In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in städtischen Wohnräumen leben und die sozialen Verbindungen zwischen Nachbarn oft oberflächlich bleiben, zeigt eine aktuelle Umfrage von ImmoScout24, was
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in städtischen Wohnräumen leben und die sozialen Verbindungen zwischen Nachbarn oft oberflächlich bleiben, zeigt eine aktuelle Umfrage von ImmoScout24, was Österreicherinnen und Österreicher wirklich von ihren Nachbarn erwarten. Das Ergebnis überrascht: Es sind nicht die großen Gesten, die eine gute Nachbarschaft ausmachen, sondern die kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit und des Respekts im Alltag. Eine repräsentative Befragung von 500 Personen zwischen 18 und 65 Jahren offenbart interessante Einblicke in das nachbarschaftliche Miteinander im modernen Österreich.
Die Umfrage, die im November 2025 von der Innofact AG durchgeführt wurde, bringt einen klaren Trend ans Licht: 53 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher sehen echtes Interesse am Gegenüber als wichtigste Eigenschaft eines guten Nachbarn. Dies bedeutet konkret, dass ein freundliches Gespräch im Stiegenhaus, ein kurzer Plausch beim Briefkasten oder ein interessiertes Nachfragen nach dem Befinden geschätzt werden. Diese Form der zwischenmenschlichen Verbindung steht im deutlichen Kontrast zu dem, was viele als moderne Anonymität in Wohnhäusern wahrnehmen.
Besonders interessant ist dabei die demografische Verteilung: Frauen zeigen mit 56 Prozent eine noch stärkere Präferenz für den persönlichen Austausch als Männer. Ebenso legen Menschen über 40 Jahren mit 57 Prozent deutlich mehr Wert auf nachbarschaftlichen Kontakt als jüngere Bewohnerinnen und Bewohner. Diese Unterschiede spiegeln möglicherweise verschiedene Lebensphasen und Bedürfnisse wider – während jüngere Menschen oft stärker auf ihre Privatsphäre bedacht sind, schätzen ältere Bewohner den sozialen Kontakt in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld mehr.
Beinahe ebenso wichtig wie das persönliche Interesse ist für 49 Prozent der Befragten die rechtzeitige Ankündigung von möglichen Lärmbelästigungen. Ob geplante Renovierungsarbeiten, eine Geburtstagsfeier oder das Aufstellen neuer Möbel – die Vorabinformation der Nachbarn wird als Zeichen des Respekts und der Rücksichtnahme gewertet. Diese Einstellung zeigt, wie wichtig es den Österreicherinnen und Österreichern ist, in ihrer eigenen Wohnung ungestört entspannen zu können, ohne dabei ein grundsätzlich schlechtes Verhältnis zu den Nachbarn aufzubauen.
Die Bedeutung dieser vorausschauenden Kommunikation wird besonders in dicht besiedelten städtischen Gebieten wie Wien, Graz oder Salzburg deutlich, wo Hellhörige Altbauwohnungen und enge Bebauung die Geräuschübertragung zwischen den Wohneinheiten verstärken. In solchen Umgebungen kann eine simple Nachricht über geplante Aktivitäten den Unterschied zwischen nachbarschaftlichem Ärger und Verständnis ausmachen.
Die Erkenntnisse der ImmoScout24-Umfrage stehen im Kontext einer gesellschaftlichen Entwicklung, die bereits seit mehreren Jahrzehnten zu beobachten ist. Während in ländlichen Gebieten Österreichs traditionell engere nachbarschaftliche Beziehungen gepflegt wurden – man denke an die klassische Dorfgemeinschaft mit ihren gegenseitigen Hilfestellungen und dem ausgeprägten sozialen Zusammenhalt – hat die zunehmende Urbanisierung und Individualisierung zu veränderten Erwartungen an das Zusammenleben geführt.
Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang von der „neuen Nachbarschaft