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AKM fordert faire KI-Vergütung für österreichische Künstler

Musikverwertungsgesellschaft sieht heimische Musikschaffende durch Künstliche Intelligenz bedroht

25. März 2026 um 09:22
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Während der Musikmarkt wächst, profitieren österreichische Künstler nicht. Die AKM fordert faire Regeln für KI-Nutzung und bessere Vergütung.

Die österreichische Musikverwertungsgesellschaft AKM schlägt Alarm: Obwohl der weltweite Musikmarkt kontinuierlich wächst, kommt dieser Erfolg bei den heimischen Musikschaffenden nicht an. Gleichzeitig bedroht der massive Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) die Existenzgrundlage österreichischer Künstlerinnen und Künstler. Die AKM fordert daher dringend faire Vergütungsregeln und eine Verankerung entsprechender Ansprüche in der nationalen Musikstrategie.

Marktwachstum kommt nicht bei Musikschaffenden an

Die jüngsten Zahlen der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) zeigen erneut steigende Umsätze in der globalen Musikindustrie. Diese positive Entwicklung spiegelt jedoch nicht die wirtschaftliche Realität der österreichischen Musikerinnen und Musiker wider. "Während vor allem internationale Konzerne und einzelne große Marktteilnehmer vom Marktwachstum profitieren, kommt dieses beim überwiegenden Teil der heimischen Musikschaffenden nicht an", erklärt die AKM.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur 1,5 Prozent der AKM-Mitglieder erhielten 2025 mehr als 1.000 Euro an Vergütung für die Music-On-Demand-Nutzung ihrer Werke. Diese erschreckend niedrige Quote verdeutlicht die prekäre Einkommenssituation vieler österreichischer Musikschaffender, obwohl die Abrechnung der Tantiemen centgenau über einen technologischen Hub erfolgt.

KI-Revolution bedroht traditionelle Musikproduktion

Eine besonders große Herausforderung stellt die zunehmende Verwendung Künstlicher Intelligenz in der Musikproduktion dar. Geschützte Werke werden permanent zum Training von KI-Systemen verwendet, während gleichzeitig immer mehr rein KI-generierte Musikprodukte verbreitet werden. Diese Entwicklung hat bereits dramatische Ausmaße angenommen.

Die Streamingplattform Deezer veröffentlichte kürzlich alarmierende Zahlen: Rund 39 Prozent aller täglich hochgeladenen Musiktitel sind vollständig KI-generiert. Das entspricht etwa 60.000 neuen KI-Werken pro Tag. Diese Flut maschinell erzeugter Musik erzeugt enormen Druck auf die Einnahmen österreichischer Musikschaffender.

"Das Problem dabei ist, dass es derzeit keine Vergütung für die Verwendung ihrer Werke als Grundlage für das Training von KI gibt", kritisiert die AKM. Künstliche Intelligenz lernt also kostenlos von den kreativen Leistungen der Musikerinnen und Musiker, ohne dass diese dafür entschädigt werden.

AKM-Präsident warnt vor Entwertung kreativer Arbeit

AKM-Präsident Peter Vieweger sieht die Entwicklung mit großer Sorge: "Die aktuellen Entwicklungen im Musikmarkt, insbesondere durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, stellen unsere Musikschaffenden vor völlig neue und existenzielle Herausforderungen. Es darf nicht sein, dass kreative Arbeit immer weiter entwertet wird, während maschinengenerierte Systeme den Wert abschöpfen."

Vieweger fordert konkrete Maßnahmen: "Wir brauchen dringend faire Regeln, damit unsere Künstlerinnen und Künstler auch im digitalen Zeitalter von ihrer Arbeit leben können." Die AKM sieht die Politik in der Pflicht, schnell zu handeln, bevor die Situation für heimische Musikschaffende noch prekärer wird.

Bundesregierung soll Vergütungsansprüche in Musikstrategie verankern

Die AKM appelliert eindringlich an die Bundesregierung, im Rahmen der österreichischen Musikstrategie eine praxisorientierte Grundlage für Vergütungsansprüche zu schaffen. "Ohne verbindliche Regelungen droht eine weitere Verschärfung der ohnehin prekären Einkommenssituation vieler Urheberinnen und Urheber", warnt die Verwertungsgesellschaft.

Während sich auf europäischer Ebene bislang keine konkreten Fortschritte abzeichnen, kommen erste positive Signale aus dem österreichischen Justizministerium. Justizministerin Anna Sporrer hat bereits betont, dass Künstlerinnen und Künstler eine angemessene Entschädigung für die Verwendung ihrer Werke zum KI-Training erhalten müssen.

Die AKM sieht darin einen wichtigen ersten Schritt, fordert aber konkrete Taten: Es brauche klare und faire Rahmenbedingungen für die Nutzung von KI, welche eine angemessene Beteiligung der Musikschaffenden sicherstellen.

ORF soll verstärkt auf österreichische Musik setzen

Neben der KI-Problematik sieht die AKM auch im heimischen Rundfunk einen wichtigen Hebel zur Stärkung des österreichischen Musikstandorts. "Würden österreichische Radio- und Fernsehsender wieder verstärkt Musik aus Österreich spielen, hätte dies positive Effekte für Sichtbarkeit, Einkommen und kulturelle Vielfalt", argumentiert die Verwertungsgesellschaft.

Besondere Verantwortung trägt dabei der ORF als öffentlich-rechtlicher Sender. Mehr Airplay für heimische Produktionen würde dazu beitragen, dass Wertschöpfung im Land bleibt und österreichische Künstlerinnen und Künstler bessere Verdienstmöglichkeiten erhalten.

Internationaler Trend bedroht lokale Musikszenen

Die von der AKM angesprochenen Probleme beschränken sich nicht nur auf Österreich. Weltweit kämpfen lokale Musikszenen gegen die Dominanz internationaler Konzerne und den zunehmenden Einsatz von KI in der Musikproduktion. Die Digitalisierung hat zwar neue Vertriebswege eröffnet, gleichzeitig aber auch zu einer Demokratisierung der Musikproduktion geführt, die nicht immer zum Vorteil der etablierten Künstlerinnen und Künstler ausfällt.

Streaming-Dienste zahlen oft nur Bruchteile von Cents pro Abruf, was selbst bei hohen Abrufraten zu minimalen Einnahmen für die Urheber führt. Die Flut an KI-generierten Inhalten verschärft diese Situation zusätzlich, da sie das Angebot massiv ausweitet, ohne dass echte menschliche Kreativität dahintersteht.

Zukunft der österreichischen Musiklandschaft

Die Forderungen der AKM zielen darauf ab, die Zukunft der österreichischen Musiklandschaft zu sichern. Ohne angemessene Vergütungsmodelle für die KI-Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke droht ein weiterer Rückgang der Einkommen heimischer Musikschaffender.

Die Verwertungsgesellschaft betont, dass es nicht darum gehe, technologischen Fortschritt zu bremsen, sondern faire Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. KI-Systeme sollen weiterhin entwickelt werden können, aber nicht auf Kosten der Kreativen, deren Werke als Trainingsgrundlage dienen.

Ob und wann die österreichische Bundesregierung konkrete Maßnahmen ergreifen wird, bleibt abzuwarten. Die AKM wird ihre Forderungen jedenfalls weiter vorantreiben und sich für faire Bedingungen für ihre über 30.000 Mitglieder einsetzen.

Schlagworte

#AKM#Künstliche Intelligenz#Musikindustrie#Urheberrecht#Österreich

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