Energieautonomie 2050: Tirol setzt auf Ökostrom und Bioenergie
Elektrifizierung des Straßenverkehrs soll die meisten Einsparungen bringen
Tirol erreichte 2024 einen Rekordanteil von 60 % erneuerbarer Energien. Land nennt Ausbau von Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse als Bausteine für Energieautonomie 2050.
Tirol erreichte im Jahr 2024 einen Rekordanteil von 60 % erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch und übertraf damit laut Energiewende-Check des Österreichischen Biomasse-Verbands den Bundesschnitt von 43 %. In der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie ist das Ziel der Energieautonomie 2050 verankert; das Land nennt dort insbesondere Wasserkraft und Photovoltaik als auszubauende Bereiche.
Die Aussendung macht außerdem auf die Bedeutung der Elektrifizierung des Straßenverkehrs aufmerksam: "Elektrifizierung des Straßenverkehrs soll die meisten Einsparungen bringen", heißt es bereits im Untertitel der Mitteilung. Der Österreichische Biomasse-Verband fasst in seinem Länder-Check zentrale Zahlen und Schwerpunkte zusammen, die das Land Tirol für die kommenden Jahrzehnte nennt.
Tirols Rekord 2024: 60 % erneuerbare Energien am Endenergieverbrauch
Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch Tirols lag 2024 bei 60 %. Damit lag Tirol deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 43 %, wie der Energiewende-Check des Österreichischen Biomasse-Verbands feststellt. Als konkrete Maßnahmen für die Erreichung des Energieautonomie-Ziels 2050 werden in der Tiroler Strategie vorrangig der Ausbau von Wasserkraft und Photovoltaik genannt.
Ziele bis 2050: Stromanteil und Rolle der Bioenergie
Das Land Tirol strebt an, den Anteil von Strom am Endenergieeinsatz von derzeit 24 % auf 47 % zu steigern. Im künftigen fossilfreien Energiesystem soll Bioenergie nach Angaben der Aussendung eine substanzielle Rolle spielen: Sie soll im Jahr 2050 rund 18 % des Energiebedarfs decken. Tirol bezeichnet in seiner Strategie die Kombination aus Ökostrom-Ausbau und Bioenergie als zentrale Bestandteile der geplanten Energieautonomie.
Hoher CO2-Ausstoß in Gebäuden durch Erdgaseinsatz in Tourismusgemeinden
Die Sektoren Mobilität (37 %), Industrie (22 %) und Gebäude (19 %) verursachen in Tirol die höchsten Anteile am Treibhausgasausstoß. Auffällig sei laut Mitteilung der hohe Anteil des Gebäudesektors; im österreichweiten Bundesschnitt mache dieser nur 8,8 % aus. Während die Gebäudeemissionen im Bund seit 1990 um 54 % gesunken sind, betrage der Rückgang in Tirol nur 7,7 %.
Als Gründe nennt die Aussendung die starke Verbreitung von Ölheizungen in Haushalten und den hohen Gaseinsatz im Dienstleistungssektor, zu dem auch die Tiroler Tourismusbetriebe gezählt werden. Besonders hohe Erdgasverbräuche zeigen sich laut Text in touristisch geprägten Gemeinden wie dem hinteren Ötztal, dem hinteren Zillertal oder dem hinteren Paznaun. Der Dienstleistungsbereich decke seinen Energiebedarf für Raumklima und Warmwasser zu 58 % aus Erdgas; bei Haushalten liege dieser Anteil bei 9 %, dafür seien dort Ölheizungen stärker vertreten.
Holzenergie knapp vor Heizöl: Zahlen zu Raumwärme und Holzheizern
In Tirol liegt nach den genannten Daten Energieholz (Scheitholz, Pellets, Hackgut, Holzbriketts in Einzelfeuerungen) einen Prozentpunkt vor Heizöl und deckt gut 31 % des Tiroler Raumwärmebedarfs. Zusammen mit biogener Fernwärme komme die Biomasse auf fast 44 % des Raumwärmebedarfs.
Die Anzahl der Holzheizer sei seit 2003/04 um 18 % gestiegen und belaufe sich derzeit auf 61.500 Haushalte, was 18 % der Hauptwohnsitze entspreche, heißt es in der Mitteilung.
Tiroler Fernwärme zu 89 % aus Biomasse – zwölf Heizwerke der Größe Imst genannt
Die Anzahl der Fernwärmeanschlüsse sei in den letzten 20 Jahren um mehr als das 2,5-fache gestiegen. Tirol erreiche beim Anteil erneuerbarer Fernwärme fast 89 % und liege damit deutlich über dem Bundesschnitt von 57 %. Mit Ausnahme von 0,2 % Solarwärme handele es sich bei erneuerbarer Fernwärme um biogene Fernwärme.
Die Mitteilung weist darauf hin, dass infolge der Stilllegung von Ökostromanlagen nach Auslaufen der Fördertarife die Fernwärmeerzeugung aus Holzkraftwerken 2018 um rund 40 % zurückging und seitdem auf diesem Level verharrt. Der dadurch reduzierte Holzeinsatz sei zum Teil durch gesteigerte Wärmeproduktion der Heizwerke und verstärkte Nutzung für Prozesswärme in der Holzindustrie ausgeglichen worden.
Im Energieziel-Szenario Tirol 2050 wird laut Aussendung vorgesehen, Energieholz künftig vermehrt in Heizwerken und KWK-Anlagen einzusetzen. Der Anteil der Fernwärme am Endenergieverbrauch solle sich bis 2050 auf etwa 8 % verdoppeln. Um künftig eine Fernwärmeerzeugung von 1.583 GWh (2024: 900 GWh) zu ermöglichen, seien laut Land Tirol beispielsweise zwölf neue Biomasseheizwerke der Größenordnung Imst (ca. 22 MW) erforderlich; das erwähnte Werk in Imst sei das zweitgrößte Tiroler Biomasseheizwerk.
Begriffe: Fernwärme, Bioenergie, KWK, Endenergieverbrauch und Photovoltaik erklärt
Fernwärme
Fernwärme bezeichnet die zentrale Erzeugung von Wärme in Heizwerken oder Kraftwerken und deren Verteilung an angeschlossene Gebäude über ein Rohrleitungsnetz. In der Aussendung wird Fernwärme in Tirol weitgehend als biogen beschrieben, mit einem erneuerbaren Anteil von fast 89 %.
Bioenergie
Bioenergie meint in diesem Kontext die energetische Nutzung von biogenen Brennstoffen wie Scheitholz, Pellets, Hackgut und Holzbriketts sowie biogener Fernwärme. Laut Mitteilung soll Bioenergie im Jahr 2050 etwa 18 % des Energiebedarfs Tirols decken.
KWK (Kraft-Wärme-Kopplung)
KWK steht für Kraft-Wärme-Kopplung und beschreibt Anlagen, die gleichzeitig Strom und nutzbare Wärme erzeugen. Die Aussendung nennt KWK-Anlagen als vorgesehenen Einsatzort für Energieholz im Energieziel-Szenario Tirol 2050.
Endenergieverbrauch
Der Endenergieverbrauch ist die Energiemenge, die beim Endnutzer für unmittelbare Zwecke wie Mobilität, Heizung oder Produktion anfällt. In der Mitteilung werden Anteile am Endenergieverbrauch wie der 60-%-Anteil erneuerbarer Energien oder der geplante Stromanteil von 47 % bis 2050 genannt.
Photovoltaik
Photovoltaik bezeichnet die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mittels Solarzellen. In der Tiroler Strategie wird Photovoltaik neben Wasserkraft explizit als ausbaubare Erzeugungsform genannt.
Fragen und Antworten zur Energieautonomie 2050 in Tirol
Wie hoch war der Anteil erneuerbarer Energien in Tirol 2024?
Tirol erreichte 2024 einen Anteil von 60 % erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch. Das ist ein Wert, den der Energiewende-Check des Österreichischen Biomasse-Verbands explizit nennt und mit dem Tirol über dem österreichischen Bundesschnitt von 43 % liegt.
Welche Sektoren tragen am meisten zu den Treibhausgasemissionen in Tirol bei?
Nach den in der Mitteilung genannten Zahlen verursachen Mobilität 37 %, Industrie 22 % und Gebäude 19 % die höchsten Anteile am Treibhausgasausstoß in Tirol. Die Aussendung hebt hervor, dass der Gebäudesektor in Tirol im Verhältnis zum Bundesschnitt einen ungewöhnlich hohen Beitrag leistet.
Warum sind die Gebäudeemissionen in Tirol vergleichsweise hoch?
Die Mitteilung nennt zwei Ursachen: die starke Verbreitung von Ölheizungen in Haushalten und den hohen Erdgasverbrauch im Dienstleistungssektor, zu dem auch Tourismusbetriebe zählen. Besonders in touristisch geprägten Gemeinden wie dem hinteren Ötztal, dem hinteren Zillertal oder dem hinteren Paznaun sei der Erdgasverbrauch auffällig hoch.
Welche Rolle spielt Holzenergie in Tirol?
Holzenergie (Scheitholz, Pellets, Hackgut, Holzbriketts) liegt laut Mitteilung einen Prozentpunkt vor Heizöl und deckt gut 31 % des Raumwärmebedarfs. Zusammen mit biogener Fernwärme komme Biomasse auf fast 44 %; die Zahl der Holzheizer sei seit 2003/04 um 18 % auf 61.500 Haushalte gestiegen.
Wie ist die Situation der Fernwärme in Tirol beschrieben?
Tirol erreicht beim Anteil erneuerbarer Fernwärme fast 89 %, deutlich über dem Bundesschnitt von 57 %. Die Mitteilung weist darauf hin, dass die Fernwärmeerzeugung aus Holzkraftwerken 2018 infolge von Stilllegungen um rund 40 % zurückging und seitdem auf diesem Niveau verharrt.
Welche Ausbauziele nennt das Land Tirol für die Fernwärme?
Im Energieziel-Szenario Tirol 2050 soll der Anteil der Fernwärme am Endenergieverbrauch bis 2050 auf etwa 8 % steigen. Zur Erreichung einer Fernwärmeerzeugung von 1.583 GWh (gegenüber 900 GWh in 2024) nennt die Aussendung als Beispiel Bedarf an zwölf neuen Biomasseheizwerken der Größenordnung Imst (ca. 22 MW).
Quellen und Kontakt
Quellen: Österreichischer Biomasse-Verband, Energiewende-Check der Bundesländer und die in der Aussendung zitierten Zahlen und Szenarien des Landes Tirol. Die komplette Presseaussendung und Abbildungen sind auf der Website des Österreichischen Biomasse-Verbands verfügbar: https://www.biomasseverband.at/energieautonomie-2050-tirol-setzt-auf-oekostrom-und-bioenergie/
Kontakt: Österreichischer Biomasse-Verband, Ansprechpartner: Peter Liptay, Telefon: 06643082603, E-Mail: liptay[at]biomasseverband.at, Website: https://www.biomasseverband.at