Sechs Prozent Wachstum bei umwelt- und klimaschutzorientierten Jungunternehmen
Eine aktuelle Erhebung zeigt 228 österreichische Green Tech Startups. Digital- und Energietechnologien dominieren das Wachstum der Branche.
Österreich etabliert sich zunehmend als wichtiger Standort für umwelt- und klimaschutzorientierte Technologieunternehmen. Die diesjährige Erhebung "Green Tech Startups Austria 2026" identifizierte 228 junge Tech-Unternehmen mit Fokus auf Nachhaltigkeit – ein Wachstum von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 215 Startups.
Koordiniert wurde die umfassende Studie vom Green Tech Valley in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern wie den AplusB Zentren, Austrian Startups, aws, Climate Lab, ECN, EY, Impact Hub Vienna, invest.austria und dem Klima- und Energiefonds. "Das entspricht einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zur Vorjahreserhebung", erklärt Bernhard Puttinger, Geschäftsführer des Green Tech Valley.
Eine bemerkenswerte Verschiebung zeigt sich bei den Schwerpunkten der Neugründungen: Digital-Technologien haben erstmals mit 35 Prozent die Spitzenposition erobert, während der Energiesektor mit 31 Prozent auf den zweiten Platz rutschte. Diese Entwicklung spiegelt den zunehmenden Stellenwert digitaler Lösungen für Umwelt- und Klimaschutz wider.
Das Spektrum der weiteren Tätigkeitsfelder umfasst Building-Technologien mit 14 Prozent sowie jeweils zehn Prozent für Circular Economy und Biotech & Food. Diese Verteilung verdeutlicht die Vielfalt innovativer Ansätze junger Unternehmen im Nachhaltigkeitsbereich.
Regional konzentrieren sich die Neugründungen stark auf die österreichischen Technologie-Zentren. Die Steiermark führt mit zwölf neuen Green Tech Startups, gefolgt von Wien mit zehn Neugründungen. Niederösterreich und Kärnten steuern jeweils zwei neue Unternehmen bei, während Oberösterreich, Vorarlberg und das Burgenland mit je einem Startup vertreten sind.
Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung rund um die Montanuniversität Leoben. "Insbesondere der Raum rund um die Montanuniversität Leoben hat sich hier als Turbo herausgestellt", betont Puttinger. Die Initiative Green Startupmark, gemeinsam mit dem Zentrum für angewandte Technologien (ZAT) und dem Green KAIT, zeigt bereits im zweiten Jahr beachtliche Erfolge mit vier hochspezialisierten Jungunternehmen.
Ein signifikanter Wandel zeigt sich bei den Bedürfnissen der Green Tech Startups. Mit 52 Prozent stehen Vernetzungen mit Industriepartnern an oberster Stelle der Wunschliste, während Finanzierungen mit 24 Prozent deutlich nachrangig behandelt werden. Diese Entwicklung markiert eine klare Verschiebung gegenüber 2025, als noch 46 Prozent der Startups primär auf Finanzierungsangebote fokussiert waren.
"Im Vergleich zum letzten Jahr zeigt sich hier eine deutliche Verschiebung, weg von reinen Finanzierungsangeboten hin zur tatkräftigen Unterstützung", analysiert Puttinger diese Entwicklung. Die Startups profitieren dabei vom direkten Match-Making mit der Industrie, dem Zugang zu Förderungen und Kooperationen aus dem etablierten Netzwerk.
Die Bandbreite der Innovationen in der österreichischen Green Tech Szene ist beeindruckend. Das Startup BauBlocks entwickelt wiederverwendbare All-in-One-Bausteine, die alle wesentlichen Wandschichten integrieren und damit nachhaltige Baukonzepte revolutionieren könnten.
Duramea spezialisiert sich auf Wasserstoff-Membrane für Elektrolyseure und Brennstoffzellen – Schlüsseltechnologien für die Energiewende. PulpStack wiederum etabliert eine völlig neue 3D-Drucktechnologie, mit der Cellulose erstmals industriell im 3D-Druck eingesetzt werden kann.
Im Bereich der Energieinnovationen punktet HASHLYNK mit intelligenten Energieverwertungslösungen, die überschüssige erneuerbare Energie in Rechenleistung und nutzbare Wärme umwandeln. Diese Lösung adressiert eines der zentralen Probleme der Energiewende: die effiziente Nutzung volatiler erneuerbarer Energiequellen.
PureSurf arbeitet an "grüner" Chemie und entwickelt biobasierte Hochleistungstenside, während Yflavour mittels natürlicher Aromen vegane Alternativen mit authentischem "Fleischgeschmack" verfeinert – ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Ernährungswende.
Die bereits etablierten GreenTech-Startups zeigen beeindruckende Erfolge: Fiber Elements gewann kürzlich einen privaten Investor mit 2,6 Millionen Euro. Das Unternehmen gewinnt aus vulkanischem Basaltgestein Fasern und verarbeitet diese zu Bewehrungsstäben oder Non-Crimp-Geweben für die Bauindustrie – eine Innovation mit enormem Marktpotenzial.
Die kontinuierliche Entwicklung der österreichischen Green Tech Szene unterstreicht das Potenzial des Landes als Innovationsstandort für Nachhaltigkeitstechnologien. Mit 228 identifizierten Startups und einem stabilen Wachstum von sechs Prozent positioniert sich Österreich erfolgreich im internationalen Wettbewerb um zukunftsweisende Umwelt- und Klimaschutz-Technologien.
Die enge Vernetzung zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Industrie schafft optimale Voraussetzungen für weitere Innovationen. Besonders die Konzentration auf praktische Industriekooperationen statt reiner Finanzierung zeigt die Reife des österreichischen Green Tech Ökosystems.
Die Vielfalt der Lösungsansätze – von revolutionären Baumaterialien über Wasserstofftechnologien bis hin zu nachhaltigen Lebensmittelalternativen – verdeutlicht das breite Spektrum, mit dem österreichische Startups globale Herausforderungen angehen. Diese Entwicklung verspricht nicht nur wirtschaftliche Erfolge, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zu den internationalen Klima- und Umweltzielen.