Erste Daten zur ambulanten Praxis und neue Ausbildungswege im Fokus
Experten präsentieren erstmals Daten zur Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie in Österreich und diskutieren Versorgungsengpässe.
Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie lädt am 26. Februar 2026 zu einer bedeutsamen Pressekonferenz nach Salzburg ein. Unter dem Titel "Psychotherapie: Next Level" werden erstmals umfassende Daten zur Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie in Österreich präsentiert und wichtige Weichenstellungen für die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung diskutiert.
Bislang fehlten konkrete Daten darüber, wie wirksam Psychotherapie unter realen Versorgungsbedingungen in Österreich tatsächlich ist. Zwar belegen kontrollierte Studien die grundsätzliche Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen, doch die Übertragbarkeit auf die ambulante Praxis blieb unklar. Diese Lücke schließt nun die POPP-Studie (Prozess und Outcome in Psychotherapeutischen Praxen), deren Ergebnisse bei der Pressekonferenz erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Die Studie ist von besonderer Relevanz, da psychische Erkrankungen in Österreich kontinuierlich zunehmen. Immer mehr Menschen benötigen psychotherapeutische Unterstützung, gleichzeitig bestehen erhebliche Versorgungsengpässe. Die neuen Daten sollen eine faktenbasierte Diskussion über die Notwendigkeit und den Nutzen psychotherapeutischer Behandlungen ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Pressekonferenz liegt auf der neuen akademisierten Psychotherapieausbildung in Österreich. Diese Umstellung bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen für den Berufsstand mit sich. Die Akademisierung soll die wissenschaftliche Fundierung der Ausbildung stärken und internationale Standards erfüllen.
Gleichzeitig ergeben sich jedoch Fragen zur praktischen Umsetzung und zu den Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Experten werden die verschiedenen Aspekte dieser Entwicklung beleuchten und aufzeigen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung bei gleichzeitiger Sicherstellung der Versorgung zu gewährleisten.
Die aktuelle Versorgungslage mit Psychotherapie in Österreich weist erhebliche Mängel auf. Lange Wartezeiten, regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit und unzureichende Kassenstellen prägen die Situation. Viele Betroffene müssen monatelang auf einen Therapieplatz warten oder können sich eine Behandlung im Privatbereich nicht leisten.
Besonders problematisch ist die ungleiche Verteilung der psychotherapeutischen Versorgung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Während in Ballungszentren wie Wien, Graz oder Salzburg die Dichte an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten höher ist, sind ländliche Regionen oft unterversorgt.
Bei der Pressekonferenz in der Universitätsambulanz für Psychotherapie der Universität Salzburg werden führende Fachleute des österreichischen Gesundheitswesens zu Wort kommen. Mag.a Ines Gstrein, Geschäftsführerin der ARGE Psychotherapie Salzburg und Vizepräsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, wird ebenso anwesend sein wie Mag.a Barbara Haid, Präsidentin des ÖBVP.
Wissenschaftliche Expertise bringen Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Elke Humer von der Universität für Weiterbildung Krems und Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst von der Universität Salzburg ein. Probst ist Gründungsdirektor der Universitätsambulanz für Psychotherapie und Sprecher Psychotherapie im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie.
Als Vertreter der Kostenträger wird Andreas Huss, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), an der Diskussion teilnehmen. Die Moderation übernimmt der bekannte Journalist Golli Marboe.
Die Pressekonferenz zielt darauf ab, den dringenden gesundheitspolitischen Handlungsbedarf im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung aufzuzeigen. Die stetig wachsende Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen erfordert strukturelle Verbesserungen und zusätzliche Investitionen in das System.
Dabei geht es nicht nur um die Ausweitung der Kassenstellen, sondern auch um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Faire Honorierung, angemessene Arbeitsbedingungen und eine sinnvolle Integration in das Gesundheitssystem sind zentrale Forderungen des Berufsstandes.
Die Veranstaltung unterstreicht die Bedeutung der Psychotherapie als zentralen Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung. Psychische Erkrankungen verursachen nicht nur individuelles Leid, sondern haben auch erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen durch Arbeitsausfälle, Frühpensionierungen und Folgekosten im Gesundheitssystem.
Eine gut funktionierende psychotherapeutische Versorgung kann diese Kosten langfristig reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Die POPP-Studie soll erstmals konkrete Belege für diese positive Bilanz unter österreichischen Bedingungen liefern.
Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung der psychischen Gesundheit noch stärker in den Fokus gerückt. Isolation, Existenzängste und Unsicherheit haben bei vielen Menschen zu psychischen Belastungen geführt. Gleichzeitig wurden die bestehenden Schwächen im psychotherapeutischen Versorgungssystem noch deutlicher sichtbar.
Die Digitalisierung hat in dieser Zeit neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, etwa durch Online-Therapiesitzungen. Diese Entwicklungen haben das Potenzial, die Zugänglichkeit zu psychotherapeutischen Leistungen zu verbessern und werden voraussichtlich auch in der Diskussion eine Rolle spielen.
Im europäischen Vergleich hinkt Österreich bei der psychotherapeutischen Versorgung teilweise hinterher. Länder wie Deutschland oder die Niederlande haben bereits umfassende Reformen durchgeführt und die Integration der Psychotherapie in die Regelversorgung vorangetrieben.
Die Erfahrungen dieser Länder können wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des österreichischen Systems liefern. Die Akademisierung der Ausbildung ist ein Schritt in diese Richtung, weitere strukturelle Reformen werden jedoch erforderlich sein.
Die Pressekonferenz soll nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch Lösungsansätze präsentieren. Die beteiligten Experten werden konkrete Vorschläge für die Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung in Österreich vorstellen.
Dabei wird es um kurzfristige Maßnahmen zur Entlastung der aktuellen Situation ebenso gehen wie um langfristige strategische Überlegungen für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges System der psychotherapeutischen Versorgung.
Die Veranstaltung findet am 26. Februar 2026 um 10 Uhr in der Universitätsambulanz für Psychotherapie der Universität Salzburg statt und kann auch live online verfolgt werden. Medienvertreter sind zur Teilnahme eingeladen und können sich unter [email protected] anmelden.