Caritas und Volkshilfe warnen vor dramatischen Folgen geplanter Einsparungen
590 Sozialarbeiter bestätigen: Budgetkürzungen verschärfen Armut und verursachen langfristig höhere Kosten im Gesundheits- und Bildungswesen.
Ein alarmierendes Bild zeichnet eine Umfrage von Caritas und Volkshilfe Österreich: Vier von fünf Praktiker*innen im Sozialbereich rechnen mit Kürzungen in ihrem Arbeitsbereich. Die Befragung unter 590 Praktiker*innen zeigt, dass viele Fachkräfte konkrete Informationen zu Einsparungen haben oder solche befürchten.
79,9 Prozent der befragten Praktiker*innen gehen davon aus, dass ihr Arbeitsbereich von Kürzungen betroffen ist oder sein wird. Mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) verfügt bereits über konkrete Informationen zu Einsparungsmaßnahmen, weitere 42,4 Prozent befürchten entsprechende Entwicklungen.
92,1 Prozent der Befragten erwarten, dass bereits erreichte Fortschritte bei der Betreuung verloren gehen könnten, zum Beispiel beim selbstständigen Wohnen, bei Integration oder anderen stabilisierenden Maßnahmen.
"Unsere Umfrage zeigt: Die Kürzungen treffen genau jene, die am wenigsten Spielraum haben. Gleichzeitig wird bei den Angeboten gespart, die sie stützen", sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich.
An erster Stelle nennen die Praktiker*innen Kinder, Jugendliche und Familien (66,3 Prozent), gefolgt von Menschen im Asylverfahren oder mit Schutzstatus (42 Prozent).
Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, warnt vor unmittelbaren Auswirkungen auf Familien und vulnerable Gruppen.
59,8 Prozent der Praktiker*innen erwarten steigende psychische und gesundheitliche Belastungen bei ihren Klient*innen. 53,1 Prozent rechnen mit zunehmender Verschuldung, 52,2 Prozent sehen wachsende Probleme bei der Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Lebensmitteln. Fast die Hälfte erwartet mehr Wohnungs- und Obdachlosigkeit.
97 Prozent der Praktiker*innen gehen davon aus, dass künftig mehr Menschen keine passende Unterstützungsstelle mehr finden werden. 86,4 Prozent rechnen damit, dass sich Probleme in andere Bereiche wie das Gesundheits- oder Bildungssystem verlagern werden.
"Die Regierung verschiebt Probleme, statt sie zu lösen. Das ist sozialpolitisch und ökonomisch falsch", sagt Nora Tödtling-Musenbichler.
Caritas und Volkshilfe fordern einen verpflichtenden Armuts-Check für Budgetmaßnahmen, um zu prüfen, wen Sparmaßnahmen treffen. "Prüfen wir jede Budgetmaßnahme darauf, wen sie trifft. Wir brauchen einen Armuts-Check", fordert die Caritas-Präsidentin.
Die Organisationen sprechen sich zudem für eine Reform der Sozialhilfe aus, damit soziale Unterstützung zur Stabilisierung beiträgt und Existenz sichert.
Die OTS-Meldung mit weiteren Informationen finden Sie unter den Webseiten von Caritas und Volkshilfe.