Nach sechs Jahren kontinuierlichen Rückgangs zeigen sich im österreichischen Gewerbe und Handwerk erstmals wieder zaghafte Hoffnungszeichen. Während 2025 erneut mit einem realen Minus von 3,3 Prozent abschloss, verzeichnen baunahe Branchen zu Jahresbeginn 2026 deutliche Steigerungen im Auftragsbestand.
Nach sechs Jahren kontinuierlichen Rückgangs zeigen sich im österreichischen Gewerbe und Handwerk erstmals wieder zaghafte Hoffnungszeichen. Während 2025 erneut mit einem realen Minus von 3,3 Prozent abschloss, verzeichnen baunahe Branchen zu Jahresbeginn 2026 deutliche Steigerungen im Auftragsbestand. Das könnte ein Vorbote einer Trendwende am Bau sein, die nach und nach in den nachgelagerten Branchen ankommen sollte, so Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich.
Die aktuellen Zahlen der KMU Forschung Austria zeigen: 2025 verzeichnete einen nominellen Umsatzrückgang von 0,6 Prozent, real sogar minus 3,3 Prozent.
Zu den Branchen mit deutlichen Zuwächsen im Auftragsbestand im ersten Quartal 2026 zählen Maler und Tapezierer (+10,7 Prozent), Hafner, Platten- und Fliesenleger (+14 Prozent), das Baugewerbe (+15,5 Prozent) sowie die chemischen Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (+20 Prozent).
In den konsumnahen Branchen war die Entwicklung im ersten Quartal hingegen stärker negativ: Nur 13 Prozent der Betriebe berichten von Umsatzsteigerungen, 33 Prozent meldeten Rückgänge. Der Saldo bleibt mit -20 Prozentpunkten deutlich negativ. Noch auf der besseren Seite lagen Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure mit einem negativen Saldo von -3 Prozentpunkten, am schwierigsten war die Lage für Fahrzeugtechnik (-34 Prozentpunkte), Berufsfotografie (-33), Mechatronik (-28) und Lebensmittelgewerbe (-21).
Nur 36 Prozent der Betriebe tätigten 2025 Investitionen; diese fielen mit durchschnittlich 3.100 Euro je Beschäftigten um 10 Prozent niedriger aus als im Jahr davor. "Die Betriebe sind sehr vorsichtig. Das ist der niedrigste Wert seit 2010, seit wir diesen Indikator erfassen", erklärt Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. Für 2026 planten nur 34 Prozent der Betriebe Investitionen.
Bei den Herausforderungen, mit denen die Betriebe aktuell zu kämpfen haben, dominieren Kostenfaktoren. Die am häufigsten genannten Probleme sind: Steuern und Abgaben (54 Prozent), Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien (50 Prozent), Bürokratie und Verwaltung (46 Prozent), Arbeitskosten (46 Prozent), Preiskonkurrenz (44 Prozent), Preissteigerungen bei Energie (43 Prozent), Fachkräftemangel (36 Prozent) und schwache Kundennachfrage (35 Prozent).
Die Befragung startete kurz vor der Eskalation des Iran-Konfliktes; die stark gestiegenen Energiekosten sind somit nur teilweise abgebildet. "Die Betriebe brauchen jetzt dringend Planungssicherheit und Entlastung von den hohen Energiekosten. Die Lehre aus den vorangegangenen Krisen ist: Wer rasch die Kosten dämpft, verhindert eine Inflationsspirale, die dem Standort abermals massiv schaden würde", betont Manfred Denk.
Er fordert, dass energieintensive Branchen im Gewerbe und Handwerk bei Kompensationszahlungen nach dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) ebenfalls berücksichtigt werden. Eine effektive und wirkungsstarke Wettbewerbskontrolle soll national und auf EU-Ebene verhindern, dass Großlieferanten die Krise als Vorwand für Angebotsverknappungen oder Preissteigerungen nützen. Und die strategische Gasreserve in Österreich soll dazu beitragen, Preisspitzen zu vermeiden.
Das Gewerbe und Handwerk war mit knapp 44.000 Lehrlingen Ende 2025 weiterhin der mit Abstand größte Lehrlingsausbilder des Landes. Die Betriebe klagen jedoch über mangelnde Unterstützung, während der Aufwand massiv gestiegen ist – zeitlich, personell, finanziell. Denk weist darauf hin, dass sich die Lehrlingseinkommen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. "Die Ausbildungsbetriebe investieren pro Jahr 3 Milliarden Euro in die Lehrlinge. Sie sorgen dafür, dass die Lehre attraktiv bleibt. Es ist der Staat, der sich aus der Verantwortung stiehlt."
Oftmals sollen die Betriebe in drei Lehrjahren kompensieren, was das staatliche Schulsystem in neun Jahren nicht geschafft hat. Und auch die Unterdeckung bei der Betrieblichen Lehrstellenförderung ist immer noch ungelöst. Die Auszahlung der Förderung – die maximal 15 Prozent der Lehrlingseinkommen abdeckt, den Rest finanzieren die Betriebe – wird weiterhin von Sozial- und Finanzministerium blockiert. Denk fordert eine nachhaltige und dauerhafte Finanzierung; eine Kürzung der Lehrlingsförderung sei völlig inakzeptabel.