Uniko will PH auflösen - Standesvertretung wehrt sich vehement
Die Universitätskonferenz schlägt vor, alle Pädagogischen Hochschulen aufzulösen. Die Standesvertretung sieht dadurch die Praxisnähe gefährdet.
Eine neue Debatte um die Zukunft der österreichischen Lehrerbildung ist entbrannt. Die Universitätskonferenz der öffentlichen Universitäten (Uniko) hat vorgeschlagen, die Pädagogischen Hochschulen komplett aufzulösen und die gesamte Lehrerausbildung an den Universitäten zu konzentrieren. Dieser Vorstoß stößt auf entschiedenen Widerstand der Standesvertretung der Pädagogischen Hochschulen.
Laut einem Bericht im "Standard" sieht der Uniko-Vorschlag vor, nicht nur die Lehrerausbildung für höhere Schulen, sondern auch das Lehramtsstudium für die Primarstufe, die Berufsbildung sowie die Fort- und Weiterbildung von Lehrern vollständig an die Universitäten zu verlagern. Als Hauptargument führt die Uniko an, dass dadurch die Qualität der Ausbildung angehoben werde, "zumal die Verbindung zur wissenschaftlichen Forschung an den Unis enger sei."
Die Standesvertretung der Pädagogischen Hochschulen, die sowohl als Gewerkschaft als auch als Personalvertretung fungiert, lehnt diese Pläne kategorisch ab. In einer scharfen Stellungnahme warnt sie vor den Folgen einer solchen Strukturreform.
"Damit würde die Lehrkräfteausbildung sicherlich noch weiter verwissenschaftlicht bzw. theoretisch ausgerichtet", kritisiert die Standesvertretung. Sie befürchtet, dass die traditionellen Stärken der Pädagogischen Hochschulen dabei völlig verloren gehen würden. Dazu zählen insbesondere die kompetente didaktische Ausbildung und die hohe Praxisorientierung, die durch die an den PHs angeschlossenen Praxisschulen gewährleistet wird.
Statt einer Auflösung fordert die Standesvertretung das genaue Gegenteil: eine weitere Aufwertung und Stärkung der Pädagogischen Hochschulen als eigenständige tertiäre Bildungseinrichtungen. "Damit die Qualität insgesamt tatsächlich angehoben wird, sollten sich die Universitäten eher an den Pädagogischen Hochschulen orientieren", heißt es in der Stellungnahme provokant.
Österreich verfügt derzeit über ein zweispuriges System der Lehrerbildung. Während angehende Lehrer für höhere Schulen traditionell an den Universitäten ausgebildet werden, sind die Pädagogischen Hochschulen primär für die Ausbildung von Volksschul-, Hauptschul- und Sonderschullehrern sowie für die Lehrerfortbildung zuständig.
Die Pädagogischen Hochschulen entstanden 2007 aus der Umwandlung der früheren Pädagogischen Akademien und Pädagogischen Institute. Sie haben den Auftrag, praxisorientierte Lehrerbildung zu betreiben und verfügen über eigene Praxisschulen, in denen Studierende bereits während ihrer Ausbildung unterrichten können.
Der aktuelle Konflikt spiegelt unterschiedliche Bildungsphilosophien wider. Während die Universitäten traditionell auf Forschung und wissenschaftliche Fundierung setzen, legen die Pädagogischen Hochschulen den Schwerpunkt auf die praktische Anwendung pädagogischer und didaktischer Kenntnisse.
Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen sich auch in der Struktur der Studiengänge. An den PHs ist der Praxisanteil deutlich höher als in universitären Lehramtsstudien. Studierende absolvieren bereits früh Praktika in den angeschlossenen Praxisschulen und erhalten intensive Begleitung durch erfahrene Mentoren.
Die Uniko begründet ihren Vorschlag mit der engeren Anbindung an die wissenschaftliche Forschung. Universitäten verfügen über umfangreiche Forschungskapazitäten und können theoretische Grundlagen der Pädagogik und Fachdidaktik kontinuierlich weiterentwickeln. Zudem würde eine Konzentration an den Universitäten Synergieeffekte schaffen und möglicherweise Kosten sparen.
Die Standesvertretung der PHs kontert diese Argumente mit dem Hinweis auf die bewährte Praxisorientierung. Sie argumentiert, dass eine zu starke Theorielastigkeit der Lehrerausbildung der Realität des Schulalltags nicht gerecht werde. Lehrer benötigten nicht nur wissenschaftliche Kenntnisse, sondern vor allem praktische Fertigkeiten im Umgang mit Schülern unterschiedlicher Altersgruppen.
Der Streit ist auch Teil einer breiteren Debatte über die Qualität des österreichischen Bildungssystems. Internationale Vergleichsstudien zeigen immer wieder Verbesserungspotential auf, insbesondere bei der Grundbildung. Die Frage ist jedoch umstritten, ob die Lösung in einer stärkeren Verwissenschaftlichung oder in mehr Praxisbezug liegt.
Experten weisen darauf hin, dass beide Ansätze ihre Berechtigung haben. Eine gute Lehrerbildung sollte sowohl solide wissenschaftliche Fundierung als auch ausreichende Praxiserfahrung vermitteln. Die Herausforderung liegt darin, beide Elemente optimal zu kombinieren.
Eine Umsetzung der Uniko-Pläne hätte weitreichende Folgen für die österreichische Bildungslandschaft. Betroffen wären nicht nur die rund 8.000 Studierenden an den 14 öffentlichen Pädagogischen Hochschulen, sondern auch die etwa 3.000 Beschäftigten an diesen Einrichtungen.
Besonders brisant ist die Frage nach der Zukunft der Praxisschulen. Diese sind eng mit den PHs verbunden und bieten optimale Bedingungen für die praktische Ausbildung angehender Lehrer. Bei einer Verlagerung an die Universitäten müsste geklärt werden, wie der Praxisbezug aufrechterhalten werden kann.
Auch regional hätte eine Schließung der PHs erhebliche Auswirkungen. Viele Pädagogische Hochschulen sind wichtige Bildungs- und Wirtschaftsfaktoren in ihren Regionen. Eine Konzentration der Lehrerbildung an den Universitäten könnte zu einer weiteren Zentralisierung führen und ländliche Gebiete benachteiligen.
Zudem stellt sich die Frage nach der Zugänglichkeit der Lehrerausbildung. Die PHs haben oft niedrigere Zugangsbarrieren als Universitäten und ermöglichen auch Quereinsteigern den Weg in den Lehrberuf. Diese Durchlässigkeit könnte bei einer Universitätslösung verloren gehen.
Der Streit zwischen Uniko und Standesvertretung der PHs hat auch eine politische Dimension. Bildungspolitik ist in Österreich traditionell umkämpft, und strukturelle Reformen stoßen oft auf Widerstand verschiedener Interessensgruppen.
Das Bildungsministerium hat sich bislang noch nicht offiziell zu den Uniko-Plänen geäußert. Eine Entscheidung in diese Richtung würde jedoch eine grundlegende Reform des Lehrerbildungssystems bedeuten und parlamentarische Beschlüsse erfordern.
Die Standesvertretung der PHs fungiert auch als Gewerkschaft und Personalvertretung. Daher spielen bei ihrer Ablehnung der Uniko-Pläne auch arbeitsrechtliche Überlegungen eine Rolle. Eine Auflösung der PHs würde die Arbeitsplätze von Tausenden Beschäftigten betreffen und komplexe Überleitungsverfahren erforderlich machen.
HS-Prof. Mag. Dr. Jörg Spenger, BEd, als Vertreter des Zentralausschusses für die Bundeslehrpersonen an Pädagogischen Hochschulen, steht für weitere Auskünfte zur Verfügung und vertritt die Interessen der Betroffenen in diesem bildungspolitischen Konflikt.
Der Konflikt zwischen Uniko und Standesvertretung der PHs zeigt grundsätzliche Meinungsunterschiede über die Zukunft der Lehrerbildung auf. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, da beide Seiten überzeugende Argumente vorbringen.
Möglicherweise wird eine Kompromisslösung gefunden werden müssen, die sowohl die wissenschaftliche Exzellenz als auch die Praxisorientierung berücksichtigt. Denkbar wären etwa engere Kooperationen zwischen Universitäten und PHs oder eine Neuausrichtung der bestehenden Strukturen ohne komplette Auflösung.
Klar ist jedoch, dass die österreichische Lehrerbildung vor wichtigen Weichenstellungen steht. Die Qualität der Ausbildung künftiger Lehrer wird entscheidend für die Zukunft des gesamten Bildungssystems sein. Daher sollten alle Beteiligten das Gespräch suchen und gemeinsam nach den besten Lösungen für Österreichs Schulen suchen.