Hochkarätige Expertenrunde analysiert aktuelle Kriegslage und mögliche Auswege
Am 22. Februar debattiert das ORF über die Zukunft des Ukraine-Kriegs mit renommierten Experten aus Politik, Militär und Diplomatie.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine steht Europa vor schwierigen Fragen: Wie lange können und wollen die westlichen Gesellschaften den Krieg und seine Folgen mittragen? Diese zentrale Frage greift das ORF in einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde auf.
Der Ukraine-Krieg hat nicht nur das angegriffene Land zerrissen, sondern spaltet auch die österreichische Gesellschaft. Während die einen für weitere Unterstützung der Ukraine plädieren, fordern andere ein baldiges Ende der Kampfhandlungen – auch um den Preis von Gebietsverlusten für Kiew. Diese gesellschaftliche Zerrissenheit spiegelt sich auch in der politischen Landschaft wider.
Die Diskussion um die richtige Strategie im Umgang mit Russland hat in den vergangenen Monaten an Schärfe gewonnen. Während manche auf eine militärische Lösung setzen, fordern andere einen diplomatischen Ausweg – selbst wenn dies Verhandlungen mit Präsident Wladimir Putin bedeuten würde.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich zuletzt hochrangige europäische Politiker für direkte Gespräche mit Moskau ausgesprochen haben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, lange Zeit ein Verfechter harter Sanktionen gegen Russland, hat seine Position überdacht. Auch Bundeskanzler Christian Stocker signalisiert Bereitschaft für einen neuen diplomatischen Ansatz.
Diese Positionsänderungen werfen grundsätzliche Fragen auf: Ist die bisherige Strategie der Isolation Russlands gescheitert? Braucht es tatsächlich einen Strategiewechsel gegenüber Moskau? Und welche Rolle kann Österreich als neutrales Land in möglichen Friedensverhandlungen spielen?
Parallel zur Debatte über diplomatische Lösungen läuft eine intensive Diskussion über Europas militärische Zukunft. Die EU hat ihre Verteidigungsausgaben in den vergangenen Jahren massiv erhöht, doch reicht diese konventionelle Aufrüstung aus? Immer lauter werden Stimmen, die sogar eine eigene europäische atomare Abschreckung ins Gespräch bringen.
Diese Überlegungen sind nicht nur militärstrategischer Natur, sondern berühren auch fundamentale Fragen europäischer Identität und Souveränität. Kann sich Europa langfristig auf den amerikanischen Nuklearschirm verlassen? Und wäre eine europäische Atomwaffe überhaupt politisch durchsetzbar?
Um diese komplexen Fragen zu diskutieren, hat das ORF eine hochkarätige Expertenrunde zusammengestellt. Berthold Sandtner vom Bundesheer bringt seine militäranalytische Expertise ein und kann die operative Lage an der Front bewerten. Seine Einschätzungen zur militärischen Entwicklung des Konflikts werden für die Diskussion zentral sein.
Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck gilt als einer der renommiertesten Russland-Experten im deutschsprachigen Raum. Seine Analyse der russischen Perspektive und der Motive Putins wird wichtige Einblicke in die Denkweise des Kremls liefern.
Wolfgang Petritsch kann auf eine jahrzehntelange diplomatische Karriere zurückblicken. Als ehemaliger österreichischer Botschafter und internationaler Vermittler hat er bereits in verschiedenen Konfliktregionen Erfahrungen gesammelt. Seine Expertise in Friedensverhandlungen macht ihn zu einem wertvollen Gesprächspartner für die Frage nach diplomatischen Auswegen.
Elisabeth Hoffberger-Pippan rundet die Runde als Expertin für Sicherheitspolitik ab. Ihre Analyse der europäischen Sicherheitsarchitektur und der Rolle Österreichs wird wichtige Perspektiven eröffnen.
Für Österreich stellt der Ukraine-Krieg eine besondere Herausforderung dar. Als neutrales Land muss die Alpenrepublik einen schwierigen Balanceakt zwischen europäischer Solidarität und neutralitätsrechtlichen Verpflichtungen vollziehen. Diese Position eröffnet aber auch Chancen: Österreich könnte als Vermittler auftreten, sollte es zu Friedensverhandlungen kommen.
Die österreichische Bevölkerung ist in der Frage der Ukraine-Unterstützung gespalten. Während viele die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge unterstützen, herrscht bei militärischer Unterstützung oder weiterreichenden Sanktionen größere Skepsis. Diese Stimmung spiegelt sich auch in den politischen Debatten wider.
Vier Jahre Krieg haben auch für Österreich erhebliche wirtschaftliche Folgen. Die Energiepreise sind gestiegen, Lieferketten wurden unterbrochen, und die Inflation belastet die Haushalte. Gleichzeitig hat das Land erhebliche Mittel für die Aufnahme und Betreuung ukrainischer Flüchtlinge aufgewendet.
Diese wirtschaftlichen Belastungen verstärken den gesellschaftlichen Druck, nach Lösungen zu suchen. Viele Österreicherinnen und Österreicher fragen sich, wie lange diese Situation noch tragbar ist und welche Alternativen es gibt.
Der Ukraine-Krieg hat auch die internationalen Beziehungen grundlegend verändert. Das Verhältnis zwischen Ost und West ist auf einem Tiefpunkt angelangt, neue geopolitische Blöcke formieren sich. China und andere Staaten versuchen, aus der Situation Kapital zu schlagen.
Für Europa stellt sich die Frage nach der eigenen Rolle in dieser neuen Weltordnung. Kann die EU als eigenständiger geopolitischer Akteur auftreten, oder bleibt sie auf die USA angewiesen? Diese Fragen werden auch die Diskussion im ORF prägen.
Die Sendung "Das Gespräch" verspricht eine tiefgehende Analyse der aktuellen Situation und möglicher Auswege aus der Krise. Moderatorin Susanne Schnabl wird mit ihren Gästen die verschiedenen Optionen durchleuchten – von militärischen Lösungen über diplomatische Initiativen bis hin zu längerfristigen sicherheitspolitischen Überlegungen.
Besonders spannend wird die Frage sein, ob sich die Experten auf gemeinsame Empfehlungen einigen können oder ob die unterschiedlichen Perspektiven unvereinbar bleiben. Die Diskussion wird am Sonntag, dem 22. Februar 2026, um 22.10 Uhr in ORF 2 und parallel auf ORF ON zu sehen sein.
In einer Zeit, in der einfache Antworten auf komplexe Fragen immer seltener werden, bietet die Sendung eine Gelegenheit für eine differenzierte Betrachtung eines der wichtigsten Konflikte unserer Zeit. Die Zuschauer können sich auf eine sachliche, aber durchaus kontroverse Diskussion freuen, die verschiedene Lösungsansätze beleuchtet.