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EU schließt Solarthermie aus Industrieförderung aus

13. März 2026 um 10:27
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Die Europäische Union benachteiligt mit ihrer jüngsten Gesetzesinitiative heimische Solarthermieproduzenten massiv. Während Atomenergie, Windkraft und Photovoltaik als strategische Technologien im ...

Die Europäische Union benachteiligt mit ihrer jüngsten Gesetzesinitiative heimische Solarthermieproduzenten massiv. Während Atomenergie, Windkraft und Photovoltaik als strategische Technologien im neuen Industrial Accelerator Act (IAA) gefördert werden, bleibt die Solarthermie außen vor. Dies kritisierte der freiheitliche EU-Parlamentarier Roman Haider am Donnerstag scharf und sprach von einer "ideologischen Fehlentscheidung" der EU-Kommission.

Industrial Accelerator Act bevorzugt importabhängige Technologien

Der Industrial Accelerator Act, der ursprünglich als Instrument zur Stärkung der europäischen Industrieproduktion konzipiert wurde, soll "Made in Europe" bei öffentlicher Beschaffung fördern und Regelungen gegen eine Dominanz außereuropäischer Investoren in kritischen Branchen schaffen. Die Solarthermie wurde jedoch kurzfristig aus wichtigen Teilen des Gesetzesentwurfs gestrichen - eine Entscheidung, die besonders österreichische Unternehmen hart trifft.

Die Solarthermie-Technologie nutzt Sonnenkollektoren zur direkten Erwärmung von Wasser oder anderen Wärmeträgern. Im Gegensatz zur Photovoltaik, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandelt, konzentriert sich die Solarthermie ausschließlich auf die Wärmeerzeugung. Diese Technologie gilt als besonders effizient für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung in Gebäuden und erreicht Wirkungsgrade von bis zu 80 Prozent.

Österreich zählt traditionell zu den führenden Nationen in der Solarthermieindustrie. Unternehmen wie GREENoneTEC aus Kärnten oder S.O.L.I.D. aus der Steiermark haben sich international einen Namen gemacht und exportieren ihre Produkte weltweit. Die heimische Solarthermiebranche beschäftigt rund 3.000 Menschen direkt und weitere 2.000 in vor- und nachgelagerten Bereichen.

Unlauterer Wettbewerb durch chinesische Dumping-Preise

Besonders problematisch ist die aktuelle Wettbewerbssituation für europäische Solarthermiehersteller. Massive Importe von gedumpten Photovoltaik-Modulen aus China zu extrem niedrigen Preisen stehen in direkter Konkurrenz zu Solarthermiekollektoren. Diese unfairen Handelspraktiken haben bereits zu erheblichen Marktverzerrungen geführt und mehrere europäische Solarthermieunternehmen in Existenznöte gebracht.

Die Preisunterschiede sind dramatisch: Während ein europäischer Solarkollektor zwischen 300 und 500 Euro kostet, werden chinesische PV-Module für teilweise unter 100 Euro angeboten. Diese Preise liegen oft unter den Produktionskosten europäischer Hersteller und werden durch massive staatliche Subventionen in China ermöglicht. Das Dumping hat bereits zu einem Marktanteilsverlust europäischer Unternehmen von über 60 Prozent in den vergangenen fünf Jahren geführt.

Absurde Prioritätensetzung bei Energietechnologien

Die Entscheidung der EU-Kommission führt zu paradoxen Situationen: Atomenergie gilt plötzlich als förderwürdiger als Solarthermie oder Biomasse. Diese Prioritätensetzung steht im krassen Widerspruch zu den Klimazielen der Europäischen Union und dem erklärten Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Während die EU einerseits den Green Deal propagiert, benachteiligt sie andererseits bewährte und umweltfreundliche Technologien.

Besonders problematisch ist die Förderung von Wärmepumpen im IAA. Zwar werden 80 Prozent der Wärmepumpen in Europa montiert, jedoch stammen 90 Prozent der kritischen Kompressoren aus China und 50 Prozent der Außengeräte ebenfalls aus Asien. Die EU fördert damit faktisch eine Branche, die stark von asiatischen Importen abhängig ist, während sie heimische, unabhängige Technologien vernachlässigt.

Strategische Rohstoffe: Glas komplett vergessen

Ein weiterer kritischer Punkt ist das völlige Fehlen von Glas bei den strategischen Grundstoffen. Neben Stahl, Zement, Aluminium und Chemikalien wurde Glas nicht in die Liste aufgenommen, obwohl es für Energieeffizienz unverzichtbar ist. Glas ist extrem energieintensiv in der Herstellung und gleichzeitig essentiell für moderne Energietechnologien wie Drei-Scheiben-Isolierglas oder Solarglas.

Die Glasindustrie verbraucht etwa 2,5 Prozent des gesamten industriellen Energiebedarfs in Europa und ist besonders anfällig für Energiepreisschwankungen. Österreichische Glashersteller wie Vetropack oder Lisec sind Weltmarktführer in ihren Segmenten und beschäftigen mehrere tausend Mitarbeiter. Ihr Ausschluss aus der strategischen Förderung könnte langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Auswirkungen auf österreichische Energieunabhängigkeit

Für Österreich sind die Auswirkungen des EU-Beschlusses besonders gravierend. Das Land hat sich ehrgeizige Ziele zur Energieunabhängigkeit gesetzt und will bis 2030 den Stromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Die Solarthermie spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie besonders effizient für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung eingesetzt werden kann.

Österreichische Haushalte könnten durch verstärkte Solarthermienutzung ihre Energiekosten um durchschnittlich 400 bis 600 Euro pro Jahr senken. Bei rund 4 Millionen Haushalten entspricht dies einem volkswirtschaftlichen Einsparpotenzial von bis zu 2,4 Milliarden Euro jährlich. Diese Chance wird durch die EU-Entscheidung erheblich erschwert.

Die heimische Solarthermiebranche warnt bereits vor Produktionsverlagerungen ins Ausland. Ohne entsprechende EU-Förderung könnten bis zu 1.500 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet sein. Besonders betroffen wären die Bundesländer Kärnten, Steiermark und Oberösterreich, wo sich die meisten Produktionsstandorte befinden.

Internationale Vergleiche zeigen Österreichs Vorreiterrolle

Im internationalen Vergleich nimmt Österreich bei der Solarthermie eine Spitzenposition ein. Pro Kopf verfügt das Land über die zweitgrößte installierte Solarthermiefläche in Europa - nur Zypern liegt davor. Mit 5,1 Quadratmetern pro 1.000 Einwohner übertrifft Österreich Deutschland (1,2 m²) und die Schweiz (1,8 m²) deutlich.

Deutschland hat bereits erkannt, wie wichtig die Solarthermie für die Energiewende ist und fördert die Technologie mit einem eigenen Marktanreizprogramm. Auch die Schweiz investiert massiv in die Solarthermieforschung und -entwicklung. Österreich droht nun, seinen Vorsprung durch die fehlende EU-Unterstützung zu verlieren.

Technologieoffenheit versus ideologische Bevorzugung

Die Kritik an der mangelnden Technologieoffenheit der EU-Kommission ist berechtigt. Während bei der Elektromobilität verschiedene Antriebstechnologien parallel gefördert werden, herrscht bei den Energietechnologien eine einseitige Bevorzugung bestimmter Bereiche. Dies widerspricht dem Prinzip der Technologieneutralität, das eigentlich eine Grundsäule der EU-Innovationspolitik darstellt.

Experten kritisieren, dass politische Präferenzen über wissenschaftliche Erkenntnisse gestellt werden. Die Solarthermie hat in vielen Anwendungsbereichen einen höheren Wirkungsgrad als andere erneuerbare Technologien und ist deutlich kostengünstiger als beispielsweise Wärmepumpen oder Biomasseanlagen. Dennoch wird sie systematisch benachteiligt.

Zukunftsperspektiven für die heimische Solarthermiebranche

Trotz der aktuellen Rückschläge sehen Branchenexperten durchaus Chancen für die österreichische Solarthermieindustrie. Die steigenden Energiepreise und das wachsende Umweltbewusstsein der Verbraucher könnten zu einer Renaissance der Technologie führen. Insbesondere die Kombination von Solarthermie mit Wärmepumpen oder die Integration in Fernwärmenetze bietet erhebliches Potenzial.

Innovative österreichische Unternehmen entwickeln bereits Hybrid-Kollektoren, die gleichzeitig Wärme und Strom produzieren können. Diese PVT-Kollektoren (Photovoltaik-Thermie) erreichen Gesamtwirkungsgrade von über 90 Prozent und könnten der Branche neue Impulse verleihen. Auch die industrielle Prozesswärme bietet enormes Wachstumspotenzial für Solarthermieanwendungen.

Die österreichische Bundesregierung prüft derzeit nationale Förderprogramme als Reaktion auf die EU-Entscheidung. Bis zu 50 Millionen Euro könnten in den nächsten drei Jahren für die Solarthermieförderung bereitgestellt werden. Dies würde zumindest teilweise die fehlende EU-Unterstützung kompensieren und der heimischen Branche Planungssicherheit geben.

Langfristig bleibt zu hoffen, dass die EU ihre Entscheidung überdenkt und die Solarthermie doch noch in den Industrial Accelerator Act aufnimmt. Die Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, entsprechende Änderungsanträge einzubringen. Österreich sollte seine Vorreiterrolle nutzen und sich für eine Korrektur der einseitigen Technologiebevorzugung einsetzen. Nur so kann Europa tatsächlich energieunabhängiger werden und seine Klimaziele erreichen.

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