Benefizsuppenessen der Katholischen Frauenbewegung im Zeichen der Solidarität
Bundesratspräsident Stotter lud zur Familienfasttag-Veranstaltung ins Parlament. Die kfbö sammelt mit Suppenessen Spenden für Frauenprojekte.
Das österreichische Parlament wurde gestern zum Schauplatz einer besonderen Form der Solidarität: Anlässlich des Familienfasttags der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) lud Bundesratspräsident Markus Stotter zu einer Veranstaltung ein, die Partizipation und Unterstützung von Frauen im Globalen Süden in den Mittelpunkt stellte.
Der Familienfasttag der kfbö ist mehr als nur eine religiöse Tradition. Jedes Jahr organisiert die Katholische Frauenbewegung Österreichs in der Fastenzeit Benefizsuppenessen, deren Erlöse direkt an Frauenprojekte im Globalen Süden weitergeleitet werden. Diese Form der praktischen Nächstenliebe verbindet spirituelle Reflexion mit konkretem gesellschaftlichem Engagement.
Als Modellprojekt für 2026 wurde die Organisation Seeds ausgewählt, die mit indigenen Frauen im Osten Indiens arbeitet. Diese Partnerschaft zeigt exemplarisch, wie österreichische Solidarität konkrete Verbesserungen im Leben benachteiligter Frauen bewirken kann.
Bundesratspräsident Markus Stotter betonte in seinen Begrüßungsworten die besondere Symbolkraft der Veranstaltung im Parlament. "Dieser Akt der Nächstenliebe fordert dazu heraus, Verantwortung für eine gerechtere Welt zu übernehmen", erklärte Stotter. Gerade im Parlament, dem Ort der demokratischen Willensbildung, sei dieses Zeichen von besonderer Bedeutung.
Der Bundesratspräsident unterstrich, dass Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam gefordert seien, soziale Gerechtigkeit zu fördern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein Leben in Würde ermöglichen. Diese Aussage verdeutlicht die Rolle des Staates bei der Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen.
Kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl nutzte die Gelegenheit, um auf fundamentale Demokratieprinzipien hinzuweisen. "Teilhabe ist das Fundament einer Demokratie, doch diese ist ungleich verteilt und zunehmend bedroht", mahnte sie. Ihre Definition von Gleichberechtigung geht über formale Gleichstellung hinaus: "Gleichberechtigung bedeutet nicht, alle gleich zu behandeln, sondern Machtverhältnisse zu erkennen und Macht bewusst zu teilen."
Diese Perspektive spiegelt einen modernen Ansatz wider, der strukturelle Ungleichheiten anerkennt und aktive Umverteilung von Machtpositionen fordert.
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner würdigte das Engagement der kfbö als Beispiel für Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe. Sie dankte der Organisation für ihr Engagement zur Stärkung der Teilhabe von Frauen und hob besonders den Mut hervor, den es brauche, um patriarchale Machtstrukturen immer wieder zu hinterfragen.
Die Ministerin betonte damit die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit, sowohl national als auch international.
Den inhaltlichen Kern der Veranstaltung bildete ein Impulsvortrag der Sozialethikerin Linda Kreuzer zum Thema "Mit Spannungen leben", der sich mit dem politischen Engagement christlicher Frauen auseinandersetzte. Dieser Vortrag beleuchtete die komplexen Herausforderungen, denen sich religiös motivierte Aktivistinnen in politischen Kontexten gegenübersehen.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das von Clivia Blümel moderierte Expertinnengespräch über Solidarität mit Frauen im Globalen Süden. Die hochkarätige Runde umfasste:
Diese Zusammensetzung ermöglichte einen umfassenden Blick auf die verschiedenen Dimensionen internationaler Frauenförderung.
Nach den Schlussworten von Wilhelm Krautwaschl, Bischof der Diözese Graz-Seckau, fand die Veranstaltung ihren symbolischen Höhepunkt: Schülerinnen und Schüler der Tourismusschulen Modul servierten zwei von ihnen selbst zubereitete Fastensuppen.
Dieser Abschluss verband Theorie und Praxis auf eindrucksvolle Weise. Die jungen Menschen verkörperten dabei die nächste Generation, die das Erbe der Solidarität und des gesellschaftlichen Engagements weiterführen soll.
Die Veranstaltung im Parlament unterstreicht die wichtige Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen in der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die kfbö zeigt beispielhaft, wie religiös motivierte Gruppen zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele beitragen können, insbesondere im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit.
Der Familienfasttag demonstriert zudem, wie lokale Aktionen globale Wirkung entfalten können. Die in österreichischen Gemeinden gesammelten Spenden ermöglichen konkrete Verbesserungen im Leben von Frauen in Entwicklungsländern.
Das Engagement der kfbö könnte als Modell für andere Organisationen dienen, die nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit betreiben möchten. Die Kombination aus spiritueller Motivation, praktischem Engagement und politischer Sensibilisierung zeigt einen ganzheitlichen Ansatz auf.
Die Tatsache, dass diese Initiative im österreichischen Parlament gewürdigt wurde, verleiht ihr zusätzliche politische Legitimität und könnte andere Organisationen ermutigen, ähnliche Wege zu beschreiten.
Die Parlamentsveranstaltung war mehr als ein symbolischer Akt. Sie unterstrich die Notwendigkeit kontinuierlicher Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit und internationale Solidarität. Die Partnerschaft mit Seeds in Indien zeigt, dass österreichische Organisationen bereit sind, langfristige Verpflichtungen einzugehen.
Die Verbindung von spiritueller Praxis und politischem Engagement, wie sie die kfbö verkörpert, könnte in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft neue Wege für gesellschaftliches Engagement aufzeigen. Sie beweist, dass religiöse Motivation und moderne Entwicklungszusammenarbeit durchaus vereinbar sind.
Die Veranstaltung im Parlament sendete ein starkes Signal: Österreich steht zu seiner Verantwortung in der internationalen Zusammenarbeit und würdigt das Engagement seiner Zivilgesellschaft bei der Förderung von Menschenrechten und Geschlechtergerechtigkeit weltweit.