Wien, 26. November 2025 – In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, bietet das österreichische Dialogprogramm Likrat einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Antisemitismus. Seit einem Jahrzehnt engagieren sich jüdische Jugendliche und Studierende, um Vorurteile abzubauen und Brücke
Wien, 26. November 2025 – In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, bietet das österreichische Dialogprogramm Likrat einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Antisemitismus. Seit einem Jahrzehnt engagieren sich jüdische Jugendliche und Studierende, um Vorurteile abzubauen und Brücken zwischen verschiedenen Lebenswelten zu schlagen. Doch was macht dieses Programm so erfolgreich und wie hat es sich über die Jahre entwickelt?
Der Begriff Likrat stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Auf jemanden zugehen“. Dieses Prinzip steht im Zentrum des Programms, das von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, durch direkte Begegnungen auf Augenhöhe Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis für das jüdische Leben zu schaffen. Mehr als 200 jüdische Jugendliche, die sogenannten Likratinos und Likratinas, sind aktiv an der Prävention und Bekämpfung von Antisemitismus beteiligt. Sie besuchen Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen, um dort offen über ihr Leben und ihre Kultur zu sprechen.
Die Wurzeln von Likrat liegen in der Erkenntnis, dass Antisemitismus nicht nur durch Gesetze und Sanktionen bekämpft werden kann, sondern vor allem durch Bildung und persönliche Begegnungen. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass Vorurteile oft aus Unwissenheit entstehen. Likrat setzt genau hier an, indem es den direkten Dialog fördert. Die Initiative entstand vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich und Europa. Die IKG erkannte die Notwendigkeit, proaktiv gegen diese Entwicklung vorzugehen und gleichzeitig das jüdische Leben sichtbarer zu machen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Programme auch in Deutschland und der Schweiz erfolgreich umgesetzt werden. In Deutschland gibt es Initiativen wie „Rent a Jew“, die ebenfalls auf direkte Begegnungen setzen. Der Unterschied liegt jedoch in der Struktur und dem Umfang der Programme. Während Likrat in Österreich stark in das Bildungssystem integriert ist, sind die Programme in Deutschland oft projektbasiert und weniger institutionalisiert. In der Schweiz hingegen gibt es Bestrebungen, die Ansätze von Likrat zu adaptieren und in das eigene Bildungssystem zu integrieren.
Die Auswirkungen von Likrat sind vielfältig und betreffen sowohl die jüdische Gemeinschaft als auch die breite Öffentlichkeit. Ein Beispiel ist die Arbeit in Schulen, wo Likratinos regelmäßig Klassen besuchen und dort für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehen. Diese Begegnungen haben nicht nur das Verständnis für das jüdische Leben verbessert, sondern auch das soziale Klima in den Schulen positiv beeinflusst. Lehrer berichten von einer gesteigerten Toleranz und einem besseren Miteinander unter den Schülern. Auch die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Sicherheitsakademie der Polizei und dem Österreichischen Integrationsfonds zeigt, dass Likrat weit über den schulischen Kontext hinaus wirkt.
Seit seiner Gründung hat Likrat über 1.000 Begegnungen organisiert, an denen mehr als 23.000 Teilnehmer teilgenommen haben. Diese Zahlen belegen die Reichweite und den Einfluss des Programms. Die kontinuierliche Erweiterung des Wirkungsbereichs, der mittlerweile auch Aufklärungsarbeit in sozialen und klassischen Medien umfasst, zeigt, dass Likrat eine tragende Säule im Kampf gegen Antisemitismus geworden ist.
Die kommenden Jahre versprechen eine weitere Intensivierung der Bemühungen von Likrat. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ist es wichtiger denn je, den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern. Die Unterstützung durch die Nationale Strategie gegen Antisemitismus und die Anerkennung durch Preise wie den Simon-Wiesenthal-Preis unterstreichen die Bedeutung des Programms. Zukünftig wird Likrat verstärkt auf digitale Formate setzen, um auch online eine Plattform für Austausch und Aufklärung zu bieten. Diese Erweiterung ist notwendig, um die jüngeren Generationen zu erreichen und antisemitische Stereotype nachhaltig zu bekämpfen.
Likrat hat in den vergangenen zehn Jahren bewiesen, dass Dialog und Begegnung effektive Mittel im Kampf gegen Antisemitismus sind. Die Initiative hat nicht nur Vorurteile abgebaut, sondern auch das Verständnis für das jüdische Leben in Österreich gestärkt. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, diesen Erfolg weiter auszubauen und noch mehr Menschen zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, dass Likrat auch in Zukunft als Vorbild für ähnliche Programme in anderen Ländern dienen wird.
Wie kann Ihrer Meinung nach der Dialog zwischen den Kulturen weiter gestärkt werden? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren oder besuchen Sie unsere thematisch verwandten Artikel für mehr Informationen.