachstelle leichter Hochleistungsmaterialien adressiert.
In Engineering II setzte sich „SmartDisc - the smartest Disc you will ever throw“ der HTL Rennweg in Wien durch. Das Projekt verbindet Sport, Sensorik und Datenauswertung, indem es Wurfbewegungen im Ultimate-Frisbee-Kontext messbar macht. In Entrepreneurship gewann „Boards without Barriers - Rehabilitation durch Spielspaß“, ebenfalls von der HTL Rennweg. Hier steht nicht Technik um der Technik willen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Menschen mit starken motorischen Einschränkungen wieder an Brettspielen teilnehmen können.
In ICT & Digital wurde „TREMOCUP“ der HTL Spengergasse ausgezeichnet. Das Projekt setzt bei Parkinson an und will Tremor im Alltag über ein vertrautes Objekt messbar machen. In Science gewann „Analyzing and Overcoming Optimization Obstacles in Adaptive Variational Quantum Algorithms“ der HTL Bregenz, ein Projekt zu Hindernissen in quantenalgorithmischen Optimierungen. In Sustainability ging der erste Preis an „E-Mobilität in der Milchlogistik - Elektrifizierung eines Milchtankaufbaus“ der HTBLA Ried im Innkreis.
Jugend Innovativ läuft seit 1987 und wird von der Austria Wirtschaftsservice GmbH im Auftrag mehrerer Bundesministerien abgewickelt. Der Wettbewerb richtet sich an junge Menschen, die eigene Ideen entwickeln, ausarbeiten und vor einer Jury präsentieren. Das ist pädagogisch relevant, weil es nicht nur Fachwissen prüft. Teams müssen Probleme recherchieren, Prototypen bauen, Entscheidungen begründen und verständlich erklären, warum ihre Lösung nützlich ist.
Genau darin liegt der Unterschied zu vielen klassischen Schulprojekten. Jugend Innovativ zwingt Ideen aus dem Klassenraum hinaus. Ein Projekt muss für Außenstehende nachvollziehbar werden, es muss in eine Kategorie passen und es muss mit anderen Finalprojekten konkurrieren. Dadurch entsteht ein Format, das Kompetenzen verbindet: Technik, Gestaltung, Wissenschaft, Unternehmertum, Nachhaltigkeit, Präsentation und Teamarbeit.
Auffällig ist, dass viele ausgezeichnete Projekte konkrete Alltagssituationen aufgreifen. Barrierefreiheit im Design, Rehabilitation durch Spiel, Parkinson-Messung, schadstofffreie Textilimprägnierung, Drohnen-Akkuwechsel oder Milchlaster-Elektrifizierung sind keine abstrakten Zukunftsschlagworte. Sie berühren Gesundheit, Mobilität, Inklusion, Landwirtschaft, Umwelt und Industrie.
Das macht den Wettbewerb auch für Wirtschaft und Forschung interessant. Junge Teams zeigen oft noch keine marktreifen Produkte, aber sie zeigen Denkansätze. Sie erkennen Probleme, die im Alltag real sind, und übersetzen sie in technische oder gestalterische Versuche. Für Unternehmen, Hochschulen und Förderstellen kann genau das wertvoll sein: frühe Ideen, die zeigen, wo junge Talente Bedarf sehen und welche Themen sie ernst nehmen.
Für Schulen ist Jugend Innovativ auch deshalb interessant, weil der Wettbewerb Projektarbeit sichtbar macht. Ein gutes Team muss nicht nur eine technische Lösung bauen, sondern auch Recherche, Rollenverteilung, Dokumentation und Präsentation beherrschen. Das sind Fähigkeiten, die später in Forschung, Gründung, Handwerk und Industrie gebraucht werden. Für Lehrkräfte entsteht dadurch ein Rahmen, in dem Unterricht, Diplomarbeiten und reale Anwendungen enger zusammenrücken.
Für die Teams selbst ist die Auszeichnung ein früher Realitätscheck. Eine Idee wird nicht nur in der eigenen Klasse bewertet, sondern vor Jury, Publikum und Medien erklärt. Das schärft den Blick dafür, welche Probleme ein Projekt tatsächlich löst und welche Fragen noch offen sind.
Jugend Innovativ ist nicht mit der nationalen Preisverleihung beendet. Mehrere Teams werden für internationale Veranstaltungen nominiert. Laut offizieller Wettbewerbsseite gehen Reisepreise unter anderem an die Projekte „TREMOCUP“, „E-Mobilität in der Milchlogistik“ und „woodberg“ für den European Union Contest for Young Scientists in Kiel. Weitere Projekte werden für Veranstaltungen in Luxemburg, Italien, China und Taiwan genannt.
Diese internationale Anschlussfähigkeit ist ein wichtiger Teil des Wettbewerbs. Ein Projekt muss nicht nur in Österreich gut klingen, sondern kann im nächsten Schritt in einem viel breiteren Umfeld diskutiert werden. Für junge Entwicklerinnen und Entwickler ist das ein Lernschritt: Sie bekommen Feedback, sehen andere Lösungsansätze und erleben, wie aus einem Schulprojekt ein Beitrag in einer internationalen Innovationslandschaft werden kann.
420 Einreichungen und 35 Finalprojekte zeigen, dass der Wettbewerb eine gewisse Breite erreicht. Die Zahl der Finalteams ist klein genug, um Qualität und Vergleichbarkeit zu sichern, aber groß genug, um verschiedene Felder abzudecken. Die Kategorien Design, Engineering I, Engineering II, Entrepreneurship, ICT & Digital, Science und Sustainability bilden eine Spannweite ab, die gut zur aktuellen Bildungs- und Standortdebatte passt.
Besonders spannend ist die Kombination aus klassischen technischen Schulen, berufsbildenden Schulen und Lehrlingsprojekten. Der erstmals genannte Sonderpreis für das beste Lehrlingsprojekt ging an „Escape Room“ der Landesberufsschule Schrems. Damit wird sichtbar, dass Innovationsarbeit nicht nur im akademischen oder rein schulischen Forschungskontext entsteht. Auch die berufliche Ausbildung kann experimentelle und kreative Projekte hervorbringen.
Es gab sieben erste Preise in den Kategorien Design, Engineering I, Engineering II, Entrepreneurship, ICT & Digital, Science und Sustainability. Die Siegerprojekte kamen aus Salzburg, Tirol, Wien, Vorarlberg und Oberösterreich.
Laut Jugend Innovativ wurden 420 Projekte eingereicht. Für das Bundesfinale qualifizierten sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler mit 35 Projekten.
Der Wettbewerb verbindet technische, wissenschaftliche und unternehmerische Kompetenzen. Junge Menschen lernen, aus Ideen konkrete Projekte zu machen, sie zu erklären und mit Fachfeedback weiterzuentwickeln.
Ja. Mehrere Projekte wurden für internationale Wettbewerbe und Ausstellungen nominiert, darunter der European Union Contest for Young Scientists in Kiel.
Quellen: offizielle Jugend-Innovativ-Meldung zum 39. Bundesfinale, Projektübersicht Jugend Innovativ 2025/26, aws-Informationen zum Bundesfinale 2026 und Jugend Innovativ.
Kontakt laut Wettbewerbsseite: Jugend Innovativ, Jana Breyer, j.breyer [at] aws.at; Austria Wirtschaftsservice GmbH, Matthias Bischof, m.bischof [at] aws.at.