Musikverwertungsgesellschaft sieht heimische Musikschaffende durch Künstliche Intelligenz bedroht
Während der Musikmarkt wächst, profitieren österreichische Künstler nicht. Die AKM fordert faire Regeln für KI-Nutzung und bessere Vergütung.
Die österreichische Musikverwertungsgesellschaft AKM schlägt Alarm: Obwohl der weltweite Musikmarkt kontinuierlich wächst, kommt dieser Erfolg bei den heimischen Musikschaffenden nicht an. Die AKM appelliert an die Bundesregierung, im Rahmen der Musikstrategie Vergütungsansprüche zu verankern.
Die jüngsten Zahlen der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) zeigen erneut steigende Umsätze in der globalen Musikindustrie. Diese Entwicklung bildet aus Sicht der AKM jedoch nicht die wirtschaftliche Realität der in Österreich lebenden und schaffenden Musikerinnen und Musiker ab. Nur 1,5 Prozent der AKM-Mitglieder erhielten 2025 mehr als 1.000 Euro an Vergütung für die Music-On-Demand-Nutzung ihrer Werke. Die Abrechnung dieser Tantiemen erfolgt centgenau über einen technologischen Hub.
Permanente Verwendung geschützter Werke zum Training von KI-Systemen sowie die Verbreitung neuer, rein KI-generierter Musikprodukte führen nach Angaben der AKM zu erheblichen Herausforderungen. Die Streamingplattform Deezer hat bekanntgegeben, dass rund 39 Prozent aller täglich hochgeladenen Musiktitel vollständig KI-generiert sind – das entspricht rund 60.000 Werken pro Tag. Nach Ansicht der AKM gibt es derzeit keine Vergütung für die Verwendung von Werken als Grundlage für das Training von KI.
AKM-Präsident Peter Vieweger sagt: "Die aktuellen Entwicklungen im Musikmarkt, insbesondere durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, stellen unsere Musikschaffenden vor völlig neue und existenzielle Herausforderungen. Es darf nicht sein, dass kreative Arbeit immer weiter entwertet wird, während maschinengenerierte Systeme den Wert abschöpfen."
Aus Sicht der AKM sei es dringend erforderlich, klare und faire Rahmenbedingungen für die Nutzung von KI zu schaffen, welche eine angemessene Beteiligung der Musikschaffenden sicherstellen. Ohne verbindliche Regelungen drohe eine Verschärfung der ohnehin prekären Einkommenssituation vieler Urheberinnen und Urheber.
Während sich auf europäischer Ebene bislang keine Fortschritte abzeichnen, nennt die AKM erste Signale aus dem österreichischen Justizministerium: Justizministerin Anna Sporrer habe betont, dass Künstlerinnen und Künstler eine angemessene Entschädigung für die Verwendung ihrer Werke zum KI-Training erhalten müssen.
Die AKM appelliert daher an die Bundesregierung, im Rahmen der Musikstrategie eine praxisorientierte Grundlage für Vergütungsansprüche zu schaffen.
Die AKM sieht im heimischen Rundfunk einen Beitrag zur Stärkung des österreichischen Musikstandorts. Würden österreichische Radio- und Fernsehsender wieder verstärkt Musik aus Österreich spielen, hätte dies laut AKM positive Effekte für Sichtbarkeit, Einkommen und kulturelle Vielfalt. Insbesondere dem ORF kommt hier als öffentlich-rechtlichem Sender eine besondere Verantwortung zu.