Stadt setzt auf Aufklärung und strenge Kontrollen für saubere Parks
Mit 3.900 Spendern und strengen Strafen kämpft Wien gegen Hundekot. Experten warnen vor Gesundheitsrisiken durch Parasiten und Bakterien.
Die österreichische Hauptstadt Wien gilt als eine der lebenswertesten Städte weltweit - ein Ruf, der nicht zuletzt durch gepflegte Parks und saubere Straßen begründet ist. Doch ein Problem bereitet den Verantwortlichen nach wie vor Kopfzerbrechen: nicht entsorgte Hundehinterlassenschaften einiger verantwortungsloser Tierhalter. Die Stadt reagiert nun mit verstärkten Maßnahmen und Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken.
Besonders problematisch wird die Situation in den Wintermonaten. "Leider wird gerade während der kalten Jahreszeit der Hundekot von manchen nicht eingesammelt und bleibt im Schnee verborgen", erklärt die Stadt Wien. Mit der beginnenden Schneeschmelze offenbart sich dann das wahre Ausmaß der Verschmutzung: Wiesen, Grünstreifen und Gehwege präsentieren sich plötzlich stark verunreinigt.
Dieses saisonale Phänomen führt regelmäßig zu einer Welle von Bürgerbeschwerden und verursacht erheblichen zusätzlichen Reinigungsaufwand für Liegenschaftseigentümer und die städtischen Reinigungsdienste. Die Kosten für diese Zusatzreinigungen gehen letztendlich zu Lasten der Allgemeinheit.
"Wer Hundekot entsorgt, schützt nicht nur Menschen und Tiere, sondern trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität in unserer Stadt bei - für ein gutes Zusammenleben aller!", betont Tierschutzstadtrat Jürgen Czernohorszky die Bedeutung verantwortungsvoller Hundehaltung.
Die gesundheitlichen Aspekte sind dabei keineswegs zu vernachlässigen. Ruth Jily, Leiterin des Wiener Veterinäramts, warnt eindringlich: "Parasiten und Durchfallerreger wie Giardien oder bakterielle Keime werden über den Hundekot übertragen. Sie sind nicht nur für andere Hunde, freilaufende Katzen und Wildtiere, sondern auch für Menschen gefährlich."
Besonders gefährdet sind Kinder, die auf belasteten Grünflächen spielen. Sie können sich leicht anstecken, wenn kontaminierter Kot nicht ordnungsgemäß entfernt wird. Die Übertragung erfolgt dabei oft über direkten Kontakt oder durch Aufnahme der Erreger über die Hände.
Manfred Hochleitner, Präsident der Landesstelle Wien der Österreichischen Tierärztekammer, kennt die konkreten Risiken aus der täglichen Praxis: "In Österreich kommen Spul- und Bandwürmer besonders häufig vor. Spulwurmeier können beispielsweise bei günstigen Bedingungen monatelang in der Umwelt überleben."
Die Infektion erfolgt, wenn Hunde und Katzen diese widerstandsfähigen Eier aus der Umwelt aufnehmen. "Wurmbefall führt zu Durchfall und Erbrechen. Oft berichten Tierhalter auch vom 'Schlittenfahren', wenn ihre Hunde mit dem Hinterteil über den Boden rutschen, um den Juckreiz am Anus zu lindern", erklärt der Experte.
Hochleitner empfiehlt daher eine regelmäßige Entwurmung: "Hunde und freilaufende Katzen sollten mehrmals im Jahr entwurmt werden. Die Wiener Tierärzte können Halter hierzu kompetent beraten."
Wien hat bereits erheblich in die Infrastruktur investiert: Rund 3.900 Hundekotsackerlspender sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und stehen Hundehaltern kostenlos zur Verfügung. Diese flächendeckende Versorgung soll die ordnungsgemäße Entsorgung erleichtern und Ausreden eliminieren.
Doch die Stadt setzt nicht nur auf Service, sondern auch auf strikte Durchsetzung der Regeln. "Verantwortungslose Hundebesitzer halten sich nicht an die Sauberkeitsregeln. Dieses Verhalten strafen wir rigoros. Im Wiederholungsfall kommt es dabei sogar zu einer empfindlichen Anzeige", erklärt 48er-Abteilungsleiter Josef Thon.
Trotz der bestehenden Probleme zeigt sich auch eine erfreuliche Entwicklung: "Täglich landen ja schon mehr als 100.000 Sackerl mit Hundekot im Müll", so Thon, der sich ausdrücklich bei den "sehr Braven" bedankt. Diese beeindruckende Zahl zeigt, dass die Mehrheit der Wiener Hundehalter durchaus verantwortungsbewusst handelt.
Der Schutz vor Parasiten und Krankheitserregern ist dabei denkbar einfach zu bewerkstelligen: Hundekot sollte sofort aufgesammelt und in einem der zahlreich vorhandenen Mistkübel entsorgt werden. Diese simplen Handgriffe können erhebliche gesundheitliche Risiken vermeiden und tragen wesentlich zur Lebensqualität in der Stadt bei.
Die kostenlose Verfügbarkeit der Hundekotsackerlspender in ganz Wien macht die ordnungsgemäße Entsorgung zu einer Selbstverständlichkeit, die keinen finanziellen Aufwand bedeutet. Jeder Hundehalter kann somit problemlos seiner Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft nachkommen.
Die Initiative der Stadt Wien zeigt, dass Sauberkeit und Gesundheit in urbanen Räumen nur durch das Zusammenwirken von Infrastruktur, Aufklärung und konsequenter Durchsetzung erreicht werden können. Während die Stadt die Rahmenbedingungen schafft und kontrolliert, liegt die Umsetzung in der Verantwortung jedes einzelnen Hundehalters.
Die Botschaft ist klar: Nur wenn alle Hundebesitzer das "Sackerl fürs Gackerl" konsequent verwenden, kann Wien seinen Ruf als saubere und lebenswerte Stadt aufrechterhalten. Gleichzeitig wird durch diese einfache Maßnahme ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz von Mensch und Tier geleistet.
Weitere Informationen zu den Sauberkeitsregeln und Kontrollen finden Interessierte auf der Website der Stadt Wien unter www.wien.gv.at/umwelt/wastewatcher.