Philosophisches Programm rund um die Abgründe der Menschheit
Von 25. Februar bis 29. März verwandeln die Kasematten Wiener Neustadt sich in eine Bühne für anspruchsvolles Theater und tiefgreifende Diskussionen.
Die Kasematten von Wiener Neustadt werden ab 25. Februar zum Schauplatz eines besonderen kulturellen Ereignisses: Das Theaterfestival "Wortwiege" unter der künstlerischen Leitung von Anna Luca Krassnigg widmet sich heuer einem besonders tiefgreifenden Thema. "Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer als der Mensch" – dieses Zitat aus Sophokles' Antigone steht als programmatisches Motto über dem diesjährigen Festival.
Bis zum 29. März erwartet das Publikum ein dichtes Programm aus Theaterstücken, Lesungen und Diskussionsformaten, das sich den Abgründen und Widersprüchen der menschlichen Natur widmet. Das Festival vereint klassische Dramatik mit zeitgenössischen Interpretationen und schafft Raum für philosophische Reflexion über das Wesen des Menschen.
Zu den Höhepunkten des Festivals zählen die beiden Theaterstücke "Das Volksfest" und "Alles gerettet" von Helmut Qualtinger und Carl Merz, Heinrich von Kleists "Penthesilea", sowie "Troja Forever", eine moderne Auseinandersetzung mit dem antiken Mythos. Ergänzt wird das Programm durch Korhan Basarans Körpertheater "Broke'n; an odd Messiah" und ein Lesetheater von Franz Schuh zu Karl Kraus.
Den Auftakt macht am Mittwoch, 25. Februar, um 19.30 Uhr die Premiere von "Das Volksfest" von Helmut Qualtinger und Carl Merz. Unter der Regie von Ira Süssenbach wird diese abgründige Komödie präsentiert, die sich mit der menschlichen Natur und der österreichischen Seele auseinandersetzt. Das Stück thematisiert Neugier, Sensationslust und eine Hinrichtung als makabres Volksfest der Nation – eine bittere Satire, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
"Das Volksfest" wird an insgesamt neun weiteren Terminen zu sehen sein: am 28. Februar sowie am 5., 10., 12., 14. und 18. März jeweils ab 19.30 Uhr. Zusätzliche Nachmittagsvorstellungen finden am 8. und 22. März jeweils ab 15.30 Uhr statt.
Ein besonderes Highlight erwartet das Publikum am Freitag, 27. Februar: Jérôme Junod inszeniert Heinrich von Kleists "Penthesilea" und lässt die Königin der Amazonen und den griechischen Helden Achilles mitten im Trojanischen Krieg aufeinandertreffen. Die Geschichte ihrer verhängnisvollen Liebe wird um 19.30 Uhr ihre Premiere feiern.
Kleists Drama, das zu den bedeutendsten Werken der deutschen Romantik zählt, erforscht die Extreme menschlicher Leidenschaft und die zerstörerische Kraft unbändiger Gefühle. Die Inszenierung verspricht eine intensive Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der Liebe und des Krieges. Weitere Aufführungen sind am 4., 7., 11., 13., 17. und 19. März jeweils ab 19.30 Uhr geplant, sowie Nachmittagsvorstellungen am 1., 15. und 21. März jeweils ab 15.30 Uhr.
Am Samstag, 28. Februar, um 15.30 Uhr steht ein literarisches Ereignis besonderer Art auf dem Programm: Franz Schuh und Anna Luca Krassnigg präsentieren, begleitet von Stefan Sterzinger am Akkordeon, eine Lesung unter dem Titel "Die Kugel ist der Menschheit bei dem einen Ohr hinein und bei dem anderen hinausgegangen". Diese von Franz Schuh erstellte Textfassung basiert auf Karl Kraus' monumentalem Werk "Die letzten Tage der Menschheit".
Karl Kraus' satirische Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg und der österreichischen Gesellschaft seiner Zeit gewinnt durch Schuhs Bearbeitung neue Aktualität. Die musikalische Untermalung durch Sterzingers Akkordeon verleiht der Lesung eine besondere atmosphärische Dichte.
Das Festival "Wortwiege" zeichnet sich nicht nur durch seine Theaterproduktionen aus, sondern auch durch ein ambitioniertes Begleitprogramm. Die Reihe "Reden!" sowie verschiedene Dialogformate bringen renommierte Gäste aus Wissenschaft, Literatur und Kabarett zusammen.
Den ersten "Salon" des Festivals gibt es am Sonntag, 1. März: Der Philosoph Peter Strasser und der Kabarettist Florian Scheuba diskutieren mit Anna Luca Krassnigg unter dem Titel "Nichts ungeheurer als der Mensch" über die Abgründe des Menschen in moralischer, sozialer und politischer Hinsicht. Diese Gesprächsrunde verspricht eine spannende Verbindung von wissenschaftlicher Analyse und humoristischer Betrachtung.
Zu den weiteren prominenten Gästen des Festivals zählen Klaus Theweleit, Daniela Strigl, Raimund Löw, Lisz Hirn, Michael Köhlmeier, Barbara Toth und Konrad-Paul Liessmann. Diese illustre Runde von Intellektuellen wird das Festivalprogramm mit ihren unterschiedlichen Perspektiven bereichern.
Ein ungewöhnliches Format wartet am Dienstag, 3. März, ab 19.30 Uhr auf das Publikum: Jérôme Junod moderiert ein "Pub Quiz théâtral", bei dem er als Quizmaster Fragen aller Art zu den Themen des Festivals stellt. Diese spielerische Herangehensweise ermöglicht es dem Publikum, sich aktiv mit den Inhalten des Festivals auseinanderzusetzen.
Neben "Troja Forever", der modernen Neuinterpretation des antiken Mythos, und Korhan Basarans Körpertheater "Broke'n; an odd Messiah" rundet die Theaterserie "Reden!" das vielfältige Programm ab. Jedes Format trägt auf seine Weise zur Erforschung des Festivalmottos bei.
Die Wahl der Kasematten Wiener Neustadt als Veranstaltungsort ist durchaus programmatisch zu verstehen. Die historischen Gewölbe mit ihrer besonderen Atmosphäre bilden einen idealen Rahmen für die intensive Auseinandersetzung mit den dunklen und hellen Seiten der menschlichen Natur. Die architektonische Besonderheit des Ortes verstärkt die Wirkung der dargebotenen Stücke und schafft eine einzigartige Theatererfahrung.
Unter der Leitung von Anna Luca Krassnigg hat sich die "Wortwiege" zu einem wichtigen kulturellen Ereignis in Niederösterreich entwickelt. Die künstlerische Leiterin versteht es, anspruchsvolle Literatur und zeitgenössisches Theater zu einem kohärenten Programm zu verbinden, das sowohl intellektuell herausfordernd als auch emotional berührend ist.
Das diesjährige Motto "Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer als der Mensch" spiegelt die Ambition des Festivals wider, die Komplexität und Widersprüchlichkeit der menschlichen Existenz auf der Bühne zu erkunden. Von der satirischen Gesellschaftskritik bis zur existenziellen Tragödie spannt sich der Bogen der Inszenierungen.
Das Festival "Wortwiege" läuft von Mittwoch, 25. Februar, bis Sonntag, 29. März 2024, in den Kasematten Wiener Neustadt. Karten und detaillierte Informationen zum Programm sind beim Infopoint Wiener Neustadt unter der Telefonnummer 02622/373-933 oder per E-Mail an [email protected] erhältlich.
Zusätzliche Informationen und Tickets gibt es auch direkt über das Festival per E-Mail an [email protected] oder auf der Website www.wortwiege.at. Angesichts der Beliebtheit des Festivals und der begrenzten Kapazität der Kasematten wird eine rechtzeitige Buchung empfohlen.
Das Theaterfestival "Wortwiege" etabliert sich zunehmend als wichtiger kultureller Fixpunkt in Niederösterreich und lockt ein überregionales Publikum an, das anspruchsvolle Theaterkunst und intellektuellen Diskurs zu schätzen weiß.