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#JoinTheFuture: Österreichs Technikbranche kämpft mit Gaming gegen Fachkräftemangel

12. März 2026 um 09:02
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Mit Minecraft gegen den Fachkräftemangel: Was nach einem Scherz klingt, ist in Österreich längst Realität geworden. Die Elektro- und Elektronikbranche setzt auf innovative Wege, um junge Menschen f...

Mit Minecraft gegen den Fachkräftemangel: Was nach einem Scherz klingt, ist in Österreich längst Realität geworden. Die Elektro- und Elektronikbranche setzt auf innovative Wege, um junge Menschen für technische Berufe zu begeistern – und der Erfolg gibt ihr recht. Die Kampagne #JoinTheFuture hat binnen drei Jahren die Lehrlingszahlen um 18 Prozent gesteigert und wird aufgrund ihres Erfolgs auch 2026 fortgesetzt.

Gaming als Brücke zur Berufswelt

Seit Herbst 2023 revolutioniert die österreichweite Nachwuchskampagne #JoinTheFuture die Berufsorientierung in der Elektrotechnik. Statt auf verstaubte Messestände und Hochglanzbroschüren zu setzen, begegnet die Initiative Jugendlichen dort, wo sie sich aufhalten: in der digitalen Welt. Die Join the Future Redstone Challenge, ein Minecraft-basierter Wettbewerb, bringt komplexe elektrotechnische Konzepte spielerisch näher und macht abstrakte Berufsbilder greifbar.

Minecraft, das weltweit meistverkaufte Videospiel aller Zeiten, dient dabei als perfekte Plattform. In der virtuellen Welt können Jugendliche mit sogenannten Redstone-Schaltkreisen experimentieren – digitalen Bausteinen, die echten elektronischen Schaltungen nachempfunden sind. Was zunächst wie Spielerei aussieht, vermittelt tatsächlich grundlegende Prinzipien der Elektrotechnik und Programmierung.

Messbare Erfolge trotz demografischen Wandels

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 2022 zählte die Elektro- und Elektronikindustrie in Österreich 1.156 Lehrlinge, bis 2025 stieg diese Zahl auf 1.368 – eine beeindruckende Steigerung von 18 Prozent. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als andere Branchen mit rückläufigen Bewerberzahlen kämpfen.

Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zum allgemeinen Trend am österreichischen Lehrstellenmarkt. Während die Gesamtzahl der Lehrlinge in Österreich in den letzten Jahren stagnierte oder sogar zurückging, konnte die Elektrobranche durch gezielte Nachwuchsarbeit gegensteuern. Der demografische Wandel und geburtenschwache Jahrgänge machen sich besonders im technischen Bereich bemerkbar, wo ohnehin ein akuter Fachkräftemangel herrscht.

Österreich im europäischen Vergleich

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zeigt Österreich mit dieser Initiative Pioniergeist. Während Deutschland und die Schweiz ebenfalls mit Fachkräftemangel in technischen Berufen kämpfen, setzen sie vorwiegend auf traditionelle Rekrutierungsmethoden. Die deutsche Elektrobranche verzeichnete laut Bundesagentur für Arbeit zuletzt sogar einen Rückgang bei den Ausbildungszahlen um 3,2 Prozent. In der Schweiz stagnieren die Lehrlingszahlen in elektrotechnischen Berufen seit Jahren auf niedrigem Niveau.

Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderung: Technische Berufe gelten oft als schwer zugänglich und wenig attraktiv für die Generation Z, die digital aufgewachsen ist und andere Kommunikationswege gewohnt ist. Hier setzt #JoinTheFuture an und schlägt eine Brücke zwischen der analogen Arbeitswelt und der digitalen Lebenswelt der Jugendlichen.

Internationale Anerkennung für österreichische Innovation

Die innovative Herangehensweise der Kampagne blieb auch international nicht unbemerkt. Bei den renommierten iab webAD Awards räumte #JoinTheFuture gleich vier Auszeichnungen ab – Gold, Silber und zweimal Bronze. Platinum gab es bei den Internationalist Awards, und zweimal Silber bei den iab MIXX Awards Europe rundeten den Erfolg ab.

Diese Auszeichnungen sind mehr als nur Trophäen für die Vitrine. Sie bestätigen, dass Österreich bei der digitalen Transformation der Berufsorientierung eine Vorreiterrolle einnimmt. Internationale Experten würdigten besonders die authentische Ansprache der Zielgruppe und die messbare Wirksamkeit der Maßnahmen.

Was macht die Kampagne so erfolgreich?

Der Erfolg von #JoinTheFuture liegt in der konsequenten Ausrichtung auf die Lebenswelt der Zielgruppe. Statt Jugendliche mit Fachbegriffen zu überfordern, werden komplexe Sachverhalte in vertraute Kontexte übersetzt. Gaming-Elemente, Social Media-Content und interaktive Challenges sprechen die Sprache der Generation Z.

Besonders clever ist die Nutzung von Minecraft als Lernplattform. Das Spiel ist bereits bei Millionen von Jugendlichen etabliert und bietet durch seine Redstone-Mechanik perfekte Analogien zur Elektrotechnik. Ein Redstone-Repeater im Spiel funktioniert ähnlich wie ein Verstärker in der Realität, eine Redstone-Schaltung zeigt die gleichen logischen Prinzipien wie echte elektronische Schaltkreise.

Breites Branchenbündnis als Erfolgsfaktor

Hinter #JoinTheFuture steht ein ungewöhnlich breites Bündnis aus fünf Organisationen: der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE), der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), Oesterreichs Energie, die Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker sowie das Bundesgremium Elektro- und Einrichtungsfachhandel.

Diese Kooperation ist alles andere als selbstverständlich. Normalerweise verfolgt jede Organisation ihre eigenen Rekrutierungsstrategien. Das gemeinsame Auftreten verstärkt jedoch die Botschaft und ermöglicht eine breitere Reichweite. Für Jugendliche entsteht so ein einheitliches Bild der Elektrobranche als moderne, zukunftsorientierte Arbeitswelt.

Der FEEI als mittragende Organisation repräsentiert dabei Österreichs drittgrößten Industriezweig mit rund 300 Unternehmen, 72.500 Beschäftigten und einem Produktionswert von 23,4 Milliarden Euro. Diese Dimensionen verdeutlichen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche und damit auch die Relevanz erfolgreicher Nachwuchsarbeit.

Konkrete Auswirkungen für Österreichs Jugend

Für österreichische Schülerinnen und Schüler eröffnen sich durch die gestiegene Attraktivität der Elektrobranche neue Perspektiven. Elektrotechnische Berufe bieten nicht nur sichere Arbeitsplätze, sondern auch überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten. Ein ausgelernter Elektrotechniker verdient in Österreich im Durchschnitt zwischen 2.800 und 3.500 Euro brutto monatlich, bei entsprechender Weiterbildung sind deutlich höhere Gehälter möglich.

Die Berufsaussichten sind exzellent: Laut Arbeitsmarktservice (AMS) gehören elektrotechnische Fachkräfte zu den gefragtesten Arbeitnehmern am österreichischen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in diesem Bereich liegt konstant unter dem nationalen Durchschnitt, und viele Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern.

Moderne Berufsbilder jenseits des Klischees

Ein wesentlicher Erfolg der Kampagne liegt darin, veraltete Berufsbilder zu korrigieren. Elektrotechnik beschränkt sich längst nicht mehr auf das Verlegen von Kabeln oder das Reparieren von Haushaltsgeräten. Moderne Elektrotechniker entwickeln Smart-Home-Systeme, programmieren Industrieroboter oder arbeiten an der Energiewende mit erneuerbaren Energien.

Besonders für junge Frauen, die in technischen Berufen noch unterrepräsentiert sind, schafft #JoinTheFuture neue Rollenbilder. Die Kampagne zeigt bewusst weibliche Vorbilder und macht deutlich, dass Technik kein männliches Privileg ist. Der Frauenanteil in elektrotechnischen Lehrberufen ist zwar noch gering, zeigt aber eine positive Tendenz.

BeSt Wien 2025: Kampagne geht in die Offensive

Vom 12. bis 15. März 2025 wird #JoinTheFuture auch auf der BeSt Wien präsent sein, Österreichs größter Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung. Für die Kampagne ist dies eine wichtige Gelegenheit, die digitale Strategie um analoge Komponenten zu ergänzen und direkten Kontakt mit interessierten Jugendlichen aufzunehmen.

Die BeSt Wien zieht jährlich über 70.000 Besucherinnen und Besucher an, darunter viele Schülerinnen und Schüler kurz vor ihrer Berufsentscheidung. Hier können die Erfolge der digitalen Kampagne in persönliche Gespräche und konkrete Ausbildungsangebote münden.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz der positiven Entwicklung bleiben Herausforderungen bestehen. Der Fachkräftemangel in der Elektrobranche ist so gravierend, dass auch eine Steigerung um 18 Prozent den Bedarf nicht vollständig deckt. Experten schätzen, dass österreichweit mindestens 2.000 zusätzliche Elektrotechniker pro Jahr benötigt werden, um den steigenden Bedarf zu decken.

Die Energiewende verstärkt diesen Trend noch. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung des Verkehrs und die Digitalisierung der Industrie schaffen zusätzlichen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig bieten diese Entwicklungen aber auch attraktive neue Arbeitsfelder für den Nachwuchs.

Digitalisierung als Chance und Herausforderung

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Rekrutierung, sondern auch die Berufsbilder selbst. Moderne Elektriker arbeiten zunehmend mit Software, programmieren Systeme und müssen sich kontinuierlich weiterbilden. Diese Entwicklung macht die Berufe anspruchsvoller, aber auch attraktiver für technikaffine Jugendliche.

#JoinTheFuture hat gezeigt, dass digitale Kommunikation der Schlüssel zur erfolgreichen Nachwuchsgewinnung ist. Die Fortsetzung der Kampagne bis 2026 signalisiert, dass die beteiligten Organisationen langfristig denken und den eingeschlagenen Weg konsequent verfolgen wollen.

Erfolgsmodell mit Vorbildcharakter

Die Erfolgsstory von #JoinTheFuture könnte Schule machen. Andere Branchen, die ebenfalls mit Nachwuchssorgen kämpfen, beobachten die Entwicklung aufmerksam. Die Kombination aus modernen Kommunikationswegen, authentischer Ansprache und messbaren Erfolgen bietet ein Modell, das auch in anderen Bereichen funktionieren könnte.

Entscheidend ist dabei die Bereitschaft, etablierte Denkweisen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. #JoinTheFuture hat bewiesen, dass Minecraft und Elektrotechnik keinen Widerspruch darstellen, sondern sich ideal ergänzen können. Diese Erkenntnis dürfte auch für andere Branchen wertvoll sein, die junge Talente für sich gewinnen wollen.

Österreichs Elektrobranche ist mit dieser innovativen Herangehensweise nicht nur dem demografischen Wandel begegnet, sondern hat auch internationale Anerkennung gefunden. Die Fortsetzung der Kampagne bis 2026 zeigt: Der Kampf um die besten Köpfe wird digital geführt – und Österreich ist dabei ganz vorne mit dabei.

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