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Chronik

Eltern in Not: Ferienchaos für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

8. August 2025 um 09:40
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In den Sommerferien, wenn die Sonne hoch am Himmel steht und die meisten Kinder unbeschwert durch Feriencamps und Freizeitprogramme toben, sieht die Welt für viele Familien in Österreich ganz anders aus. Besonders jene Familien, die Kinder mit chronischen Erkrankungen oder speziellen Unterstützungsb

In den Sommerferien, wenn die Sonne hoch am Himmel steht und die meisten Kinder unbeschwert durch Feriencamps und Freizeitprogramme toben, sieht die Welt für viele Familien in Österreich ganz anders aus. Besonders jene Familien, die Kinder mit chronischen Erkrankungen oder speziellen Unterstützungsbedarfen haben, stehen vor einer großen Herausforderung. Der Berufsverband Kinderkrankenpflege Österreich (BKKÖ) schlägt Alarm: Es fehlt an geeigneten Ferienbetreuungsangeboten für diese Kinder, was viele Familien an den Rand der Belastungsgrenze bringt.

Ein Alltag voller Herausforderungen

Mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche in Österreich leben mit chronischen Erkrankungen. Hinzu kommen zahlreiche Kinder mit seltenen oder lebensverkürzenden Diagnosen. Für ihre Familien bedeutet dies einen Alltag voller Herausforderungen. Die regulären schulischen und institutionellen Unterstützungsstrukturen entfallen in den Ferien, was die ohnehin schon schwierige Situation weiter verschärft. Während gesunde Kinder in Feriencamps und Freizeitprogrammen beschäftigt sind, gibt es kaum Angebote für Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf.

Ein flächendeckendes Versorgungsloch

Andrea Lukitsch aus dem Südburgenland berichtet: "Unser Sohn ist seit vielen Jahren schwer krank. Unser Alltag ist geprägt von Pflege rund um die Uhr, die uns alle sehr erschöpft. Wir bräuchten viel mehr Entlastung, damit wir das psychisch und körperlich schaffen." Diese Aussage spiegelt die Realität vieler Familien wider. Es fehlt an wohnortnahen, leistbaren und kindgerechten Entlastungsangeboten, insbesondere an Ferienbetreuung, Wochenendpflege oder kurzfristiger Urlaubspflege für Kinder mit hohem medizinischen und psychosozialen Unterstützungsbedarf. Stationäre Entlastungs- und Kurzzeitpflegeplätze sind rar, und spezielle pädiatrische Palliativbetten oder auf chronische Erkrankungen abgestimmte Settings sind kaum vorhanden.

Die Rolle der Eltern

Eltern, häufig Mütter, leisten die Pflege ihrer Kinder oft allein. Sie übernehmen rund um die Uhr medizinische, therapeutische und psychosoziale Aufgaben. Fehlende Entlastungsangebote, insbesondere in den Ferien, bedeuten nicht nur eine enorme Mehrbelastung, sondern verhindern auch Erholung und berufliche Perspektiven. "Wer rund um die Uhr pflegt, kann nicht gleichzeitig arbeiten oder auftanken. Ohne Entlastung droht vielen Familien der Kollaps", erklärt ein Vertreter von MOKI Burgenland.

Ein Appell an die Politik

Der Berufsverband Kinderkrankenpflege Österreich richtet einen dringenden Appell an die Gesundheits- und Sozialpolitik zur Schaffung umfangreicher Unterstützungsangebote für die betroffenen Familien. In einer Stellungnahme fordert der Verband die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz auf, folgende Maßnahmen umzusetzen:

  • Ausbau stationärer Entlastungs- und Kurzzeitpflegeangebote für Kinder mit hohem Pflegebedarf – kindgerecht, wohnortnah, flexibel und leistbar.
  • Einrichtung von wohnortnahen Entlastungspflegeplätzen, inklusive spezieller pädiatrischer Palliativbetten.
  • Wochenend- und Urlaubspflegeangebote zur kurzfristigen Entlastung von Familien.
  • Verzicht auf die Unterbringung von Kindern mit chronischen und lebensverkürzenden Erkrankungen auf Akutstationen – stattdessen Versorgung in kindgerechten, spezialisierten Settings.

Finanzielle und soziale Absicherung

Die finanzielle und soziale Absicherung pflegender Eltern ist ein weiterer wichtiger Punkt. Der Verband fordert:

  • Anpassung des Pflegegeldes an die realen Bedürfnisse von Kindern mit chronischen Erkrankungen – insbesondere im Kleinkindalter.
  • Anerkennung und sozialrechtliche Absicherung pflegender Elternteile – inklusive Pensionsansprüche und beruflicher Wiedereinstiegsmodelle.
  • Überarbeitung von Finanzierungsmodellen, um Therapie- und Entlastungsangebote nicht zur wirtschaftlichen Belastung werden zu lassen.

Therapie- und Unterstützungsangebote

Es braucht mehr kassenfinanzierte Therapieangebote, wie Musik-, Ergo- und Physiotherapie, durch qualifizierte Kindertherapeuten. Zudem ist psychosoziale Begleitung für Eltern, Geschwister und das betroffene Kind als integraler Bestandteil der Versorgung notwendig.

Pflegeintegration in Bildungseinrichtungen

Um die Betreuungssituation zu stabilisieren und die Eltern zu entlasten, sollten qualifiziertes Pflegepersonal in Bildungseinrichtungen eingesetzt werden. Die Anerkennung der Pflegebedarfe im Kindergarten-, Schul- und Hortalltag ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Ein Zukunftsausblick

Die Ferienzeit darf nicht zur Belastungsprobe für ohnehin stark beanspruchte Familien werden. Es braucht dringend politische Maßnahmen, um verlässliche Betreuungs- und Pflegeangebote auch außerhalb des regulären Schulbetriebs sicherzustellen. Denn Entlastung ist kein Luxus – sie ist eine Grundvoraussetzung für die Gesundheit der gesamten Familie.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Politik diesen Appell ernst nimmt und entsprechende Maßnahmen umsetzt. Ohne Unterstützung droht vielen Familien der Kollaps, was nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Folgen hätte.

Für weitere Informationen besuchen Sie die Webseite des Berufsverbands Kinderkrankenpflege Österreich unter www.kinderkrankenpflege.at.

Schlagworte

#Familien#Ferienbetreuung#Kinderkrankenpflege#Österreich#Pflege#Politik#Unterstützungsbedarf

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