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Oberösterreich kürzt Windkraft-Ausbau trotz Energiekrise

IG Windkraft kritisiert drastische Reduktion der Beschleunigungsgebiete

10. April 2026 um 09:51
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Trotz anhaltender Gaskrise reduziert Oberösterreich erneut die Flächen für Windenergie-Ausbau. Nur 0,18 statt 1 TWh bis 2030 umsetzbar.

Während Österreich weiterhin unter den Auswirkungen der Energiekrise leidet und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten ein zentrales Thema bleibt, reduziert Oberösterreich die verfügbaren Flächen für den Ausbau der Windenergie. Die IG Windkraft Österreich kritisiert scharf eine kürzlich in Begutachtung geschickte Verordnung, die die Beschleunigungsgebiete für Windenergie erneut verkleinert.

Drastische Kürzung der Windkraft-Potentiale

Die vorgeschlagenen Rahmenbedingungen ermöglichen bis 2030 lediglich 0,18 Terawattstunden zusätzlichen Windstrom in den ausgewiesenen Beschleunigungsgebieten. Diese Zahl liegt weit unter der ursprünglichen Zielsetzung von einem Terawatt (1 TWh) Windstromerzeugung bis 2030. "Gerade in der aktuellen Energiekrise ist es unverständlich, dass nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Abhängigkeit von fossiler Energie zu verringern und Versorgungssicherheit für Bevölkerung und Wirtschaft zu schaffen", kritisiert Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft.

Die Entscheidung aus dem Ressort von Energielandesrat Achleitner kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl Industrie als auch Haushalte unter den Auswirkungen der Gas- und Ölkrise leiden. Statt auf heimische, erneuerbare Energiequellen zu setzen, wird die fossile Importabhängigkeit weiter verstärkt.

Kritik an fachlicher Begründung

Der vorliegende Begutachtungsentwurf enthält laut IG Windkraft "zweifelhafte Begründungen" für die weitere Reduktion der oberösterreichischen Energieerzeugung. Die Organisation fordert, die Begutachtungsphase zu nutzen, um intensiv an einer Übernahme der Verantwortung für Versorgungs- und Planungssicherheit zu arbeiten.

"Oberösterreich hat eine international wettbewerbsfähige Industrie und hunderttausende Haushalte, die langfristig sichere und vor allem leistbare Energie brauchen. Das ist jetzt die Aufgabe, um die es geht und wir gehen davon aus, dass das allen Beteiligten bewusst ist", betont Maringer die Dringlichkeit der Situation.

Windkraft als Winterenergie-Lieferant

Ein besonders wichtiger Aspekt der Windenergie ist ihre saisonale Verteilung. Rund zwei Drittel des jährlichen Windstroms werden im Winterhalbjahr erzeugt – genau dann, wenn Wasserkraft und Solarenergie nur eingeschränkt verfügbar sind und teure Gasimporte notwendig werden. Diese Charakteristik macht die Windkraft zu einem entscheidenden Baustein für die Stabilität und Versorgungssicherheit des österreichischen Energiesystems.

Die Leistungsfähigkeit moderner Windkraftanlagen ist beachtlich: Ein einziges modernes Windrad kann genug Strom für etwa 5.200 Haushalte liefern. Diese Effizienz unterstreicht das Potenzial der Technologie für die heimische Energieversorgung.

Enormes ungenutztes Potenzial in Oberösterreich

Oberösterreich verfügt über große Windenergiepotenziale von bis zu acht Terawattstunden. Bereits ein kleiner Teil dieses Potenzials könnte erheblich zur Stabilität und Sicherheit für heimische Unternehmen und Bürger beitragen. Die aktuelle Politik verhindert jedoch die Nutzung dieser Ressourcen.

"Wer Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit und stabile Preise will, setzt auf heimische Erneuerbare – und insbesondere auf Windkraft", fasst Maringer die Position der Branche zusammen. "Der Ausbau ist kein Nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit für Österreichs unabhängige Energiezukunft."

Wirtschaftliche Bedeutung der Windkraft-Branche

Die österreichische Windkraft-Industrie ist bereits heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Heimische Windräder versorgen rund 2,75 Millionen Haushalte mit sauberem, unabhängigem und günstigem Strom. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch: Eine aktuelle repräsentative Umfrage zeigt, dass 83 Prozent der Österreicher den Ausbau der Windenergie befürworten.

Die IG Windkraft vertritt rund 180 meist mittelständische Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Herstellung über Planung und Errichtung bis hin zu Betrieb und Wartung. Diese Unternehmen sind in den Regionen verankert und beschäftigen etwa 8.000 Menschen.

Milliarden-Investitionen für den Standort

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: In den letzten zehn Jahren erwirtschaftete die österreichische Windbranche im Durchschnitt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Durch kontinuierliche Milliarden-Investitionen stärkt sie den heimischen Wirtschaftsstandort und schafft zukunftssichere Arbeitsplätze.

Diese wirtschaftlichen Aspekte verdeutlichen, dass der Windkraft-Ausbau nicht nur energiepolitisch, sondern auch wirtschaftspolitisch von großer Bedeutung für Österreich ist. Die Reduktion der Ausbauflächen in Oberösterreich könnte daher nicht nur die Energieziele gefährden, sondern auch wirtschaftliche Chancen zunichte machen.

Forderung nach Neuausrichtung

Die IG Windkraft fordert eine grundlegende Neuausrichtung der oberösterreichischen Energiepolitik. Anstatt die Beschleunigungsgebiete weiter zu reduzieren, sollte das Land alle verfügbaren Instrumente nutzen, um die heimische Energieproduktion zu steigern und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern.

Die aktuelle Energiekrise zeigt deutlich die Verwundbarkeit einer importabhängigen Energieversorgung. Heimische erneuerbare Energien wie die Windkraft bieten die Chance, diese Abhängigkeit zu reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die Entscheidungen der kommenden Monate werden zeigen, ob Oberösterreich bereit ist, seine Energiezukunft selbst in die Hand zu nehmen oder weiterhin auf unsichere Importe zu setzen. Für Haushalte und Unternehmen im Land steht viel auf dem Spiel – sowohl in puncto Versorgungssicherheit als auch bei den Energiekosten.

Schlagworte

#Windkraft#Oberösterreich#Energiekrise#Erneuerbare Energie#Energiepolitik

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