Serwas verbindet Digitalisierung mit Nachhaltigkeit und macht aus Rechenzentren Wärmequellen für Wohnhäuser und Schwimmbäder
Das Innsbrucker Start-up Serwas nutzt die Abwärme von Hochleistungsservern zum Heizen von Gebäuden – ein innovatives Konzept, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.
Was für viele nach Zukunftsmusik klingt, ist in Tirol bereits Realität: Ein junges Gründerteam aus Innsbruck hat einen Weg gefunden, die enorme Wärme, die Server und Computer produzieren, sinnvoll zu nutzen. Statt diese Energie wie bisher üblich einfach in die Umgebung abzugeben, wird sie direkt in Heizsysteme eingespeist. Das Start-up Serwas sorgt damit für Aufsehen in der österreichischen Technologie- und Nachhaltigkeitsszene.
Rechenzentren gehören zu den größten Energieverbrauchern unserer digitalisierten Welt. Server, die rund um die Uhr laufen, produzieren dabei nicht nur Rechenleistung, sondern auch erhebliche Mengen an Wärme. Üblicherweise wird diese Abwärme über aufwendige Kühlsysteme abgeführt und bleibt ungenutzt – eine enorme Verschwendung wertvoller Energie.
Genau hier setzt das Konzept von Serwas an. Die drei Gründer Manuel Untergasser, Timo Berkmann und Lucas Bolte haben ein System entwickelt, das Hochleistungsserver mit direkter Wasserkühlung verbindet. Die dabei entstehende Wärme wird nicht einfach abgeleitet, sondern gezielt in bestehende Heizsysteme integriert. Das Ergebnis: Gebäude werden mit der Energie beheizt, die ohnehin anfällt.
Die erste Generation der Serwas-Systeme basiert auf Bitcoin-Minern – jenen Computern, die für das Schürfen der Kryptowährung bekannt sind und dabei besonders viel Energie verbrauchen und Wärme produzieren. Diese Geräte sind bereits in mehreren privaten und gewerblichen Gebäuden in Österreich im Einsatz.
Ein besonders cleverer Anwendungsfall: Die Nutzung von Photovoltaik-Überschussstrom. Wenn Solaranlagen mehr Strom produzieren, als gerade verbraucht wird, kann dieser Überschuss direkt für die Server genutzt werden. Die dabei entstehende Wärme fließt ins Heizsystem – eine doppelte Nutzung erneuerbarer Energie.
Das nächste große Projekt von Serwas hat eine völlig andere Dimension. In Kooperation mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) arbeitet das Start-up an einem ambitionierten Pilotprojekt: Die Abwärme von Servern, die für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz genutzt werden, soll künftig das Amraser Schwimmbad beheizen.
KI-Anwendungen sind besonders rechenintensiv und erzeugen entsprechend viel Wärme. Ein Schwimmbad wiederum benötigt konstant große Mengen an Wärmeenergie, um das Wasser auf angenehmer Temperatur zu halten. Die Verbindung dieser beiden Faktoren ergibt ein System, das sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn macht.
Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, könnte es als Blaupause für ähnliche Vorhaben in ganz Österreich dienen. Gerade kommunale Einrichtungen wie Schwimmbäder, Schulen oder öffentliche Gebäude könnten von dieser Technologie profitieren.
Das innovative Konzept von Serwas hat in der Start-up-Szene bereits für erhebliches Aufsehen gesorgt. Die Liste der Auszeichnungen und Nominierungen ist beeindruckend:
Diese breite Anerkennung zeigt, dass Serwas nicht nur eine interessante Idee hat, sondern auch ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt hat, das Investoren und Experten überzeugt.
Hinter dem Erfolg von Serwas steht auch die intensive Unterstützung durch das MCI – Die Unternehmerische Hochschule in Innsbruck. Das MCI Start-up Center begleitet junge Unternehmen wie Serwas von der ersten Idee bis zur Marktreife.
Die Gründer von Serwas haben an der MCI Founders Academy teilgenommen und wurden dort gezielt auf die Herausforderungen der Unternehmensgründung vorbereitet. Darüber hinaus unterstützt das MCI auch Programme wie Boost.Up! der StartUp.Tirol GmbH, an dem das Team ebenfalls teilgenommen hat.
Manuel Untergasser, Co-Founder von Serwas, betont die Bedeutung dieser Unterstützung: Die Begleitung durch das MCI habe die Entwicklung des Start-ups deutlich beschleunigt. Neben den im Studium vermittelten unternehmerischen Kompetenzen hätten das Start-up Center und dessen Förderprogramme dabei geholfen, das Geschäftsmodell zu schärfen und das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln. Besonders wertvoll seien die zahlreichen Kontakte gewesen, die über das Netzwerk des MCI aufgebaut werden konnten.
Der Zeitpunkt für ein Unternehmen wie Serwas könnte kaum besser sein. Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran, und mit ihr wächst der Bedarf an Rechenleistung exponentiell. Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und das Internet der Dinge treiben diese Entwicklung weiter an.
Gleichzeitig steht Österreich – wie ganz Europa – vor der Herausforderung, seine Klimaziele zu erreichen und den Energieverbrauch nachhaltiger zu gestalten. Die Gebäudeheizung macht dabei einen erheblichen Anteil des Gesamtenergieverbrauchs aus.
Die Lösung von Serwas adressiert beide Herausforderungen gleichzeitig: Sie macht die Digitalisierung nachhaltiger und liefert gleichzeitig eine zusätzliche Wärmequelle für Gebäude. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern angesichts steigender Energiepreise auch wirtschaftlich attraktiv.
Trotz aller Erfolge steht Serwas noch am Anfang seiner Entwicklung. Das Jahr 2025 soll die Weichen für die nächste Wachstumsphase stellen. Dabei müssen verschiedene Herausforderungen gemeistert werden.
Zunächst gilt es, die Technologie weiter zu skalieren. Was in einzelnen Pilotprojekten funktioniert, muss auch in größerem Maßstab wirtschaftlich und technisch umsetzbar sein. Die Integration in bestehende Heizsysteme erfordert zudem individuelle Lösungen für unterschiedliche Gebäudetypen und -alter.
Darüber hinaus muss das Start-up potenzielle Kunden von den Vorteilen des Systems überzeugen. Obwohl die Idee einleuchtend klingt, sind viele Gebäudeeigentümer und -betreiber noch skeptisch gegenüber neuen Technologien. Hier sind Referenzprojekte wie das Amraser Schwimmbad von entscheidender Bedeutung.
Das Konzept von Serwas steht exemplarisch für einen neuen Ansatz in der Energiewirtschaft: die sektorübergreifende Nutzung von Ressourcen. Statt Energie linear zu verbrauchen und dann zu entsorgen, wird sie im Kreislauf geführt und mehrfach genutzt.
Diese Denkweise wird in Zukunft immer wichtiger werden. Die Zeiten, in denen Energie billig und scheinbar unbegrenzt verfügbar war, sind vorbei. Umso wichtiger ist es, jede Kilowattstunde so effizient wie möglich zu nutzen.
Serwas zeigt, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil: Richtig gedacht und umgesetzt, können sie sich gegenseitig verstärken. Die Abwärme von Servern wird zur Heizenergie, und die Digitalisierung trägt so aktiv zur Energiewende bei.
Für Serwas stehen die Zeichen auf Wachstum. Mit dem Pilotprojekt in Innsbruck, den zahlreichen Auszeichnungen und der Unterstützung durch etablierte Partner wie das MCI und die IKB hat das Start-up eine solide Basis geschaffen.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob das Geschäftsmodell auch in größerem Maßstab funktioniert. Gelingt es, das Konzept erfolgreich zu skalieren, könnte Serwas zu einem wichtigen Akteur in der österreichischen Energiewirtschaft werden.
Eines steht fest: Die Idee, Serverabwärme zum Heizen zu nutzen, wird nicht wieder verschwinden. Zu offensichtlich sind die Vorteile, zu groß das Potenzial. Ob Serwas diese Entwicklung anführen wird oder andere Unternehmen auf den Zug aufspringen, bleibt abzuwarten. Der erste Schritt ist jedenfalls getan – und er wurde in Tirol gemacht.