Neues Projekt „FLODO – KIDS 4 KLIMA
Ab 2026 lernen bis zu 50 Schulklassen in Floridsdorf durch Workshops und Exkursionen, wie Klimaschutz im Alltag funktioniert.
Klimaschutz ist längst kein abstraktes Thema mehr, das nur in Nachrichtensendungen oder bei internationalen Konferenzen diskutiert wird. In Wien geht man nun einen Schritt weiter und bringt das Thema direkt dorthin, wo es die nächste Generation erreicht: in die Schulen. Mit dem Projekt „FLODO – KIDS 4 KLIMA" startet im Frühjahr 2026 in Floridsdorf eine Initiative, die Jugendlichen Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch erklärt, sondern praktisch erlebbar macht.
Das Besondere an diesem Vorhaben: Es entstand nicht am Reißbrett einer Behörde, sondern direkt aus der Bevölkerung. Im Rahmen des Wiener Klimateams, einem partizipativen Mitmachprojekt der Stadt, wurde die Idee von Floridsdorfer Bürgerinnen und Bürgern eingebracht und gemeinsam mit Expertinnen, Experten sowie Bezirksvertreterinnen und -vertretern weiterentwickelt. Eine repräsentativ geloste Jury wählte das Projekt schließlich zur Umsetzung aus – neben 20 weiteren Initiativen, die aus dem Klimateam-Prozess hervorgingen.
Das Wiener Klimateam existiert seit 2022 und hat bisher mehr als 5.000 Ideen aus elf Bezirken gesammelt. Daraus entstanden bereits 75 konkrete Projekte, die schrittweise umgesetzt werden – von begrünten Fassaden über Naturlehrpfade bis hin zu neuen öffentlichen Begegnungsräumen. Mit „FLODO – KIDS 4 KLIMA" kommt nun erstmals ein umfassendes Bildungsangebot für Jugendliche hinzu.
Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Schulstufe. Zwischen 16. März und 29. Mai 2026 finden sieben Thementage statt, an denen jeweils drei bis zehn Klassen teilnehmen können. Insgesamt ist das Angebot für rund 50 Klassen aus dem 21. Bezirk ausgelegt. Die Anmeldung erfolgt über die Website von WIENXTRA, der Organisation, die das Projekt konzipiert und umsetzt.
Die Thementage behandeln unterschiedliche Aspekte des Klimaschutzes, die alle einen direkten Bezug zum Alltag der Jugendlichen haben. Es geht um Mikroplastik in Alltagsprodukten, um das Recycling von Smartphones, um die Problematik von Fast Fashion, um Lärmbelastung im städtischen Raum und um die Bedeutung regionaler Lebensmittel. Dabei steht nicht trockene Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern aktives Erleben und Ausprobieren.
Die Workshops setzen auf unmittelbare Erfahrungen und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit lokalen Partnerinnen und Partnern aus dem Bezirk wird geforscht, gemessen, gebaut und diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler bereiten beispielsweise alte Smartphones für das Recycling vor und lernen dabei, welche wertvollen Rohstoffe in den Geräten stecken und wie deren Wiedergewinnung funktioniert. An anderer Stelle testen sie Kosmetik- und Pflegeprodukte auf Mikroplastik und erfahren, welche Auswirkungen diese winzigen Kunststoffteilchen auf Umwelt und Gesundheit haben.
Ein weiterer Workshop widmet sich dem Bau von Nisthilfen für Wildbienen. Hier wird nicht nur handwerklich gearbeitet, sondern auch Wissen über die Bedeutung von Bestäuberinsekten für unser Ökosystem vermittelt. Bei Exkursionen messen die Jugendlichen die Lärmbelastung an verschiedenen Orten in der Stadt und setzen sich mit den gesundheitlichen Folgen von Dauerlärm auseinander. Besuche am Floridsdorfer Markt eröffnen Einblicke in regionale Lebensmittelproduktion und kurze Transportwege.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont die Bedeutung des lokalen Ansatzes: Wenn junge Menschen erleben, wie sie im Bezirk konkret etwas verändern können, werde aus Wissen echtes Handeln. Genau das ist das Ziel des Projekts: Globale Klimafragen werden mit der eigenen Lebenswelt verbunden und zeigen konkrete Handlungsmöglichkeiten auf.
Der Schulweg, das eigene Smartphone, der Kleiderschrank oder die Jausenbox – all das sind Bereiche, in denen Jugendliche täglich Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf das Klima haben. Das Projekt will Bewusstsein dafür schaffen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Stattdessen sollen Klimakompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungsmut gefördert werden.
Bildungsstadträtin Bettina Emmerling hebt den Mehrwert für den Schulunterricht hervor: Nachhaltigkeit lasse sich am besten begreifen, wenn sie praktisch erfahrbar werde. Die Workshops eröffneten Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven auf Umwelt, Konsum und Berufsfelder. Ein wichtiger Aspekt dabei: Das Projekt unterstützt auch Lehrkräfte bei der Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen, die in den Lehrplänen zunehmend verankert werden, aber oft schwer greifbar zu machen sind.
Die thematische Breite des Programms bietet Anknüpfungspunkte für verschiedene Unterrichtsfächer – von Biologie über Geographie bis hin zu Wirtschaftskunde. Gleichzeitig ermöglicht der außerschulische Lernort andere Zugänge als der reguläre Unterricht im Klassenzimmer.
Umgesetzt wird das Projekt von der WIENXTRA-Stadtbox, einer Einrichtung, die sich auf Mitgestaltung und Stadterkundung spezialisiert hat. Alexandra Beweis, Leiterin der WIENXTRA-Stadtbox, erklärt den Ansatz: In der Stadtbox lernen Jugendliche, wie sie ihre Umgebung mitgestalten können. „FLODO – KIDS 4 KLIMA" bringe diese Erfahrung direkt in den Alltag der Jugendlichen – in ihre unmittelbare Lebenswelt im Bezirk. Genau dort entstehe Verständnis und Motivation, selbst etwas zu verändern.
WIENXTRA ist eine Organisation der Stadt Wien, die vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche bereitstellt – von Festen und Musik über Kino bis hin zu Bildungs- und Spielangeboten. Die Stadtbox arbeitet zudem mit verschiedenen Magistratsabteilungen zusammen, um Kinder- und Jugendperspektiven systematisch in Planungen und Entscheidungsprozesse einzubinden.
Bezirksvorsteher Georg Papai unterstreicht die Bedeutung des Projekts für Floridsdorf. Der 21. Bezirk sei ein vielfältiger Bezirk mit vielen jungen Menschen. Mit dem Klimabildungsprojekt werde Klimaschutz dorthin geholt, wo er wirke: direkt in den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Es sei wichtig, junge Menschen früh einzubinden und ihnen Räume zu geben, in denen sie lernen, ausprobieren und mitgestalten könnten.
Floridsdorf ist mit mehr als 170.000 Einwohnerinnen und Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Bezirke Wiens. Die Altersstruktur ist dabei vergleichsweise jung, was das Gebiet für ein solches Bildungsprojekt besonders geeignet macht. Zahlreiche Schulen verschiedener Schultypen bieten die nötige Infrastruktur, um eine breite Teilnahme zu ermöglichen.
Den Höhepunkt des Projekts bildet ein gemeinsames Outdoor-Fest am 18. Juni 2026. Bei dieser Veranstaltung präsentieren die teilnehmenden Jugendlichen ihre Erkenntnisse und Ideen – sichtbar für den gesamten Bezirk. Damit wird nicht nur das Gelernte gewürdigt, sondern auch eine Brücke in die breitere Öffentlichkeit geschlagen.
Diese Form des Abschlusses ist bewusst gewählt: Die Jugendlichen sollen erleben, dass ihre Arbeit und ihre Ideen einen Wert haben und dass sie gehört werden. Gleichzeitig können sie als Multiplikatoren wirken und ihr neu gewonnenes Wissen an Familien, Freundinnen und Freunde weitergeben.
Ob das Floridsdorfer Pilotprojekt auch in anderen Wiener Bezirken umgesetzt werden könnte, wird sich zeigen. Das Wiener Klimateam ist derzeit in der Josefstadt und in Penzing aktiv, wobei auch dort neue Projekte entstehen könnten. Der partizipative Ansatz – von der Bürgeridee über die gemeinsame Entwicklung bis zur Umsetzung – hat sich jedenfalls als erfolgreiches Modell erwiesen.
Mit bereits 75 umgesetzten Projekten aus dem Klimateam-Prozess zeigt sich, dass Bürgerinnen und Bürger nicht nur Ideen haben, sondern diese auch in realisierbare Konzepte umwandeln können, wenn sie entsprechend unterstützt werden. „FLODO – KIDS 4 KLIMA" ist das erste Projekt dieser Art, das sich gezielt an junge Menschen richtet und Klimabildung mit praktischen Erfahrungen verbindet.
Schulklassen aus Floridsdorf können sich ab sofort über die Website wienxtra.at für die Thementage anmelden. Die Plätze sind auf rund 50 Klassen begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird daher empfohlen. Die Teilnahme ist kostenlos und wird vollständig von der Stadt Wien finanziert.
Für Lehrkräfte bietet das Projekt eine unkomplizierte Möglichkeit, Nachhaltigkeitsthemen außerhalb des Klassenzimmers zu behandeln. Die Organisation liegt bei WIENXTRA, sodass der administrative Aufwand für die Schulen gering bleibt. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Thementagen und den Anmeldemodalitäten finden sich auf der genannten Website sowie beim Wiener Klimateam unter klimateam.wien.gv.at.