Die Österreichische Post AG schreibt Transportgeschichte: Erstmals rollen elektrische Lastkraftwagen durch die Steiermark und Tirol. Mit einer Investition von über 1,7 Millionen Euro erweitert das
Die Österreichische Post AG schreibt Transportgeschichte: Erstmals rollen elektrische Lastkraftwagen durch die Steiermark und Tirol. Mit einer Investition von über 1,7 Millionen Euro erweitert das Staatsunternehmen seine E-LKW-Flotte um vier neue MAN eTGS-Fahrzeuge und setzt damit ein deutliches Zeichen für nachhaltige Logistik. Die neuen Elektro-Schwerfahrzeuge nehmen ihren Dienst in Kalsdorf bei Graz, Vomp und Wien auf – und ersetzen dabei vier herkömmliche Diesel-LKW, wodurch jährlich fast 189 Tonnen CO₂-Emissionen eingespart werden.
Für die Steiermark und Tirol markiert dieser Schritt einen Meilenstein in der Verkehrswende. Die beiden neuen E-LKW in Kalsdorf bei Graz und Vomp übernehmen ab sofort Abholungen aus Postfilialen und Firmenstandorten und transportieren Pakete, Briefe sowie andere Sendungen zu den jeweiligen Zustellbasen. Diese Aufgaben wurden bisher ausschließlich von dieselbetriebenen Fahrzeugen übernommen.
"Mit den neuen E-LKW ersetzen wir vier herkömmliche Diesel-LKW und sparen damit fast 189 Tonnen direkte CO₂-Emissionen pro Jahr ein. Wir bauen unseren E-Fuhrpark also nicht nur in der Zustellung aus, sondern arbeiten Schritt für Schritt auch an der Transportlogistik von morgen. Diese neuen E-LKW bedeuten aus Post-Sicht vor allem für die Steiermark und Tirol einen wichtigen Schritt in eine emissionsärmere Zukunft", erklärt Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter und Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.
Die Wahl der Standorte Kalsdorf bei Graz und Vomp erfolgte nicht zufällig. Das Logistikzentrum in Kalsdorf fungiert als wichtiger Knotenpunkt für die Steiermark und bedient ein Einzugsgebiet von mehreren hunderttausend Einwohnern. Vomp in Tirol übernimmt eine ähnliche Schlüsselrolle für das westösterreichische Bundesland. Beide Standorte zeichnen sich durch ihre strategische Lage und die Möglichkeit zur Integration erneuerbarer Energien aus.
Bei der Ausschreibung der neuen E-LKW setzte sich MAN mit dem eTGS-Modell als Bestbieter durch. Der Elektro-LKW basiert auf einem 6x2 Chassis mit Aufleger für Wechselaufbaubrücken, kurz WAB-Container genannt. Diese WAB-Container sind standardisierte Transportbehälter, die einen schnellen und effizienten Umschlag von Waren ermöglichen, ohne dass der gesamte LKW entladen werden muss. Zusätzlich ist ein Anhängerbetrieb möglich, was die Flexibilität im Einsatz erheblich erhöht.
Das Herzstück des MAN eTGS bilden sechs Batteriepacks mit einer Gesamtkapazität von 560 Kilowattstunden (kWh). Diese Batteriekapazität ermöglicht eine Reichweite von rund 400 Kilometern unter realen Einsatzbedingungen. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Diesel-LKW kommt mit einer Tankfüllung auf etwa 1.000 Kilometer, verbraucht dabei aber fossile Brennstoffe und stößt erhebliche Mengen an Schadstoffen aus.
Angetrieben wird der MAN eTGS von einem zentral verbauten Synchron-Elektromotor mit einer Leistung von 400 Kilowatt (kW). Diese Leistung entspricht etwa 544 PS und ermöglicht ein Zuggesamtgewicht von bis zu 44 Tonnen. Damit bewegt sich der E-LKW in derselben Gewichtsklasse wie herkömmliche Diesel-Fahrzeuge und kann dieselben Transportaufgaben übernehmen.
An allen drei Standorten – Wien, Kalsdorf und Vomp – wurden neue Schnellladestationen errichtet. Diese ermöglichen es, den MAN eTGS in knapp 90 Minuten von 20 auf 80 Prozent Batteriestand aufzuladen. Diese Ladedauer ist für den kommerziellen Einsatz von entscheidender Bedeutung, da sie sich gut in die Pausenzeiten der Fahrer und die Logistikabläufe integrieren lässt.
Besonders bemerkenswert: Zur Aufladung wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen bezogen, der auch in Österreich produziert wurde. Dadurch wird sichergestellt, dass die CO₂-Einsparung nicht nur an der Abgasstelle, sondern über die gesamte Energiekette hinweg wirksam ist. Die Logistikzentren in Wien, Kalsdorf und Vomp verfügen außerdem über Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von circa 9 Megawatt peak (MWp), was einem erheblichen Beitrag zur Eigenversorgung mit sauberem Strom entspricht.
Die Photovoltaikmodule mit 9 MWp Leistung können an sonnigen Tagen theoretisch den Strombedarf von mehreren tausend Haushalten decken. Ein Megawatt peak entspricht der maximalen Leistung einer Photovoltaikanlage unter Standardtestbedingungen. Diese Investition in erneuerbare Energien zeigt, dass die Post nicht nur beim Fuhrpark, sondern auch bei der Energieversorgung auf Nachhaltigkeit setzt.
Die Gesamtinvestitionskosten für die vier neuen E-LKW inklusive der erforderlichen Ladeinfrastruktur betragen über 1,7 Millionen Euro. Diese erhebliche Summe wird durch das Förderprogramm "Emissionsfreie Nutzfahrzeuge und Infrastruktur (ENIN)" der Europäischen Union, des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt.
Das ENIN-Förderprogramm ist Teil der europäischen Strategie zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Es unterstützt Unternehmen dabei, von fossilen Brennstoffen auf emissionsfreie Antriebe umzusteigen. Ohne solche Förderungen wären die hohen Anschaffungskosten für E-LKW – die derzeit noch deutlich über denen konventioneller Fahrzeuge liegen – für viele Unternehmen kaum tragbar.
Im deutschsprachigen Raum nimmt Österreich eine Vorreiterrolle bei der Elektrifizierung des Güterverkehrs ein. Während in Deutschland erst einzelne Pilotprojekte laufen, setzt die Österreichische Post bereits seit Mai 2024 E-LKW im regulären Betrieb ein. Die ersten beiden Fahrzeuge pendeln seither zwischen dem Logistikzentrum Wien-Inzersdorf und dem Flughafen Wien-Schwechat und wurden auf verschiedenen Strecken und Höhenprofilen in ganz Österreich getestet.
In der Schweiz experimentiert die Schweizerische Post ebenfalls mit Elektro-LKW, allerdings noch nicht im selben Umfang wie ihr österreichisches Pendant. Die positiven Erfahrungen aus dem österreichischen Testbetrieb bilden nun die Basis für den aktuellen Flottenausbau in drei Bundesländern und könnten als Vorbild für andere europäische Postunternehmen dienen.
Österreichs bergige Topografie stellt besondere Anforderungen an Elektrofahrzeuge. Die Steiermark mit ihren Voralpen und Tirol mit den Hochalpen bieten anspruchsvolle Testbedingungen für E-LKW. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass moderne Elektro-Antriebe auch mit Steigungen und längeren Bergabfahrten gut zurechtkommen. Besonders bei Bergabfahrten können E-LKW durch Rekuperation – die Rückgewinnung von Bremsenergie – sogar Strom zurück in die Batterie speisen.
Für die österreichischen Bürgerinnen und Bürger bringt der Einsatz der E-LKW spürbare Vorteile mit sich. Die elektrischen Fahrzeuge sind deutlich leiser als Diesel-LKW, was besonders in Wohngebieten und bei nächtlichen Lieferungen zu einer erheblichen Lärmreduzierung führt. Ein Diesel-LKW erreicht Lautstärkepegel von bis zu 80 Dezibel, während E-LKW meist unter 60 Dezibel bleiben – das entspricht etwa dem Unterschied zwischen einem lauten Gespräch und normaler Unterhaltung.
Zusätzlich entfallen lokale Schadstoffemissionen komplett. Diesel-LKW stoßen neben CO₂ auch Stickoxide (NOx), Feinstaub und andere gesundheitsschädliche Substanzen aus. Besonders in städtischen Gebieten und entlang vielbefahrener Routen trägt die Elektrifizierung des Güterverkehrs zur Verbesserung der Luftqualität bei.
Die jährliche Einsparung von 189 Tonnen CO₂ durch vier E-LKW mag auf den ersten Blick überschaubar erscheinen, gewinnt aber im Gesamtkontext an Bedeutung. Diese Menge entspricht etwa den jährlichen CO₂-Emissionen von 42 durchschnittlichen Pkw oder dem CO₂-Ausstoß von etwa 84 Österreicherinnen und Österreichern pro Jahr. Hochgerechnet auf die gesamte LKW-Flotte der Post und andere Logistikunternehmen ergibt sich ein erhebliches Einsparpotenzial.
Der Übergang zur Elektromobilität im Güterverkehr schafft neue Arbeitsplätze und verändert bestehende. Während traditionelle Mechanikerberufe sich auf E-Fahrzeuge umstellen müssen, entstehen neue Jobprofile in der Batterietechnologie, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement. Die Post als einer der größten Arbeitgeber Österreichs mit über 23.000 Beschäftigten nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und investiert in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.
Für die österreichische Wirtschaft bedeutet die Elektrifizierung des Güterverkehrs auch eine Chance zur Verringerung der Abhängigkeit von Erdölimporten. Österreich importiert jährlich fossile Brennstoffe im Wert von mehreren Milliarden Euro. Jeder Liter Diesel, der durch heimischen Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt wird, stärkt die Energieautonomie des Landes.
Der Betrieb von E-LKW bringt neue technische Herausforderungen mit sich. Das Batterie-Management-System muss die hohe Batteriekapazität von 560 kWh optimal verwalten und dabei die Lebensdauer der Batterien maximieren. Lithium-Ionen-Batterien, wie sie im MAN eTGS verwendet werden, haben typischerweise eine Lebensdauer von 8 bis 12 Jahren oder 2.000 bis 5.000 Ladezyklen, abhängig von Nutzung und Pflege.
Die Wartung von E-LKW unterscheidet sich grundlegend von der herkömmlicher Diesel-Fahrzeuge. Während Ölwechsel, Luftfilterwechsel und andere motorspezifische Wartungsarbeiten entfallen, rücken Batteriecheck, Softwareupdates und die Wartung der elektrischen Komponenten in den Vordergrund. Dies erfordert speziell geschulte Techniker und neue Diagnosegeräte.
Die Reichweite von 400 Kilometern der neuen E-LKW ist für die meisten Einsatzzwecke der Post ausreichend. Die durchschnittliche Tagesfahrleistung von Logistik-LKW liegt in Österreich bei etwa 200 bis 350 Kilometern. Durch intelligente Routenplanung und die Möglichkeit zur Zwischenladung während der gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen lassen sich auch längere Strecken bewältigen.
Die aktuelle Investition von 1,7 Millionen Euro ist erst der Anfang einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie der Österreichischen Post. Das Unternehmen plant, in den kommenden Jahren weitere E-LKW anzuschaffen und das Ladenetz kontinuierlich auszubauen. Ziel ist es, bis 2030 einen Großteil der Schwerfahrzeugflotte auf elektrische Antriebe umzustellen.
Experten gehen davon aus, dass sich die Anschaffungskosten für E-LKW in den nächsten fünf Jahren deutlich reduzieren werden, während gleichzeitig die Batterietechnologie weiterentwickelt wird. Neue Batteriegeneration mit höherer Energiedichte und schnelleren Ladezeiten stehen bereits in der Entwicklung. Solid-State-Batterien könnten mittelfristig die aktuellen Lithium-Ionen-Systeme ablösen und die Reichweite von E-LKW auf über 600 Kilometer erhöhen.
Die Initiative der Österreichischen Post fügt sich in die europäische Verkehrswende ein. Die EU-Kommission hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Verkehrssektor, der derzeit für etwa ein Viertel der europäischen CO₂-Emissionen verantwortlich ist, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Bis 2030 sollen in der EU mindestens 30 Millionen emissionsfreie Fahrzeuge unterwegs sein.
Österreich könnte mit seiner Vorreiterrolle bei E-LKW im Logistikbereich anderen EU-Mitgliedstaaten als Vorbild dienen. Die gewonnenen Erfahrungen bei Betrieb, Wartung und Integration von E-LKW in bestehende Logistikprozesse sind wertvoll für die gesamte Branche.
Mit der Investition von über 1,7 Millionen Euro in vier neue E-LKW setzt die Österreichische Post ein wichtiges Signal für die Verkehrswende im Güterverkehr. Die Premiere der elektrischen Schwerfahrzeuge in der Steiermark und in Tirol markiert einen Wendepunkt in der österreichischen Logistiklandschaft. Die jährliche Einsparung von 189 Tonnen CO₂ ist nur der Anfang – das wahre Potenzial liegt in der Skalierung dieser Technologie auf die gesamte Transportbranche.
Die positiven Erfahrungen aus dem bisherigen Testbetrieb zeigen, dass E-LKW auch unter österreichischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Mit der Kombination aus österreichischem Ökostrom, eigenen Photovoltaikanlagen und modernen Schnellladestationen beweist die Post, dass nachhaltige Logistik nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Welche weiteren Schritte wird das Unternehmen in den kommenden Jahren setzen, um seine Vorreiterrolle bei der Elektrifizierung des Güterverkehrs weiter auszubauen?