Verpflichtende Fachpflege und Verdoppelung der Förderung gefordert
Interessenvertretung kritisiert mangelnde Standards in der 24-Stunden-Betreuung und fordert strukturelle Reformen für bessere Qualitätssicherung.
Die Diskussion um die Qualität der 24-Stunden-Betreuung in Österreich erhält neuen Schwung: Die Interessenvertretung Fachpflegeagenturen 24h-Betreuung fordert eine grundlegende Reform des Systems mit klaren Qualitätsstandards und verpflichtender fachpflegerischer Begleitung. Der Verein sieht dringenden Handlungsbedarf bei der strukturellen Neuausrichtung des Betreuungsmodells.
Für tausende Familien in Österreich stellt die 24-Stunden-Betreuung die Grundlage dafür dar, dass pflegebedürftige Angehörige weiterhin in den eigenen vier Wänden leben können. Das Betreuungsmodell hat sich als wichtiger Baustein im österreichischen Pflegesystem etabliert und ermöglicht vielen Menschen ein Leben in vertrauter Umgebung statt im Pflegeheim.
Doch trotz der hohen Bedeutung für Betroffene und deren Familien sieht die Interessenvertretung erhebliche Mängel in der aktuellen Ausgestaltung. "Dauerhafte Betreuung braucht klare fachliche Verantwortung und verbindliche Qualitätssicherung", betont der Verein und verweist auf bestehende Defizite bei Standards und Kontrollmechanismen.
Nach Ansicht der Interessenvertretung fehlt es derzeit an einheitlichen Standards, klar definierten Ausbildungsanforderungen und wirksamen Kontrollmechanismen. Diese Situation führe zu unterschiedlichen Qualitätsniveaus bei der Betreuung und erschwere es Familien, verlässliche und professionelle Unterstützung zu finden.
Besonders kritisch sieht der Verein das Fehlen einer strukturell verankerten fachpflegerischen Begleitung. Qualitätsvolle Betreuung könne nur dann gewährleistet werden, wenn diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) verpflichtend an die Agenturen angebunden sind. Diese Fachkräfte müssten regelmäßig evaluierend tätig sein, Betreuungssettings fachlich begleiten und qualitätssichernde Verantwortung übernehmen.
Die Interessenvertretung hat ihre Vorstellungen für eine Reform in drei konkreten Forderungen zusammengefasst:
Als zentrale Forderung steht die verpflichtende Anbindung diplomierter Gesundheits- und Krankenpflegepersonen an 24-Stunden-Agenturen. Diese strukturelle Maßnahme soll die Fachpflegebegleitung und Qualitätssicherung systematisch verankern. Dadurch würde sich das Qualitätsniveau der Betreuung österreichweit vereinheitlichen und professionalisieren.
Die zweite Kernforderung betrifft die finanzielle Ausstattung des Systems. Die Interessenvertretung fordert eine Verdoppelung der Förderung durch das Bundessozialministeriumservice, da die bestehenden Förderbeträge nicht ausreichen würden, um qualitätsgesicherte 24-Stunden-Betreuung inklusive verpflichtender Fachpflegebegleitung sicherzustellen.
Eine solche Anpassung sei notwendig, um strukturierte Qualitätssicherung, faire Betreuungsmodelle und nachhaltige Entlastung der Familien zu ermöglichen. Die höheren Kosten für professionelle Standards müssten durch entsprechende öffentliche Unterstützung abgefedert werden, um das System für Familien leistbar zu halten.
Als dritten Punkt fordert die Interessenvertretung eine deutliche Anhebung der Einkommens- bzw. Pensionsgrenze von derzeit 2.500 Euro auf 4.055 Euro. Die bestehende Obergrenze sei nicht mehr zeitgemäß und schließe insbesondere Angehörige der Mittelschicht trotz hoher finanzieller Belastung vom Fördersystem aus.
Diese Anpassung würde den Kreis der förderberechtigten Familien erheblich erweitern und dem gestiegenen Einkommensniveau in Österreich Rechnung tragen. Viele Familien, die sich derzeit knapp über der Fördergrenze bewegen, könnten dann von staatlicher Unterstützung profitieren.
"Qualität darf kein Luxus sein. Sie muss Standard werden – finanziell abgesichert und gesetzlich verankert", unterstreicht die Interessenvertretung ihre Position. Diese Aussage bringt die grundsätzliche Kritik am derzeitigen System auf den Punkt: Hochwertige Betreuung dürfe nicht vom Geldbeutel der Familien abhängen, sondern müsse als Grundrecht aller pflegebedürftigen Menschen verstanden werden.
Die geforderten Reformen zielen darauf ab, ein zweiklassiges System zu vermeiden, in dem sich nur wohlhabende Familien eine professionelle Betreuung leisten können. Stattdessen soll ein einheitlich hoher Standard für alle Nutzer der 24-Stunden-Betreuung geschaffen werden.
Die Forderungen der Interessenvertretung kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die 24-Stunden-Betreuung ohnehin im Fokus der politischen Diskussion steht. Der demografische Wandel und die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen machen Reformen im Pflegesystem unausweichlich.
Die 24-Stunden-Betreuung wird dabei als zentraler Pfeiler des österreichischen Pflegesystems betrachtet. Um Sicherheit, Professionalität und Würde nachhaltig zu gewährleisten, seien nun klare politische Entscheidungen erforderlich, so die Interessenvertretung.
Die Umsetzung der geforderten Reformen würde erhebliche finanzielle Mittel erfordern. Die Verdoppelung der Förderung und die Ausweitung des berechtigten Personenkreises würden die öffentlichen Ausgaben für die 24-Stunden-Betreuung deutlich erhöhen. Gleichzeitig müssten ausreichend diplomierte Pflegekräfte für die geforderte fachliche Begleitung zur Verfügung stehen.
Dennoch argumentiert die Interessenvertretung, dass die Investition in Qualitätsstandards langfristig sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem vorteilhaft sei. Professionelle Betreuung könne Pflegenotfälle verhindern und damit teurere Behandlungen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen vermeiden.
Die Forderungen der Interessenvertretung Fachpflegeagenturen werden voraussichtlich in die laufenden Diskussionen um eine Reform des österreichischen Pflegesystems einfließen. Ob und in welcher Form die Politik auf die Vorschläge reagieren wird, bleibt abzuwarten.
Klar ist jedoch, dass der Handlungsdruck im Bereich der 24-Stunden-Betreuung steigt. Die Kombination aus demografischem Wandel, steigenden Qualitätsansprüchen und knappen öffentlichen Mitteln macht strukturelle Reformen unausweichlich. Die Vorschläge der Interessenvertretung könnten dabei als Grundlage für eine zukunftsfähige Neuausrichtung des Systems dienen.