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Soziologe Rogers Brubaker analysiert Karriere der Geschlechtsidentität

Neue IWM-Publikation beleuchtet Entwicklung einer umstrittenen Kategorie

1. April 2026 um 14:31
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US-Soziologe Rogers Brubaker untersucht in seinem neuen Buch die Entwicklung von Geschlechtsidentität als zentrale gesellschaftliche Ordnungskategorie.

Rogers Brubakers neues Buch "Geschlechtsidentität: Die Karriere einer Kategorie" ist im Mandelbaum Verlag erschienen und basiert auf den IWM-Vorlesungen, die der Autor im Oktober 2025 am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien gehalten hat.

Entwicklung der Kategorie »Geschlechtsidentität«

Brubaker zeichnet in dem Buch die Entwicklung der Kategorie ‚Geschlechtsidentität‘ (eng. gender identity) nach, die innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem grundlegenden Prinzip gesellschaftlicher Klassifikation avanciert ist. Er stellt Fragen danach, wie eine Kategorie, die ursprünglich auf seltene, ausdrücklich als pathologisch verstandene Fälle angewandt wurde, auf alle Menschen übertragen werden konnte und in vielen Zusammenhängen als grundlegender als das biologische Geschlecht verstanden wurde.

Drei zentrale Fragen

Das Buch fragt unter anderem:

  • Wie konnte eine Kategorie, die ursprünglich auf seltene, ausdrücklich als pathologisch verstandene Fälle angewandt wurde, auf alle Menschen übertragen und für die Strukturierung sozialer Erfahrungen zentral werden?
  • Wie kam es dazu, dass eine Kategorie, die als Ergänzung zum biologischen Geschlecht eingeführt wurde, in immer mehr Zusammenhängen als grundlegender als das biologische Geschlecht verstanden wird?
  • Wieso erfuhr „Geschlechtsidentität“ zunächst eine unkontroversielle institutionelle Einbettung, wurde ab Mitte der 2010er-Jahre jedoch zum Gegenstand zahlloser hitziger Debatten?

Zitat des Autors

Brubaker schreibt: "Ich habe dieses Buch im Schatten des radikalen Politikwechsels der Regierung von Donald Trump und ihrer rhetorischen Angriffe auf die Würde und Integrität von Transpersonen verfasst. Man könnte sich fragen, ob dies der richtige Moment ist, um die Entwicklung einer Kategorie zu analysieren. Ist dies der richtige Zeitpunkt für eine Analyse, die auf Denunziationen verzichtet und von gelebten Erfahrungen abstrahiert? Ich denke schon. Polemische Interventionen gibt es zuhauf, und es gibt eine umfangreiche und wichtige Literatur über die gelebten Erfahrungen von Menschen, für die der Begriff der Geschlechtsidentität – und die Idee einer Geschlechtsidentität, die vom Geburtsgeschlecht abweicht – grundlegend ist. Eine nüchterne Erklärung dafür, wie diese zunächst obskure Kategorie in der Medizin, im Recht, in der Datenerhebung und in der Bildung fest verankert werden konnte und schließlich hitzige öffentliche Debatten auslöste, steht jedoch noch aus."

Institutionelle Bezüge und Erwerb

Das Buch behandelt die Verankerung der Kategorie in Bereichen wie Medizin, Recht, Datenerhebung und Bildung. Es kann über die Webseite des Mandelbaum Verlags erworben werden.

Zum Autor

Rogers Brubaker ist Professor für Soziologie an der University of California in Los Angeles und Inhaber des UCLA Foundation Chair. Er hat zahlreiche Werke zu Sozialtheorie, Migration, Staatsbürgerschaft, Nationalismus, Ethnizität, Race, Gender und Populismus verfasst. 2009 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Ihm wurden zahlreiche Preise und Fellowships verliehen. 2024 und 2025 war er Distinguished Fellow des IWM.

Schlagworte

#Geschlechtsidentität#Soziologie#Rogers Brubaker#IWM#Gesellschaftsanalyse

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