Dok 1 beleuchtet kommunale Finanzprobleme, neue Sendung erkundet heimische Küche
Am 25. Februar zeigt ORF 1 drei Programme über Gemeindefinanzen, österreichische Küche und das Wirtshaussterben - ein Querschnitt durch aktuelle Themen.
Der ORF präsentiert am Mittwoch, dem 25. Februar 2026, ein vielfältiges Programm über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen in Österreich. Von der Finanzkrise der Gemeinden über kulinarische Traditionen bis hin zum Wirtshaussterben – die drei Sendungen bieten einen umfassenden Einblick in verschiedene Bereiche des österreichischen Alltags.
Den Auftakt macht um 20.15 Uhr die "Dok 1"-Ausgabe "Sparen, Streichen, Schließen – Gemeinden unter Druck" mit Hanno Settele. Die Dokumentation beleuchtet ein brisantes Thema: Fast die Hälfte der 2.092 österreichischen Gemeinden schreibt mittlerweile rote Zahlen. Die Aufgaben werden nicht weniger, das verfügbare Geld jedoch schon.
Settele reist quer durch Österreich und zeigt die dramatischen Auswirkungen der kommunalen Finanzkrise. In Bruck an der Mur ist die Situation bereits seit über zehn Jahren angespannt. Das Eisstadion musste aus Kostengründen geschlossen werden, die Mittelschule wegen Sicherheitsrisiken zusperren, und das örtliche Freibad erhöht weiterhin die Schulden der Gemeinde.
Besonders bemerkenswert sind die strukturellen Ineffizienzen, die sich durch die Finanzkrise offenbaren. So verfügt das niederösterreichische Zwettl mit knapp 11.000 Einwohnern über 26 Feuerwehrhäuser – ein deutliches Zeichen für historisch gewachsene, aber heute nicht mehr finanzierbare Strukturen. In St. Anton im Montafon kämpft man hingegen mit einem zu kleinen Feuerwehrhaus: zwei Garagen für drei Feuerwehrautos.
Der Spardruck führt zunehmend zu Diskussionen über Gemeindezusammenlegungen. Diese treffen jedoch auf erheblichen politischen Widerstand. Ein Beispiel liefert die Steiermark, die 2015 im großen Stil Gemeindefusionen umsetzte. Obwohl Fachleute diese heute positiv bewerten, wurden SPÖ und ÖVP bei der darauffolgenden Landtagswahl massiv abgestraft.
Es gibt jedoch auch positive Beispiele: Von den 2.092 Gemeinden sind etwa 50 schuldenfrei. Wels in Oberösterreich befindet sich auf dem Weg dorthin – der dortige Bürgermeister schaffte es, die Kommune innerhalb von zehn Jahren aus der Schuldenfalle zu führen. In Tirol gelang 2022 eine freiwillige Fusion zwischen Matrei am Brenner, Mühlbachl und Pfons.
Expertinnen wie Karoline Mitterer vom Zentrum für Verwaltungsforschung, Gemeindebundpräsident Johannes Pressl und Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker warnen jedoch: Eine Besserung sei nicht in Sicht. Die Dokumentation geht der Frage nach, was die Ursachen für die finanzielle Schieflage sind und ob in der Vergangenheit zu wenig aufs Geld geschaut wurde.
Um 21.05 Uhr folgt die zweite Ausgabe von "So isst Österreich besser", einer neuen ORF-Sendung, die sich mit Ernährung zwischen Handwerk, Wissenschaft und Konsumalltag beschäftigt. Moderatorin Silvia Schneider, Patissière Eveline Wild und Molekularbiologe Fritz Treiber nehmen diesmal Eis und Sachertorte unter die Lupe – zwei der beliebtesten süßen Klassiker Österreichs.
Die Sendung zeigt den Kontrast zwischen traditioneller Handwerkskunst und industrieller Produktion auf. Während Eveline Wild demonstriert, wie cremiges Eis aus wenigen hochwertigen Zutaten entsteht, erklärt Fritz Treiber die Geheimnisse industrieller Eisprodukte. Emulgatoren, Stabilisatoren, Molkenprodukte und der hohe Luftanteil in Supermarktpackungen werden ebenso thematisiert wie die Bedeutung von Vanille, Fett und Gefriertechnik.
Ein besonderer Fokus liegt auf der berühmten Sachertorte. Nach einem historischen Rückblick auf ihre Entstehung und den legendären Markenstreit zwischen Sacher und Demel werden auch Tiefkühlvarianten aus dem Supermarkt analysiert. Fritz Treiber erläutert rechtliche Vorgaben, Zusatzstoffe und industrielle Produktionsweisen, während Eveline Wild eine klassische Sachertorte mit selbst gemachter Marillenmarmelade zubereitet.
Verkostungen machen deutlich: Selbst gemachtes Eis überzeugt durch natürlichen Geschmack und aromatische Tiefe, während industrielles Eis vor allem mit günstigem Preis und ständiger Verfügbarkeit punktet. Die Rezepte der Sendung sind in der ORF nachlese sowie auf extra.ORF.at und tv.ORF.at abrufbar.
Um 22.00 Uhr widmet sich die zweite Folge der sechsteiligen ORF-Doku-Reportageserie "Aufsperren statt Zusperren!" dem dramatischen Wirtshaussterben. Kira Schinko ist diesmal rund um ihre Heimat Linz unterwegs und stellt fest, dass viele ihrer liebsten Ausflugsziele geschlossen haben – ebenso das ehemalige Lieblingswirtshaus ihres Opas in der Stadt.
Kurzerhand beschließt sie, den Tanzboden im Leopoldi-Stüberl noch einmal aufleben zu lassen. Unterstützung bekommt sie von Marie Rahofer-Reisetbauer vom Gasthof Rahofer. Das Gespräch zeigt auf, dass Wirtin-Sein oft ein anderer Beruf ist als Wirt-Sein. Mit kleinem Kind, kaum planbaren Arbeitszeiten und wenig struktureller Unterstützung muss der Betrieb anders organisiert werden.
Für das gemeinsame Aufsperren kocht Haubenkoch Felix Haiderer einen Klassiker. Die Episode zeigt innovative Ansätze auf, wie traditionelle Gasthäuser mit modernen Herausforderungen umgehen können. Die Zeche Hinterfotzing nimmt ebenfalls Platz am Stammtisch und trägt zur authentischen Atmosphäre bei.
Die Sendung macht deutlich, dass das Wirtshaussterben nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein kulturelles Problem darstellt. Traditionelle Treffpunkte verschwinden, und mit ihnen geht ein wichtiger Teil der österreichischen Gesellschaftskultur verloren.
Das Programm wird um 22.40 Uhr mit einem "Milch und Honig"-Dacapo abgerundet. Alle Sendungen sind sowohl in ORF 1 als auch auf ORF ON verfügbar, wobei einige Inhalte bereits 24 Stunden vorab online abrufbar sind.
Die drei Hauptsendungen des Abends spiegeln wichtige gesellschaftliche Entwicklungen wider: die Finanzkrise der Gemeinden als kommunalpolitische Herausforderung, den Wandel der Esskultur zwischen Tradition und Moderne sowie das Verschwinden traditioneller Gasthäuser als kulturelles Phänomen.
Der ORF setzt mit diesem Programmabend ein starkes Zeichen für qualitätsvolles, gesellschaftlich relevantes Fernsehen. Alle drei Sendungen verbinden Information mit Unterhaltung und bieten den Zuschauern einen fundierten Einblick in aktuelle Entwicklungen des österreichischen Alltags. Das Format zeigt, wie öffentlich-rechtliches Fernsehen wichtige Themen aufgreifen und zur gesellschaftlichen Diskussion beitragen kann.