Österreichischer Pyrotechnikfachhandel und Polizei verstärken Kontrollen – Zwei Drittel aller Verletzten sind unter 25 Jahre alt
Die WKÖ warnt vor dem Kauf illegaler Feuerwerkskörper im Ausland. Verstärkte Grenzkontrollen und neue Regelungen in Tschechien sollen die Sicherheit erhöhen.
Kurz vor dem Jahreswechsel schlagen Experten Alarm: Der Kauf von Feuerwerkskörpern im Ausland oder über dubiose Online-Kanäle birgt erhebliche Gefahren. Der Arbeitskreis Pyrotechnikfachhandel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ruft die Bevölkerung eindringlich dazu auf, Silvesterraketen und Böller ausschließlich im heimischen Fachhandel zu erwerben.
Was auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen erscheint, kann schwerwiegende Folgen haben. Feuerwerkskörper, die nicht den österreichischen und europäischen Sicherheitsnormen entsprechen, weisen häufig gravierende Mängel auf. Fehlende oder fehlerhafte Zündmechanismen, zu kurze Zündschnüre oder übermäßig starke Sprengladungen können zu schweren Verletzungen führen.
"Vom Kauf illegaler Feuerwerksartikel aus dem Ausland oder vom Online-Erwerb raten wir stark ab. Diese Produkte bergen oft extreme Verletzungsgefahren und schaden nicht nur den Tieren und der Umwelt, sondern auch dem legalen Pyrotechnikfachhandel", erklärt Thomas Köchl, Branchensprecher des österreichischen Pyrotechnikfachhandels.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Zertifizierung: Nur Produkte mit gültiger CE-Kennzeichnung, die über den österreichischen Fachhandel bezogen werden, durchlaufen strenge Qualitätskontrollen. Zusätzlich erhalten Käuferinnen und Käufer im Fachhandel eine kompetente Beratung zum sicheren Umgang mit den Produkten.
Die österreichischen Behörden haben ihre Bemühungen zur Eindämmung des illegalen Pyrotechnikhandels intensiviert. In enger Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit führt die Polizei verstärkte Kontrollen durch – insbesondere an der tschechischen Grenze, die traditionell als Haupteinfallstor für illegale Feuerwerkskörper gilt.
Ein bedeutender Erfolg dieser grenzüberschreitenden Kooperation ist die Verschärfung des tschechischen Pyrotechnikgesetzes. Künftig ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern der Kategorien F2 bis F4 auf Märkten, an Ständen und in mobilen Verkaufsstellen untersagt. Diese Regelung soll den unkontrollierten Handel mit gefährlichen Produkten eindämmen.
Dennoch bleiben die Grenzkontrollen unverzichtbar. Die Überprüfung der EU-Konformität pyrotechnischer Artikel ist eine europaweite Aufgabe, die nur durch konsequente Kontrollen gewährleistet werden kann.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als die Hälfte aller Verletzten bei Böller-Unfällen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Genau genommen entfallen 51 Prozent des gesamten Unfallgeschehens auf diese Altersgruppe. Rechnet man die betroffenen Kinder von null bis 14 Jahren hinzu – sie machen weitere 15 Prozent aus – ergibt sich ein besorgniserregendes Bild.
Rund zwei Drittel jener Personen, die nach einem Pyrotechnik-Unfall medizinische Hilfe im Krankenhaus benötigen, sind demnach Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Eine Zahl, die Experten alarmiert.
"Das heißt, dass Kinder und Jugendliche alarmierend früh mit Pyrotechnik in Kontakt kommen und Zugang zu Pyrotechnik haben, zu der sie vielfach keinen Zugang haben sollten. Wir müssen das Bewusstsein für die Gefahren schärfen und Händler wie Erziehungsberechtigte an ihre Sorgfaltspflicht erinnern", mahnt Christian Schimanofsky, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV).
Besonders beunruhigend: Auch Minderjährige beschaffen sich zunehmend Pyrotechnik aus dem Ausland. Medienberichte über Unfälle mit Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Wochen zeigen, dass dabei häufig illegale Produkte im Spiel waren. Vom verbotenen Blitzknallsatz bis hin zu Feuerwerk der Kategorien F3 und F4 – Produkte, zu denen Jugendliche keinerlei Zugang haben dürften – wurden bei Unfällen dokumentiert.
In Österreich unterliegt der Verkauf und die Verwendung von Pyrotechnik einem strengen Kategoriensystem, das die Sicherheit gewährleisten soll:
Diese Altersgrenzen sind nicht willkürlich gewählt, sondern basieren auf der potenziellen Gefährlichkeit der jeweiligen Produkte. Der Fachhandel ist gesetzlich verpflichtet, diese Grenzen strikt einzuhalten und im Zweifelsfall einen Altersnachweis zu verlangen.
Der österreichische Pyrotechnikfachhandel unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen. Nur qualifizierte Personen mit entsprechender Ausbildung dürfen pyrotechnische Artikel verkaufen. Für das Abschießen von Feuerwerken der höheren Kategorien F3 und F4 sind sogar spezielle Berechtigungen erforderlich.
"Nur ein legal importierter, CE-zertifizierter Feuerwerksartikel, der beim österreichischen Fachhändler gekauft wird, ist ein sicherer Artikel", betont Branchensprecher Köchl. Die CE-Kennzeichnung garantiert, dass das Produkt europäische Sicherheitsstandards erfüllt und ordnungsgemäß geprüft wurde.
Im Gegensatz dazu fehlt bei Produkten aus unkontrollierten Quellen jegliche Qualitätssicherung. Selbst wenn sie optisch professionell wirken, können gefährliche Mängel verborgen sein, die erst beim Zünden zu Tage treten – dann ist es oft zu spät.
Neben der persönlichen Sicherheit spielt auch der Umweltaspekt eine wichtige Rolle. Feuerwerkskörper hinterlassen Rückstände, die nicht einfach liegen bleiben sollten. Der Pyrotechnikfachhandel appelliert daher an alle Feiernden, abgeschossene Feuerwerkskörper ordnungsgemäß zu entsorgen.
"Abgeschossene Feuerwerkskörper sind zwecks Unterstützung der Gemeinden und zur Entlastung der Umwelt unbedingt im Restmüll zu entsorgen", erklärt Köchl. Diese einfache Maßnahme hilft nicht nur der Umwelt, sondern entlastet auch die Reinigungskräfte, die am Neujahrstag oft im Dauereinsatz sind.
Wer den Jahreswechsel mit Feuerwerk feiern möchte, sollte einige grundlegende Sicherheitsregeln beachten:
"Werden diese Regeln und alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten, steht einem bunten, fröhlichen Jahreswechsel nichts im Wege", fasst Branchensprecher Köchl zusammen. Der Appell der Experten ist eindeutig: Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft sein Silvesterfeuerwerk im österreichischen Fachhandel und hält sich an die geltenden Vorschriften.
Die verstärkten Kontrollen an den Grenzen und die verschärften Regelungen in Tschechien sind wichtige Schritte, um die Verbreitung illegaler Pyrotechnik einzudämmen. Letztendlich liegt die Verantwortung aber bei jeder und jedem Einzelnen: Denn nur wer bewusst auf zertifizierte Produkte setzt und die Sicherheitsregeln beachtet, kann das neue Jahr ohne böse Überraschungen begrüßen.