Sportministerin Schmidt lädt zu großem Vernetzungstreffen - Strukturelle Lücken sollen geschlossen werden
Rund 150 Frauen aus Sport und Politik trafen sich im Sportministerium, um über Gleichstellung und Zukunftsfragen im Sport zu diskutieren.
Ein deutliches Zeichen für mehr Gleichstellung im Sport setzte Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt mit einem groß angelegten Arbeits- und Vernetzungstreffen im Sportministerium. Unter dem Titel "Starke Frauen – Starker Sport" kamen rund 150 Frauen aus Sportorganisationen, Vereinen, Verbänden, Verwaltung und Politik zusammen, um über zentrale Zukunftsfragen von Frauen im Sport zu diskutieren.
Gemeinsam mit Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Justizministerin Anna Sporrer empfing Schmidt die Teilnehmerinnen zu einem intensiven fachlichen Austausch. Die Veranstaltung war bewusst als Arbeitsformat mit thematischen Tischen konzipiert – ein klares Signal, dass es sich nicht um einen symbolischen Termin handelt, sondern um den Beginn konkreter Maßnahmen.
"Ich habe eine klare Vision, wie sich diese Bereiche in den nächsten Jahren entwickeln sollen – und welche Rolle Frauen und Mädchen darin spielen. Eigentlich sprechen wir von Zielen, die längst selbstverständlich sein sollten", erklärte Sport-Staatssekretärin Schmidt bei der Eröffnung der Veranstaltung.
Schmidt würdigte zunächst bereits Erreichtes: "Im österreichischen Sport ist – auch dank vieler heute hier anwesender Frauen – bereits einiges in Bewegung gekommen." Gleichzeitig betonte sie aber auch die noch bestehenden Herausforderungen. Strukturelle Lücken seien nach wie vor vorhanden, zentrale Fragen weiterhin offen.
Die Handlungsfelder erstrecken sich dabei durch alle Bereiche des Sports – vom Freizeit- und Schulsport über den Amateurbereich bis hin zum Spitzensport. Besonders der geringe Frauenanteil unter Trainer:innen und Funktionär:innen soll ausgebaut werden. Diese Unterrepräsentanz in Führungspositionen ist ein weitverbreitetes Problem im österreichischen Sport.
Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda war die bessere Vereinbarkeit von Sport und Mutterschaft. "Schwangerschaften sind heute kein Hindernis für den Spitzensport", stellte Schmidt klar. Hier gehe es darum, strukturelle Barrieren abzubauen und Sportlerinnen bessere Rahmenbedingungen zu bieten.
Darüber hinaus forderte die Staatssekretärin ein sicheres und belästigungsfreies Umfeld für Sportler:innen: "Wir brauchen ein sicheres und belästigungsfreies Umfeld für Sportler:innen, in dem ihre Grenzen respektiert werden." Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung von Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Übergriffe und Belästigung im Sport.
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner brachte das Prinzip "Halbe-Halbe" auch für den Sport ins Spiel: "Gleiche Leistung muss gleich viel wert sein. Unterschiedliche Preisgelder und strukturelle Benachteiligungen gehören in die Geschichtsbücher verbannt."
Holzleitner machte deutlich, dass neben politischen Schritten auch die Verbände in die Pflicht genommen werden müssen. Sie sollen einen Beitrag zu echter Gleichstellung auf allen Ebenen im Sport leisten. Diese Forderung ist besonders relevant, da viele Sportverbände noch immer von traditionellen Strukturen geprägt sind.
Justizministerin Anna Sporrer verwies auf das Programm "Justiz Athleta", mit dem die Justiz ein klares Zeichen für den Leistungssport in Österreich setzt. "Wir müssen die Basis dafür schaffen, dass Frauen und Mädchen in allen sportlichen Disziplinen diskriminierungsfrei und vollkommen gleichberechtigt teilnehmen können – und das ohne Angst vor sexuellen Übergriffen", so Sporrer.
Das Programm "Justiz Athleta" ermöglicht es Spitzensportler:innen, neben ihrer sportlichen Karriere auch eine Berufsausbildung in der Justizwache zu absolvieren. Diese Initiative bietet Athletinnen ein starkes Fundament für eine sichere Karriere parallel zu ihren sportlichen Hochleistungen.
Besonders wichtig war den Organisatorinnen, dass die frauenpolitische Schwerpunktsetzung für den Sport nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg erfolgt. "Der Fokus entsteht mit den Frauen im Sport – nicht ohne sie", betonte Schmidt. "Daher geben wir den Frauen bewusst Raum, ihre Perspektiven einzubringen – in einem Umfeld, das nach wie vor stark männlich dominiert ist."
Dieser partizipative Ansatz unterscheidet die Initiative von vielen anderen politischen Vorhaben. Statt von oben verordnete Maßnahmen zu entwickeln, sollen die Betroffenen selbst ihre Bedürfnisse und Lösungsvorschläge einbringen können.
Die Veranstaltung war bewusst als strukturierter Prozess angelegt. Die eingebrachten Rückmeldungen werden systematisch dokumentiert und ausgewertet. "Das ist kein symbolischer Termin", betonte Schmidt nachdrücklich. Die Ergebnisse fließen direkt in die Schwerpunktsetzung der Sportsektion für das laufende Jahr ein.
Diese Herangehensweise zeigt, dass die Bundesregierung Gleichstellung im Sport als prioritäres Thema behandelt. Nach Jahren der Diskussion sollen nun konkrete Maßnahmen folgen, die auf den Erkenntnissen und Wünschen der Praktikerinnen basieren.
Die Notwendigkeit für solche Initiativen wird durch verschiedene Studien und Statistiken untermauert. Frauen sind in Führungspositionen des österreichischen Sports nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Gleichzeitig gibt es bei Preisgeldern und Förderungen noch immer erhebliche Unterschiede zwischen Männer- und Frauensport.
Besonders im Bereich der Nachwuchsförderung zeigen sich strukturelle Probleme: Während Mädchen im Kindesalter oft noch gleichermaßen sportlich aktiv sind, sinkt ihre Beteiligung häufig mit dem Älterwerden. Dies hängt auch mit gesellschaftlichen Erwartungen und fehlenden weiblichen Vorbildern in Führungspositionen zusammen.
Österreich steht mit diesen Herausforderungen nicht allein da. Viele europäische Länder haben ähnliche Initiativen gestartet, um die Gleichstellung im Sport zu fördern. Länder wie Norwegen oder Schweden gelten hier als Vorreiter und zeigen, dass strukturelle Veränderungen möglich sind, wenn der politische Wille vorhanden ist.
Die Vernetzung der 150 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Bereichen des Sports könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Österreich in diesem Bereich aufholt und zum Vorbild für andere Länder wird.
Mit der systematischen Auswertung der Diskussionsergebnisse will das Sportministerium nun in die Umsetzungsphase übergehen. Die Teilnehmerinnen haben konkrete Vorschläge für Verbesserungen in ihren jeweiligen Bereichen eingebracht, die nun in politische Maßnahmen übersetzt werden sollen.
Dabei geht es nicht nur um große strukturelle Reformen, sondern auch um praktische Verbesserungen im Alltag von Sportlerinnen, Trainerinnen und Funktionärinnen. Die Bandbreite reicht von besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten bei Wettkämpfen bis hin zu gezielten Förderprogrammen für Frauen in Führungspositionen.
Die Initiative "Starke Frauen – Starker Sport" könnte damit zum Startschuss für eine neue Ära der Gleichstellung im österreichischen Sport werden – vorausgesetzt, den Worten folgen auch entsprechende Taten.